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mali

Schwedische Schnaubrig Vänta Litet, 1803

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Nach der Lolland nun eine andere nordische Brig, die Vänta Litet von 1803.

vl1japjm.jpg

vntalitetpic2igp65.jpg

Beide Bilder zeigen die Vänta Litet um 1818 oder 1819, nach einem größeren Umbau, in der höhere Schanzkleider sowie wohl kleine Plattformen vor und achtern angebracht wurden.

Hat mich gewundert, dass ich zu so einem kleinen (und relativ unbedeutenden) Schiff überhaupt passable Bilder gefunden hab :)

 

Hier die Pläne von 1799:

2kfspx.jpg

3uvsy1.jpg

1eeujd.jpg

42cs18.jpg

Dieses Bild zeigt die ursprüngliche Bewaffnung, kurze 18-Pfünder; das Konzept wurde wahrscheinlich von den Dänen 'ausgeliehen'.

 

50xs4v.jpg

Die spätere Bewaffnung (wohl nach dem Umbau), 18-Pfund Karronaden. Oben ist die schwedische Karronade zu sehen, unten zum Vergleich eine britische. Die schwedische war wohl leichter und kürzer.

 

Dimensionen:

 

Länge p/p:                                                      93' (schwedische Fuß, nach britischen Maßstab ~ 91' Länge auf dem Hauptdeck)

Länge Wasserlinie                                        88'

Breite:                                                              24'

Tiefgang Achtern                                           9 1/2'

Höhe der Batterie Mittschiffs                        6'

L/B Verhältnis                                                3.875

Blockkoeffizient                                             0.59 (mit Blender ermittlet)

 

Bewaffnung

14  kurze 18-Pfünder, später 16 18-Pfünder Karronaden

 

Schwesterschiff:

Delphinen (1801)

 

Hab den Plan kurz in Blender importiert, um mal einen Blick auf die Rumpfform werfen zu können und interessehalber zu überprüfen, ob af Chapmans Volumenberchnung für die Unterwasserrumpf (laut Plan 8920 Kubikfuß) korrekt war. Bei mir in Blender kamen 8919 heraus. Der konnte rechen, der Herr Chapman :P

vl139rpla.jpg

vl125kohy.jpg

 

Mehr zur Geschichte und dem ungewöhnlichen Namen ('Warte kurz') gibts morgen :)

Edited by mali
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Da hast Du ja wieder mal eine richtige Schönheit aufgetrieben! Was für eine tolle Artilleriezeichnung! Was kurze Geschütze angeht, findet man auch schon in Chapmans "Architectura" einiges abgebildet. Ich bin mir wirklich nicht sicher, wer mit den kurzen Haubitzendingern angefangen hat - bzw, waren nicht aufgrund ihrer Erzvorkommen die Schweden eh die eigentlichen Geschützgießer unter den Skandinaviern? Skandinavische Schiffsartillerie wäre auch ein Thema für einen Extrathread.

vor 6 Stunden schrieb mali:

Hab den Plan kurz in Blender importiert, um mal einen Blick auf die Rumpfform werfen zu können und interessehalber zu überprüfen, ob af Chapmans Volumenberchnung für die Unterwasserrumpf (laut Plan 8920 Kubikfuß) korrekt war. Bei mir in Blender kamen 8919 heraus

Das ist wirklich beeindruckend! Erstmal, daß Chapman so präzise gerechnet hat, und dann, daß Du das mit Blender so schön nachvollziehen konntest! Super!

Mit der offenen Reling sieht der Rumpf natürlich noch interessanter aus als im späteren zugebauten Zustand, das sieht sehr konventionell aus - der Planzustand erinnert an einige Entwürfe in der Architectura. Aber daß man ihm letztlich höhere Bordwände verpaßt hat, ist natürlich nicht verwunderlich.

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Am 27.3.2018 um 18:36 schrieb McCool:

Mit der offenen Reling sieht der Rumpf natürlich noch interessanter aus als im späteren zugebauten Zustand, das sieht sehr konventionell aus - der Planzustand erinnert an einige Entwürfe in der Architectura. Aber daß man ihm letztlich höhere Bordwände verpaßt hat, ist natürlich nicht verwunderlich.

Ja, in der Archictectura sind schon einige -v.a. für die Zeit - extreme Entwürfe, wie etwa den wunderbar eleganten Schoner (Nr 11) auf Tafel 40.

https://web.archive.org/web/20160213155904/http://www.sjohistoriska.se/ImageVaultFiles/id_2221/cf_1102/40.JPG

Mit 93 Fuß Länge wäre das schon ein ansehnliches Schiffchen gewesen und der Vänta Litet nicht unähnlich.

Die höheren Bordwände waren wohl notwendig, damit die VL und Delphinen einigermaßen trocken in die Karibik schippern konnten. Die stattlichen 6' Freibord - für ein Schiff dieser Größe - vor dem Umbau wären für die Ostsee wohl noch adäquat gewesen. Zum Vergleich, die Lougens trugen ihre Batterie 4' 6'' über dem Wasser, mit Bordwand warens dann wohl auch knapp über 6'.

Am 27.3.2018 um 18:36 schrieb McCool:

Ich bin mir wirklich nicht sicher, wer mit den kurzen Haubitzendingern angefangen hat - bzw, waren nicht aufgrund ihrer Erzvorkommen die Schweden eh die eigentlichen Geschützgießer unter den Skandinaviern? Skandinavische Schiffsartillerie wäre auch ein Thema für einen Extrathread.

Die kleinen Kanonen in der ANM sind 3-Pfünder, leider ohne Gewichtsangabe. Allerdings wären sie den 2 - und 3-Pfund Kanonen auf diesem Blatt von 1756 wohl vergleichbar:

9poundlmocy.jpg

Die spitz zulaufenden Kammern sind denen von späteren Karronaden und nordischen Leichtkanonen (und den russischen 'Einhörnern'?) in der Bauart nicht ganz unähnlich.

Die einzige gute Quelle - sprich nicht in Dänisch - zu den kurzen 18ern besagt, dass die ersten Varianten 1791 ausführlichen Tests unterzogen wurden und, nachdem diese (sehr) erfolgreich abgeschlossen waren, dann ab 1792 als offizielle Bewaffnung für die dänische Marine Verwendung fanden.

Die ersten schwedischen kurzen 18er hab ich auf den Blättern für die VL gefunden (von 1799) gefunden.

Zitat

Da hast Du ja wieder mal eine richtige Schönheit aufgetrieben! Was für eine tolle Artilleriezeichnung!

Naja, bin schon länger auf der Suche nach einem neuen Projekt und wollt mal was kleineres als die üblichen Fregatten, damit ich bei den Details in die Vollen gehen kann. Das Buch über die L' Amarante hab ich mir auch deswegen gekauft.

Die Lolland und Vänta Litet sind seit einem Jahr bei mir auf der Festplatte, die Vorstellungen lad ich quasi als Nebenprodukt hier ab, damit ich meine Recherche mal strukturiert zusammenfasse :P  Den Plan für die VL gibt´s übrigens auf WikiCommons in gigantischer Auflösung (14000 px, 200 mb)!

 

Zitat

Das ist wirklich beeindruckend! Erstmal, daß Chapman so präzise gerechnet hat, und dann, daß Du das mit Blender so schön nachvollziehen konntest! Super!

Das ist relativ einfach, das krieg sogar ich hin :P

Allerdings muss ich mich korrigieren, bei mir kamen 8925 Kubikfuß raus, bei nem dänischen Schiff war das mit nur einem Kubikfuß Unterschied.

Das niedrigere Ergebnis ist wohl den größeren Vierecksflächen, die ich in Blender verwende, geschuldet.

https://abload.de/img/untitledo3qft.jpg

Bild aus af Chapmans 'Tractat'.

https://abload.de/img/vl9_volume11hkqak.jpg

So siehts in Blender aus, das Volumen wird links mittig in Kubikzoll angezeigt.

Edited by mali
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Am 28.3.2018 um 17:00 schrieb mali:

Ja, in der Archictectura sind schon einige -v.a. für die Zeit - extreme Entwürfe, wie etwa den wunderbar eleganten Schoner (Nr 11) auf Tafel 40.

https://web.archive.org/web/20160213155904/http://www.sjohistoriska.se/ImageVaultFiles/id_2221/cf_1102/40.JPG

Mit 93 Fuß Länge wäre das schon ein ansehnliches Schiffchen gewesen und der Vänta Litet nicht unähnlich.

Die höheren Bordwände waren wohl notwendig, damit die VL und Delphinen einigermaßen trocken in die Karibik schippern konnten. Die stattlichen 6' Freibord - für ein Schiff dieser Größe - vor dem Umbau wären für die Ostsee wohl noch adäquat gewesen. Zum Vergleich, die Lougens trugen ihre Batterie 4' 6'' über dem Wasser, mit Bordwand warens dann wohl auch knapp über 6'.

Da war dann auch noch ein mit diesen haubitzartigen Drehbassen vollgestelltes Vollschiff, bei dem schön zu sehen war, daß man die Mannschaft bei einer offenen Bordwand eben durch Hängematten u. dgl. im Gefecht schützen muß. Die Kombination von hoher Bordwand ("deep waisted") und allgemein zu geringer Schiffsgröße konnte leicht tödlich enden - dafür waren gun brigs der Cherokee-Klasse berüchtigt (wie gesagt: "coffin brigs" oder "half tide rock"), die für weltweiten Einsatz einfach zu klein waren. Auch die Beagle hätte es mehrmals fast erwischt, und das, obwohl FitzRoy ihr Deck hatte höherlegen lassen. Das schöne Aquarell der havarierten Vänta Litet oben macht die Gefahr deutlich: Wenn so ein Schiffchen vollschlägt, die Wanne quasi voll ist, dann ist das natürlich extrem gefährlich.  In einer Notsituation der Beagle hatte man es gerade noch geschafft, die Stückpfortendeckel aufzubekommen. Das ist also immerhin ein Vorteil der offenen Bauweise, das Wasser läuft schnell ab.

Am 28.3.2018 um 17:00 schrieb mali:

Die kleinen Kanonen in der ANM sind 3-Pfünder, leider ohne Gewichtsangabe

Bemerkenswert ist ja, was für einen massiven Unterbau die Dreifpünder dies o.g. Schoners benötigten.  Hatten wir hier noch schon mal diesen Chapmanschen kurzen Spitzkammersechspfünder ovn 1790, vllt. als es um die leichten 24-Pfünder der Venüsse ging? 

5abd163f7fc51_Chapman6ib1790.thumb.jpg.c47a151dad531c09a5e4ff40cee40236.jpg

Text in lesbar:

5abd165140e83_Chapman6lb2.thumb.jpg.cd7a0a1474483ab00023b768b5be87a7.jpg

 
Der ist ja nur 11 Kaliber lang. Irgendwas steht da auch von 2 Schiffspfund, aber ich habe alles zu schwedischen Maßen & Gewichten unter irgendwelchen anderen Fakten verschüttet.

Bei den Schweden habe ich aber auch wirklich keine Vorstellung, was da wirklich artilleriemäßig realisiert wurde. Wenn ich mich recht entsinne, war man ja in den 1790ern fiskalisch ziemlich klamm.  Da fehlten die französischen Subventionen.

Am 28.3.2018 um 17:00 schrieb mali:

Die einzige gute Quelle - sprich nicht in Dänisch - zu den kurzen 18ern besagt, dass die ersten Varianten 1791 ausführlichen Tests unterzogen wurden und, nachdem diese (sehr) erfolgreich abgeschlossen waren, dann ab 1792 als offizielle Bewaffnung für die dänische Marine Verwendung fanden.

Das war dann wohl das System von Joergensen.  Und Carronaden kamen ein paar Jahre später auch noch dazu, wie es scheint - aber die waren ja auch noch mal deutlich kürzer.

 

Am 28.3.2018 um 17:00 schrieb mali:

Naja, bin schon länger auf der Suche nach einem neuen Projekt und wollt mal was kleineres als die üblichen Fregatten, damit ich bei den Details in die Vollen gehen kann.

Sehr gute Idee, und ich finde auch Modelle von Chapmans Entwürfen gut, die nicht realisiert wurden  - aber diese Briggschnau mit ihren realen Modifikationen ist natürlich sehr interessant. Schön, daß Du so viel dazu zusammenrecherchieren konntest!

Edited by McCool
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