Karl May: Zepter und Hammer [GW 45] & Die Juweleninsel [GW 46]
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Die erste Häfte von "Zepter und Hammer" habe ich brav und relativ akribisch durchgelesen; bei der zweiten schaltete ich in den Schnell- und Sehrschnellgang, und den nächsten Band, habe ich nur noch stichprobenartig einige Stellen gelesen. Schon die ersten Hälfte des ersten Romans hat meine Geduld ziemlich auf die Probe gestellt, wie ich sagen muß.

Den großen Rahmen in "Zepter und Hammer" bildet ein Konflikt zwischen zwei fiktiven, deutsch anmutenden Fürstentümern, namens Norland und Süderland; ein Großteil der Handlung findet aber in realen Ländern statt.

5968ff17131f3_KarlMayZepterJuwelen.thumb.jpg.574efa7d223bd020a21d86d7b5f3358e.jpgDie Geschichte setzt mit einer hübschen Szene ein; auf einer Waldlichtung, etwas Abseits eines Lagers der Gitani, oder Zigeuner, verhandelt ein Pärchen sein Liebesverhältnis, und konkret ein Gedicht und einen Kuß; das Mädchen, eine "vollendete" Schönheit von etwa 17 Jahren, ist vielleicht ein wenig zu kokett und leichtfertig, der junge Mann hier ein wenig zu ernsthaft, es hakt etwas zwischen den beiden.  Dies sind zwei Hauptfiguren - der junge Mann ist Katombo, und er ist von den Gitani adoptiert worden; seine wahre Identität birgt einige Brisanz;  das Mädchen heißt Lilga. Dieses hübsche Pärchen soll bald auseinandergerissen werden, und nie wieder zusammenfinden.  Denn ersteinmal hat der böse Graf, in dessen Wald die Gitani lagern, ein Faible für bildschöne junge Zingaras (er hatte sie wohl nur deswegen dort campieren lassen, um sich an die Schöne heranzumachen), außerdem erkennt er in Katombo den rechtmäßigen Anwärter auf den Grafentitel will den Rivalen um Herz und Krönchen natürlich beseitigen, aber Katombo kann fliehen. 

Der Beginn war also, wie ich fand, recht vielversprechend. Der nächste Abschnitt begann irritierenderweise in - Ägypten.  Weshalb Katombo ausgerechnet hier Unterschlupf suchte, wird nicht erklärt. Er tritt hier als Kapitän eines Nilschiffes in Erscheinung, der das volle Vertrauen und die Wertschätzung seines Chefs, des Reeders besitzt.  Es ergeben sich hier natürlich wieder etliche atemberaubende Abenteuer und nebenbei auch ein weiteres Weib - die Tochter des Reeders. Unter ihrem Schleier war diese - Ayescha -  natürlich irgendwie schon in Verehrung zum wackeren Katombo entflammt, und eines Tages kommt es zu einem rein zufälligen Treffen in einem Gartenhaus; und irgendwie weht versehentlich der Schleier zur Seite, und man erkennt recht bald, daß man füreinander bestimmt sein muß. Weiterhin ergibt sich, daß Ayescha überraschenderrweise eine Art Kryptochristin ist, was am Einfluß einer ehemaligen Haushaltshilfe gelegen zu haben scheint; so steht ja einer Ehe nur noch die väterliche Zustimmung entgegen. Die ergibt sich verblüffend unproblematisch, denn durch irgendeine Koinzidenz hat der Patriarch die Szene beobachtet und belauscht, findet alles ganz toll und ist einverstanden.

Was die Abenteuer angeht, so dreht es sich um allerhand Blutfehden und dergleichen. Katombo, in Ehrensachen ohnehin empfindsam, integriert sich hervorragend ins Morgenland und lernt, sich vollendet kultursensibel an seinen gefährlichen, mächtigen Feinden zu rächen.  Denn er entwickelt ein großes handwerkliches Geschick darin,  seinen Gegnern vermittels des Krummsäbels in elegantem Schwung den Kopf vom Hals zu trennen. Eh der sich's versieht, zack, ist die Rübe ab.

Im Verlauf der Geschichte ergibt sich aus zwingenden Gründen die Notwendigkeit, daß Katombo in Begleitung Ayeschas mit dem besten der Flußschiffe seines Schwiegervaters über das Meer zu segelt.  Dummerweise wird das Schiff von einem vor der Küste patroullierenden englischen Dampfsegler aufgebracht, die Mannschaft wird an Bord des Kriegsschiffs namens "Eagle" gebracht. Durch eine eigenwillige Schicksalsfügung findet sich an Bord als Offizier: Katombos alter Erzfeind, der notzüchtige, böse Graf, der sich an Bord militärisch fortbilden will.  Den Graf hatte, so wird erwähnt, seine krankhafte Libido dazu gebracht, in den Harem des Khediven einzudringen wie der Fuchs in den Hühnerstall - das ward von dem nicht gern gesehen, so mußte der Graf entweichen.  Hatte der Unhold sich schon auf Katombos zingarische Verlobte abgesehen, so beabsichtigt er nun auch noch die Schändung der Ayescha und läßt sie in seine Kabine bringen. Klar, daß Katombo da einen Aufstand organisieren und das britische Kriegsschiff in seine Hand bringen muß; die Besatzung läßt sich ziemlich leicht davon überzeugen, zu desertiren und in Katombos Dienste zu treten.  Den fiesen Grafen schickt Katombo mit freundlichen Grüßen als Gefangenen an den Khediven, der ja noch einige Hühnchen mit ihm zu rupfen hat. 

So in ent- und verwickeln sich die verschiedensten Handlungsfäden, Katombo bringt es zwangläufig zum Großadmiral des Khediven, Plausibilität spielt dabei keine Hauptrolle.  Was hat das mit dem ursprünglichen Handlungsstrang in Norland zu tun? Nicht allzu viel. Es ist, offen gesagt, einfach wahnsinnig viel beliebiges FLüllmaterial, das sich Karl May aus den Fngern saugt. ""Scepter und Hammer" erschien eben als Kolportageroman, das merkt man ihm trotz teils wohl ziemlich radikaler Bearbeitung für die Neuveröffentlichung 1926 immer noch deutlich an.

Der zweite Teil des Romans führt wieder zurück in nördliche Gefilde. Dort tritt eine etwas verlumpte Zingara auf; sie sieht aus wie fünfzig, aber da Zingaras ungünstig altern, habe sie dieses Alter wohl noch nicht erreicht, so der Erzählr. Es ist die arme Lilga, die mittlerweile Vajdzinia ihres Stammes geworden ist und auf den Sohn des bösen Grafen trifft....

Lilga durchlebt auch noch den Band "Die Juweleninsel" weitgehend; es gibt, wenn ich mich recht entsinne, auch noch ein leztes Wiedersehen mit Katombo . 

In diesem Band wird es, was die Schauplätze betrifft, auch recht bunt, neben den fiktiven eurpäischen Fürstentümern zumindest Texas, San Franciso und der Pazifik. Einen längeren Einschub bilden hier die beiden Teile der "Tagebücher des Verschollenen", eine Art Robinsonade, die für sich genommen vielleicht gar nicht mal schlecht wären. Es ist hier wieder eine Geschichte in der Geschichte, die mit dem Hauptstrang letztlich wieder wenig zu tun hat. May hätte das im Prinzip ad infinitum treiben können, und das ist das Haupproblem der beiden Bände - es ist irgendwie alles sinnlos, weil völlig beliebig. May soll sich selbst in seinen Handlungsfäden derart verheddert haben, daß sich manche Figuren, die sich eigentlich kannten, bei späteren Begegnungen wiedererkannten, und ein paar Fäden hat er wohl auch völlig verloren und nicht zudende erzählt. Das alles ist in Bearbeitung verschwunden und berichtigt, aber die Bände wirken trotzdem ziemlich verfahren. Vielleicht kann man das mögen, aber mir ging es auf die Nerven. Ein Fortsetzungsroman weit, weit höherer Qualität war beispielsweise Dumas' Graf von Sainte Hermine, der auch in seiner wiederveröffentlichten unbearbeiteten Form sehr gut lesbar ist, trotz gewisser Redundanzen, die Dumas wohl beseitigt hätte, wenn es zu einer Buchausgabe gekommen wäre. 

Empfehlen würde ich diese beiden Bände nicht - besonders nicht May-Erstlesern, denn die Strukturlosigkeit wäre wohl eher abschreckend. Sammler werden sich die Bücher natürlich zulegen, sie sehen ja auch sehr nett aus.  Aber es gibt viele, viele Bücher, die stärker und berechtigter danach verlangen, gelesen zu werden.

                                  5968ff497c26e_KarlMayZepterJuwelen1.jpg.8ca1b00dc9e544ecccfd7f7d6820c680.jpg

   

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Als Karl-May-Fan besitze ich natürlich beide Bände und habe sie auch gelesen. Einmal. Das genügt. Es gab auch von May bessere Kolportageromane.

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Ja, "Waldröschen" vielleicht, bzw. das, was der Karl May-Verlag daraus gemacht hat? Vor unendlich langer Zeit hatte ich beispielsweise mal "Schloß Rodriganda" gelesen, fand ich ganz gut. Es ist aber der einzige Band der Reise gewesen, den ich las. Würde mich vielleicht nochmal interessieren wg. Benito Juarez und dem österreichischen Maximilian. 

Und "Die Liebe des Ulanen" ist sicher auch besser. Da habe ich den ersten Band in Reichweite, "Der Weg nach Waterloo", mal schauen...

 

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