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Lennarth Petersson: Rigging Period Fore-and-Aft-Craft

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Lennarth Petersson: Rigging Period Fore-and-Aft-Craft. 110 Seiten. Hauptsächlich perspektivische Zeichnungen, etwas Text. Erstauflage Chatham Publishing 2007, die vorliegende Ausgabe mit Pappeinband erschien 2015 bei Seaforth Publishing.

Das Konzept des Bandes ist es, drei Schratsegel-Takelagen anhand perspektivischer Zeichnungen anschaulich zu machen. Die drei gezeigten Takelagen basieren auf zeitgenössischen Modellen:

  • Ein englischer Kutter: Es handelt sich hier um ein getakeltes Modell ohne Segel im Maßstab 1:30 aus dem Science Museum. Die Maße könnten lt Autor jenen des Kutters EXPEDITION von 1778 entsprechen. 5aaabf2b946b3_PeterssonRiggingPeriodimage020.thumb.jpg.f8fda1af103f6625f6d66dd7fecf06ba.jpg
  • Ein französischer Lugger: Vorlage ist ein Modell im Maßstab 1:24 im National Maritime Museum, das offenbar keinem genauen Vorbild zugeordnet werden kann. Es stammt wohl aus der Zeit um 1800. Die Takelage ist die vollständigste, denn im Gegensatz zu den anderen beiden Modellen besitzt das Modell Segel.
  • Ein amerikanischer Baltimore-Schoner: Vorbild ist hier das Modell des 1808 gebauten amerikanischen Schoners EXPERIMENT, das sich im Marinemuseum in Karlskrona befindet. Das Schiff wurde von der schwedischen Marine angekauft und war außerordentlich lange im Dienst, von 1812 bis 1871. 

Alle drei Kapitel folgem der Struktur: Eine Seite Text zu Typ und Modell; eine perspektivische Gesamtansicht der Takelage,  eine Rumpf-Seitenansicht, Draufsicht auf die Deckseinrichtung, Belegplan, und diverse Detaildarstellungen  - diese fast immer perspektivisch. Die anschaulichen Zeichnungen vermitteln einen ausgezeichneten Eindruck vom grundsätzlichen Aufbau der Takelagen, und das das macht das Buch zu einem sehr guten Hilfsmittel. Das Inhaltsverzeichnis verzeichnet alle Tafeln und was darauf gezeigt wird, was den Zugriff erleichtert. Was der Band nicht leisten kann und will, ist die Darstellung der Takelagen in sämtlichen Einzelaspekten, ganz zu schweigen von der Seemannschaft. Der Band eignet sich also als Ergänzung zu den drei Takelagetypen, er ist aber nicht die Basisliteratur mit Tabellen mit Spierenabmessungen oder Tauwerksdurchmessern - die gibt es hier nicht.

Es gibt allerdings auch ein paar Probleme. Gerade die Darstellung der Kutter-Takelage bleibt dadurch beschränkt, daß das Modell eben keine Segel besitzt. Petersson skizziert zwar einige, aber ich fürchte, man bekommt doch keinen rechten Eindruck von der Segelflächen, die ein solches Schiff aufbieten konnte. Problematisch ist auch die ungenaue Datierung. Zwar gibt Petersson das Baudatum des Kutters, 1778 an, aber der Kutter war fast zwei Jahrzehnte im Dienst, und m.E. stammt die Takelage eher aus den 80ern oder sogar 90ern; man experimentierte in der Zeit viel, Expedition war 1778 sicher anders getakelt als 1796. Theoretisch hätten auch mit Segeln ausgestattete Kuttermodelle als Vorbild dienen können: Der Kutter HAWKE  im National Maritime Museum, den Petersson selbst erwähnt, und ein jüngerer Kutter um 1800, daselbst. Beim Schoner mit seiner langen Dienstzeit ergeben sich ähnliche Fragen, von wann das Modell wohl datieren mag.

Trotz dieser Unsicherheiten, über die ein Leser im Hinterkopf behalten sollte, ist das hübsche Bändchen sehr zu empfehlen. Sein selbstgestecktes Ziel, den Aufbau und die Funktion der Takelage-Elemente möglichst verständlich zu visualisieren, erreicht es definitiv. Den üblicherweise nicht sehr hohen Preis ist es allemal wert.  

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      Sprache: Englisch
      Gebundene Ausgabe - 128 Seiten - Chatham Publishing
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    • By McCool
      Lavery behauptet in "Ship of the Line" Bd. II S. 86, der Stampfstock sei nach 1794 erschienen. Daß "this was was shaped like an inverted V" kann wohl für die Zeit von 1800 weitgehend bezweifelt werden. Auf S. 78 in demselben Buch ist ein doppelter, V-förmiger wie der von Lavery gemeinte Stampfstock abgebildet, jedoch stammt der aus dem Anhang der 2. Auflage von Levers Sheet Anchor - d.h. die Darstellung stammt von 1819 (s.114b) (und Lavery datiert ihn in der Bildbeschreibung auch als charakteristisch für die Zeit um 1815).
      Im älteren, von 1808 stammenden Teil des Buchs ist auf S. 60b nämlich ein einfacher Stampfstock abgebildet. Dieser unterstützt keinen Außenklüverbaum (jedenfalls nicht direkt).
      Weiß jemand mehr zum Erscheinen des Stampfstocks? Auch in den 1790ern scheint er sich jedenfalls in der RN noch keiner so großen Verbreitung erfreut zu haben.
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