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McCool

Korvette Amazone (1843) - Großmutter der deutschen Marine?

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Schon im Kaiserreich betrachtete man das Jahr der Indienststellung dieser kleinen Korvette Amazone als eigentliches Gründngsjahr der deutschen Marine. Ob das ganz richtig ist - dazu weiter unten. Erstmal Daten und Schilderung ihrer Tätigkeit:

 

Die Amazone war bereits im Jahre 1843 gebaut als Übungsschiff für die Navigationsschüler in Stettin vom Schiffbaumeister Elberthagen und machte unter Führung des früher dänischen Seeoffiziers v. Dirking - Hohnfeldt später Schröders mehrere transatlantische Übungsfahrten nach Südamerika und Nordamerika.

Die Amazone war 105 Fuß lang(...) und 28 Tuß breit, der Tiefgang 11 Fuß, also eine Korvette kleinster Klasse, die man sonstgewöhnlich als Brigg takelte. Das Schiff lag niedrig zu Wasser, hatte hohe Verschanzungen, einen lang ausgezogenen Bug und trug 12 leichte Geschütze (18 Pfünder) zum Exercieren. Die Besatzungsstärke wechselte selten und betrug zwischen 120 und 150 Mann. Das Schiff war reichlich betakelt und muß mit seinen hohen Masten einen recht flotten Eindruck gemacht haben. Die Berichte sprechen es aus, daß die Korvette bei leichtem Winde ein sehr guter schnellfüßiger Segler gewesen sei, bei schlechtem Wette jedoch ein rankes, ungemütliches Schiff, das wenig Segel tragen konnte und stete Havarien in der Taklelage hatte. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß das Schiff sehr übertakelt war.

Es diente lediglich als Schulschiff und entsprach diesen Zwecken im Sommer auch sehr gut, da die Takelage für die jugendlichen Schüler äußerst handlich war, die Kreuz-Ober-Bramrah hatte nur eine Länge von 11 Fuß. Im Jahren 1852 machte die Fregatte mit "Gefion" und "Mercur" zusammen eine Reise nach dem La Plata und Westindien, zugleich das erste preußische Geschwader bildend. Auch in den ferneren Jahren wurde die "Amazone" häufig als Kadettenschiff in Dienst gestellt. 1861 wurde sie an Portugiesiche Küste geschickt, um dort während der Wintermonate zu kreuzen. Auf dieser Reise ist das Schiff verschollen samt seiner 145 Mann starken Besatzung und vermutlich an der holländischen Küste in einem sehr heftigen Sturm zu Grunde gegangen. [Arenhold: Erinnerungsblätter an die Königlich Preußische Marine, 1902]

 

Aus Sicht des Kaiserreichs war sicherlich Amazone das erste Schiff der Flotte, seine Anschaffung markiete eine Entwicklung, die 1853 endlich zur Begründung der Admirälität fürhte, während zuvor die bescheidenen Marineangelegenheiten von einer Abteilung des Kriegsministeriums betreut wurden.

Jedoch war bereits aufgrund des deutsch - dänischen Krieges 1848 eilig eine Flotte ins Leben gerufen worden, um sich der Dänen erwehren zu können. Diese Flotte überlebte das Paulskirchenparlament und blieb als einzige Institution des "demokratischen" Zwischenspiels noch bis 1852 bestehen.

Als dann diese Flotte liquidiert wurde, erwarb Preußen die erbeutete, ehemalige Fregatte Gefion und den Raddampfer Barbarossa, das ehemalige Flaggschiff der Bundesflotte. Während dieser jedoch in derart schlechtem Zustand war, daß er dann doch nur noch als Hulk diente, diente Gefion noch lange als Schulschiff in der Marine. Ab den 1850er Jahren wurde der Aufbau der preußischen Flotte kontinuierlich vorangetrieben, während es in den Jahrzehnten zuvor nur zu wenigen sporadischen Versuchen und Projekten gekommen war.

 

Ein Bild der Amazone ist hier zu sehen. Es ist zwar kein zeitgenössisches - anscheinend gibt es keines - scheint aber glaubwürdig. Falls es jemanden interessiert, könnte ich noch ein etwas besseres einscannen (von Arenhold).

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Nun, läßt man bei der Betrachtung der deutschen Marinegeschichte die österreichischen Bemühungen außer acht, so ist die Geschichte der deutschen Marine zunächst lediglich die Geschichte der preußischen Marine. Deren Geburtsstunde schlug bereits 1816 mit dem Stapellauf des Kriegsschoners Stralsund und somit recht zeitnah zu der in diesem Board behandelten Periode der napoleonischen Kriege.

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So gänzlich ohne bewaffnete Fahrzeuge war ja das Königreich Preußen vorher auch nicht gewesen, ein paar Wachtschiffe oder Depeschenfahrzeuge hat es ja immer gegeben. Man kann nur sagen, daß etwa ab der "Amazone" eine wirkliche Kontinuität herrschte. Der Schoner Stralsund wurde denn ja auch 1829 wieder verkauft.

Die "österreichischen" Flotten sind auf jeden Fall der Betrachtung wert, für die Entwicklung "kleindeutscher" Seegeltung ergibt sich da allerdings kein so großer Zusammenhang. (Es gibt ja über die k u k Flotten auch eine ganze Menge Literatur, leider habe ich da augenblicklich nur ab der 2. Hälfte des 19. Jhdts ein wenig.)

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Es gibt übrigens eine ganz interessante Gemeinsamkeit zwischen Stralsund und Amazone. Beide fuhren als Schulschiffe für die Hauptnavigationsschule Danzig.

 

Über die österreichische Marine zur napoleonischen Zeit gibt es übrigens in "Navies of the Napoleonic Era" ein recht interessantes Kapitel. Vielleicht komme ich demnächst mal dazu, einige Eckdaten daraus in dieses Forum zu stellen.

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Das würde mich ja sehr interessieren. Ist dieses "Navies of the Napoleonic Era" das von Digby Smith? Ich kannte dessen Namen nur von napoleonischen Landkriegs - Veröffentlichungen; ich war mir nicht sicher, ob er von Marinen wirklich Ahnung hat. Ist das Buch lesenswert?

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Genau um den handelt es sich.

 

Was ist zu dem Buch zu sagen? Es enthält eine Menge interessantes Zahlenmaterial und man erfährt auch etwas (wenn auch teilweise nicht sehr ausführlich) über einige kleinere Nationen.

 

Ansonsten enthält es einen kurzen Abriss des Seekrieges, einen interessanten Anhang über die Kriegsschiffverluste der wichtigsten Staaten, etwas Uniformkunde (hauptsächlich Text) und Angaben zur Stärke und Dislozierung der französischen Marine (1793 - nur die Linienschiffe und einige Fregatten) und Royal Navy (Schiffsliste 1794 und Zugänge bis 1797).

 

Ich persönlich würde mir an vielen Stellen ausführlichere Informationen wünschen, doch die 59 € finde ich durchaus gut angelegt.

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Vielen Dank für die Einschätzung! Der Preis ist natürlich enorm. Aber eine Gesamtdarstellung der europäischen Marinen würde mich schon reizen!

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Nur leider fehlen dabei einige, die mich persönlich sehr interessiert hätten, wie Malta, Genua, Sardinien und der Kirchenstaat, während Venedig nur mit ein paar nichtssagenden Bemerkungen abgehandelt wird. Eine ausführliche Darstellung aller Marinen jener Zeit sehe ich da noch immer als echte Marktlücke.

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Hallo,

 

hier eine Antwort auf diesen älteren Beitrag,

den ich vorhin beim Stöbern im Forum hier fand.

Ich lese hier viel und gerne.

 

Da ich mich auch besonders für die deutsche Marine jener Zeit

und der ersten deutschen Bundesflotte interessiere,

habe ich versucht, Pläne von den Schiffen zu bekommen.

Viel gibt es da nicht.

 

Ich habe eine Planseite

mit Rumpf und den Verzierungen der Amazone.

Den hatte mir mal ein Modellbauverein günstig überlassen.

 

Wäre glatt mal interessant, ein Modell davon zu bauen.

Da hat es mal eines gegeben, was aber wohl verschollen ist.

 

FRAGE: Ist die AMAZONE später noch unter

schwarz-rot-gold in der Bundesflotte 1848

integriert gewesen?

Dazu konnte ich nichts finden.

 

Von der Gefion/Eckernförde gibt es ein ziemlich gut gebautes Modell

im Schifffahrtsmuseum in Braake an der Weser. (tolles kleines Museum!)

Dieses durfte ich (damals im Magazin untergebracht) fotografieren.

Sofort aufgefallen an dem Modell ist mir, das der Heckspiegel

falsch dargestellt ist. Fast wie bei der Constitution, aber so

sah die Gefion nie aus.

 

Übrigens suche ich nach Plänen der Schiffe

DEUTSCHLAND und FRANKLIN der ersten Bundesflotte (Brommyflotte 1848)

 

Gruß

Jörg

Edited by Jörg

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Rein theoretisch bestand die Bundesflotte von 1848 aus der Weserflottille, der schleswig-holsteinischen Flottille, der preußischen und der österreichischen Marine. Tatsächlich haben aber weder die Preußen noch die Österreichischer ihre Schiffe jemals der Bundesflotte oder auch Reichsflotte unterstellt. Unter der schwarz-rot-goldenen Flagge fuhren nur die Schiffe der Weserflottille, die als die eigentliche Bundesflotte betrachtet wird und die schleswig-holsteinische Flottille

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Ich habe eine Planseite

mit Rumpf und den Verzierungen der Amazone.

Den hatte mir mal ein Modellbauverein günstig überlassen.

 

Wäre glatt mal interessant, ein Modell davon zu bauen.

Da hat es mal eines gegeben, was aber wohl verschollen ist.

 

(....)

 

Von der Gefion/Eckernförde gibt es ein ziemlich gut gebautes Modell

im Schifffahrtsmuseum in Braake an der Weser. (tolles kleines Museum!)

Dieses durfte ich (damals im Magazin untergebracht) fotografieren.

Sofort aufgefallen an dem Modell ist mir, das der Heckspiegel

falsch dargestellt ist. Fast wie bei der Constitution, aber so

sah die Gefion nie aus.

 

 

Von der Amazone kenne ich keine einzige zeitgenössische Abbildung; nur jene aus den oben zitierten "Erinnerungsblättern...", die sicher gut recherchiert, aber eben doch Jahrzehnte nach dem Ende der meisten Schiffe gemalt wurden. Von den preußischen Schiffen fand ich zufälligerweise einmal die Zeichnung einer Bugzier für die Merkur. Vielleicht ein Hinweis, daß in irgendwelchen Winkeln noch manches schlummern könnte.

Ist der Plan der Amazone eine Rekonstruktion oder sind es Originalzeichnungen?

Die Gefion sollte wohl das typische Heck dänischer Form gehabt haben - das wäre dem derzeitigen der Constitution ja gar nicht so schrecklich unähnlich. Allerdings weiß ich nicht, wieweit die schöne Gefion für die Zwecke der Deutschen /später preußischen Marine umgebaut wurde. Vermutlich war in der Deutschen Marine nicht sehr viel Geld da für Umbauten? Es gibt von ihr ja eine sehr schöne aquarellierte Federzeichnung, die sie um 1850 noch mit schwarz-rot-gold zeigt. Die Galionsfigur existiert(e?) noch in Eckernförde.

Edited by McCool

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Hi McCool,

 

ich muß den Plan mal raussuchen und werde mal nachsehen, von wann der ist

und ein Bild hier einstellen.

 

Gruß

Jörg

-----

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Das wäre schön, würde mich sehr interessieren!

Nochmal zu Gefion ex Eckernförde ex Gefion - dieser bescheidene Wikipedia-Artikel hier berichet, daß die Galionsfigur sich im Rathaus in Eckernförde befinde. Ich hatte mal ein Foto gesehen, wo sie (oder eine Kopie?) im Kurpark aufgestellt war.

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Hi McCool,

 

hier ein Ausschnitt aus dem Plan.

Er stammt wohl noch aus frühen DDR Zeiten.

Rober Loef Verlag, Magdeburg.

 

Sieht doch klasse aus. Ist doch ein kleiner Schatz, finde ich.

 

amazone-teilplan.jpg

 

Was hälst Du davon?

 

Gruß

Jörg

-----

Edited by Jörg

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Sieht ja sehr nett aus und ist allem Anschein nach eine richtige Rarität. Er wirkt sehr sauber gezeichnet, nicht wahr? Natürlich könnte ich nicht sagen, ob der Plan dem Original entspricht, weil ich zu diesem außer den oben geposteten Angaben von Arenhold nichts habe...

Von Loef-Plänen habe ich schon öfter gehört, aber ich glaube, das waren sonst sehr einfache z.B. von Schiffen der Kriegsmarine.

Wie ist denn der Umfang des Plans (Zahl der Blätter, Maßstab, was wird gezeigt bzw nicht gezeigt)? Gibts irgendwelche Texthinweise zum Zeichner des Plans und zu den Quellen?

Edited by McCool

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Hi McCool,

 

es sind bis auf den Hinweis auf den Verlag keine weiteren Angaben vorhanden.

Der Plan zeigt nur den Rumpf vom Bug bis zum Heck, mehr nicht.

 

Auf jeden Fall gefällt mir das sehr gut und ich werde mal versuchen,

eventuell nochmehr an Plänen zu finden.

 

Bis später

Gruß

Jörg

-----

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Von der Gefion/Eckernförde gibt es ein ziemlich gut gebautes Modell im Schifffahrtsmuseum in Braake an der Weser. (tolles kleines Museum!)

Von der Gefion gibt es auch ein Modell im Deutschen Museum in München:

http://www.modellmarine.de/phpwebsite/inde...S_Photo_id=1638

http://www.modellmarine.de/phpwebsite/inde...S_Photo_id=1639

http://www.modellmarine.de/phpwebsite/inde...S_Photo_id=1640

http://www.modellmarine.de/phpwebsite/inde...S_Photo_id=1641

 

Gute Pläne gibt es in der Orlogsdatabasen.

 

Leider habe ich noch keine Ahnung, wie man hier im Osten an alte Quellen (wie den Amazone-Plan) herankommt. Es gibt hier auch um die Ecke die Bibliothek und Fachinformationsstelle des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes - aber dessen Öffnungszeiten machen einen Besuch schwierig. Aber da werde ich auf jeden Fall nach Plänen suchen - auch von der Epoche.

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Hi maxim,

 

danke für die Links.

 

Das Modell sieht schön aus und ist gut gebaut,

aber die Gefion/Eckernförde sah so nicht aus.

Auf den ersten Blick sehe ich die falsche Galionsfigur

und die Fenster an den Seitengalerien sind nicht richtig.

 

Ich vermute auch bei diesem Modell,

(wie auch bei dem in Braake),

das dem Erbauer keine Pläne vorgelegen haben

und das Modell "nach Gefühl" gebaut wurde.

 

Gruß

Jörg

-----

Edited by Jörg

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Man beachte den inkompetenten Wikipedia-Artikel zum Schiff.

Hübsch die Kriegsflagge der 1848er Reichsmarine über der Infobox, nicht wahr? Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Preußen die Amazone der Reichsmarine unterstellt hatten (das Schiff befand sich während des Krieges in Danzig) geschweige denn jemals die schwarz-rot-goldene Kriegsflagge setzen ließen.

http://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Amazone_(1843)

Das Datum des Untergangs ist übrigens keineswegs klar. Am 14. November 1861 wurde sie morgens zuletzt gesichtet, es ist wahrscheinlich daß sie an dem Tag unterging, aber nicht sicher.

 

Die Bewaffnungsangaben stimmen auch nicht. Das Schiff hatte ursprünglich 2x24-Pfünder und 12x18-Pfünder, später um die 24er, 1849 4x18 und 4x24-Pfünder.

Edited by McCool

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Meines Wissens war die preußische Marine zwar theoretisch Teil der Reichsflotte (wie die österreichische Marine auch), doch führten die Schiffe der preußischen Marine nur die eigene Flagge und niemals schwarz-rot-gold.

 

Edit: Nett finde ich den Hinweis auf die Gartenlaube. Offenbar gab es auch damals schon Verschwörungstheoretiker.trotzdem würde mich der Artikel mal interessieren.

Edited by Speedy

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Läßt sich bestimmt auftreiben. In einem biographischen Artikel über Ernst Keil, den Herausgeber der Gartenlaube, heißt es zu dem Vorfall (in Schmidt, Deutsche Buchhändler):

Da traf das Blatt Ende 1863 ein schwerer Schlag. Durch die Aufnahme eines von guter Seite empfohlenen Artikels: »Der Untergang der Amazone«, die Keil selbst als eine übereilte bezeichnete, geriet er in Konflikt mit den preußischen Behörden, und obwohl er, von einer Reise zurückgekehrt, noch früh genug das Einstampfen der meisten Abdrücke der fraglichen Nummer anordnen und eine öffentliche Erklärung erlassen konnte, so wurde die Gartenlaube doch ein Jahr später in Preußen verboten. Diese Maßregel brachte die Auflage beinahe auf 100000 herab. Bestellungen aus Süd-Deutschland und besonders aus Amerika hatten indessen einen Aufschwung zur Folge, und Ende 1865 besaß die »Gartenlaube« wieder 130000 Abnehmer. Im nächsten Jahre hatte diese Zahl sich noch um 12000 gesteigert, als nach dem Einmarsch der Preußen in Leipzig ein Offizier in die Expedition trat und das fernere Erscheinen des Blattes untersagte. Dieses gänzliche Verbot wurde unmittelbar nach der Schlacht von Königgrätz zurückgenommen, aber das preußische Gebiet öffnete sich der Gartenlaube erst nach mehreren Monaten.

Nun ja, vermutlich zumindest eine Geschmacklosigkeit so kurz nach dem Unglück eine "Novelle" zu veröffentlichen, zumal wenn sie tatsächlich diesen Verschwörungsblödsinn thematisierte.

 

Was ansonsten die Sch**** in Wikipedia-Artikeln angeht, so habe ich momentan die Lust verloren, die auszubauen - und gerade die Artikel über die Reichsflotte sind miserabel, wozu auch die Kleinkariertheit und Ignoranz irgendwelcher selbsternannten Wikipedia-Mandatsträger beiträgt. Vor einiger Zeit entfernte ich Müll über SMS Barbarossa- z.B. den, das Schiff sei im Krimkrieg an die Briten verchartert worden - und entfernte deswegen das britische Naval Ensign auf der Infobox - mit Begründung auf der Diskussiosseite (das Schiff fuhr nie unter britischer Kriegsflagge). Aber wer liest schon Diskussionsseiten? Kurze Zeit später war das Ding wieder drin. Und irgendein Schwachmat änderte dann auch an Sätzen herum, die ich geschrieben hatte, weil ihm das wohl als stilistisch schöner vorkam - dummerweise wurde es dadurch aber inhaltlich unrichtig. Das ist typisch: Keinen Fetzen Literatur zum Thema gelesen haben, aber Artikel redigieren. Trottel.

Edited by McCool

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Für mich dienen Wiki-Artikel schon seit geraumer Zeit nur noch der Stichwortsuche.

 

Was das Gartenlaubenverbot betrifft, fragt man sich schon, was da wohl der Hintergrund war. Dazu müsste man aber zumindest wissen, welchem Schiff dieser ominöse Rammstoß denn nun zugeschrieben wurde.

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Hier habe ich mal eine chronologische Übersicht der Amazone zusammengestellt.

 

Mai 1842 Kiellegung

24.6.1843 Stapellauf Carmesins Werft Grabow/Stettin

10.5. 1844 Indienststellung

19.5. 1844 1.Reise Kopenhagen-Dover-Lissabon-Gibraltar-Neapel-Palermo-Piräus-Konstantinopel-Danzig (27.10.)

15.4. 1845 2. Reise Kopenhagen-London-Liverpool-Portsmouth-Funchal-Livorno-Genua

1846 Reise nach Civitaveccia und zurück nach Glücksburg, um Leichnahm des Prinzen Heinrich in die Heimat zu überführen.

31.5. 1847 Reise nach New York. Rückehr Ende Oktober.

1848 Der Festung Danzig wg. des Krieges unterstellt.

23.5. Einreihung in die neugebildete Kriegsmarine

6.-8.11. Manöver mit den Kanonenbooten im Greifswalder Bodden.

Februar/März 1849 Verlegung nach Stettin.

Ende März Kaperungen preuß. Schiffe durch dän. Dampfer; Untätigkeit der Amazone; Kriegsgericht gegen Kommandanten

1850 Reise nach Karlskrona

1851 Keine Indienststellung

1852 Teil des Südamerika-Geschwaders (Gefion, Amazone, Mercur)

Feb. 1853 Ankunft in Rio. Montevideo-La Guaira-Puerto Cabello-Habana-Norfolk-Spithead (27.7.)-12.10 Danzig außer Dienst.

1854 Ostsee

1855 Vermessungsarbeiten Jadebusen und Ostsee

1856 In Geschwader mit Danzig, Thetis. Mercur, Frauenlob Ostsee und Atlantik

1857 Schweden, Norwegen, England

1858 Grundreparatur

1859 Ostsee

1860 Ostsee

Juni 1861 Vermessungsarbeiten in der Norsee, vorübergehend Flaggschiff d. Prizen Adalbert in Geschwader mit Hela, und 6 Dampfkanonenbooten. Besuch in Hamburg und Bremen.

30.10.61 In See für Fahrt nach Lissabon. Vermitlich am 14. 11. vor der niederländischen Küste gesunken.

1863 Errichtung eines Obelisken aus schlesischem Marmor für die Opfer im Berliner Invalidenpark (1953 durch DDR-Regierung zerstört).

 

Zu Beginn des 9. Kapitels in Fontanes "Stine" wird dieses Denkmal erwähnt (die Melancholie des Orts und Objekts ist für den Protagonisten W. nicht ohne Bedeutung).

 

Der junge Graf wiederholte seine Besuche. Während der ersten Woche kam er einen Tag um den andern, dann täglich; aber immer blieb er nur bis Spätnachmittag. Dann ging er wieder.

 

Einmal kam ausnahmsweise der Abend heran, und man öffnete die Fenster und sah hinaus. Die Schwere der Luft machte, daß das Straßentreiben unten anders als sonst auf die Sinne wirkte; die Lichter brannten trüber, und das Geläute der Pferdebahnglocke klang gedämpfter herauf. Über dem Parke drüben stand der Mond und warf seinen Schimmer auf einen frei zwischen den Bäumen stehenden Obelisken; die Nachtigallen schlugen, und die Linden blühten in aller Pracht.

 

Der junge Graf wies darauf hin und sagte: »Das ist nun ein Park und heißt auch so. Aber ist es nicht eigentlich wie ein Kirchhof? Daß alles blüht, das hat der Kirchhof auch. Und der Obelisk sieht aus wie ein Grabstein.«

 

»Und ist auch so was.«

 

»Wie das? Ist da jemand begraben?«

 

»Nein, begraben nicht. Aber ein Denkmal ist es, das zur Erinnerung an die mit der ›Amazone‹ Verunglückten errichtet wurde. Hundert oder mehr, und ich habe manchmal ihre Namen gelesen. Es ist rührend; lauter junge Leute.«

 

»Ja«, sagte der junge Graf, »ich entsinne mich, lauter junge Leute.« Dann schwieg er wieder, und der Ton, in dem er gesprochen hatte, klang fast, wie wenn er sie mehr beneide als beklage.

 

Bald danach brach er auf, sichtlich bewegt von der Wendung, die das Gespräch genommen, und Stine sah, als er auf die Straße hinaustrat, daß er nicht, wie gewöhnlich, nach links hin auf die Bahnhofsbrücke zuschritt, sondern, quer über den Damm, nach dem eingegitterten Park. Da stand er nun an dem Gitter und beugte sich vor, und es war, als ob er die Namen, die der Obelisk trug, in dem Halblicht zu lesen versuche.

Edited by McCool

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Wiki arbeitet jetzt mit dem Bundesarchiv zusammen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde auch dieses Bild der Thetis hoch gelanden.

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Wiki arbeitet jetzt mit dem Bundesarchiv zusammen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde auch dieses Bild der Thetis hoch gelanden.

 

Das Bild der Thetis ist sehr schön.

Man sieht, es gibt auch sehr interessante Schiffe von deutschen Marinen und ich finde es schade, das diese eigentlich eher ein "Schattendasein" führen. Da gibt es noch sehr viel zu erarbeiten und speziell für den Modellbau finde ich viele der Schiffe sehr reizvoll.

Es müssen nicht immer nur Victory's und Constitution's sein.

In den letzten Monaten habe ich viel zur Amazone erarbeitet, insbes. auch mit McCool zusammen und es macht ungeheuer Spaß zu sehen, wie sich das Bild des Schiffes immer weiter komplettiert.

 

Gruß

Jörg

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