ZITAT(maxim @ 4. Mar. 2010, 11:02)

Wenn ein absoluter Monarch an Bord kam, herrschte dieser natürlich auch an Bord - und nicht der Kapitän. Das gilt ja genauso auch dann, wenn z.B. ein Admiral an Bord war. Da hatte der Kapitän auch nicht mehr viel zu sagen.
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Interessante Frage und spannenden Antworten.
Bzgl. des anwesenden Flottenbefehlshabers auf einem Schiff. Ich würde stark vermuten, dass der jeweilige Grad der "Einmischung" in die Schiffsführung stark vom individuellen Verständnis der Aufgaben der jeweiligen "Partner" abhing.
Beispiel: Amerikanischer Commodore & sein FlaggschiffkapitänSoweit ich weiß, ist da auf einem amerikansischen Schiff (bzw. Verband) der Fall dokumentiert, wo sich die beiden ursprügnlich befreudeten Commodore und Flagschiff-Kapitän wegen der ständigen "Einmischungen" bald nicht mehr grün waren und man nach kurzer Zeit eine "Nichtbeziehung" pflegte (z. B. durch nur schriftliche Kommunikation!), die der Reise eher abträglich war.
Aber andererseits hat ein Admiral und Flottenkommandeur eine andere Aufgabe, als ein Kapitän. Und vermutlich würde das in den meisten Fällen auch ein (vernünftiger) Monarch ähnlich sehen.
Beispiel britischer Admiral
Von einem britischen Admiral eines Panzerschiffverbandes gibt es eine Aussage: "Der Kapitän schaut nach vorn - der Admiral nach hinten!". D.h. der Kapitän ist für die zukünftige Sicherheit des Schiffes zuständig - der Admiral überwacht das Wohl (und das Geschick) der in der Linie folgenden Flotte.
Leider hat ihm diese strikte Haltung (und sein trainierter Drill, einen Befehl erst nach der Ausführung in Frage zu stellen) eingebracht, dass sein letzter Befehl einer ungewöhnlichen Wende der beiden Linien seiner Flotte zum Kreuzen des Weges mit der Nachbarkolonne führte - und er sich zu lange weigerte, den Befürchtungen des Kapitäns (der das Unglück kommen sah und ich glaube zweimal seinen Admiral gebeten hat, den befohlenen Kurs bzw. die Geschwindigkeit zu ändern). Als der Admiral beim dritten mal dann doch mal nach vorn schaute, war sein Ausspruch "Das ist meine Schuld" - und ging nach dem ungeplanten aber zwangsläufigem "Rammstoß" des Führungsschiffes der zweiten Linie mit Mann und Maus unter (will heißen, einige seiner Matrosen überlebten, viele versanken mit dem Schiff - er und der Kapitän blieben bis zum Untergang auf der Brücke (und sind da noch heute?). Wobei - sein Geist wurde mehrmals in seinem Haus gesehen!
Aber ist das Unglück der Wasa nicht auch irgendwie auf die "Einmischung" des Monarchen zurückzuführen? Nun gut - vermutlich nicht auf die Schiffsführung - sondern eher auf das "Design". Bin kein Experte, aber ich glaube gelesen zu haben, dass er das Schiff gegen den Rat der "Sachverständigen" sehr schmal hat bauen lassen - und dass bei dem nach dem Untergang folgenen Prozess kein wirklich "Schuldiger" entdeckt wurde. Die Prozess-Unterlagen scheinen aber auch anzudeuten, dass man sich keine große Mühe bei der Suche gemacht habe - weil man ja dann bei seinem König gelandet wäre. Auch der Monarch selber hat sich auffällig wenig um die Ermittlung der wahren Ursachen gekümmert (was bei jedem solchen Unfall/Verlust eines seiner wichtigsten Schiffe selbstverständlich gewesen wäre). Vermutlich weil auch ihm klar war, auf wen der Zeiger am Ende gezeigt hätte ...
Will sagen: ich denke, dass sich die allermeisten Monarche, die an Bord eines Schiffes waren vermutlich eher nicht in die Belange des Kapitäns eingemischt hätten.
1. weil das nicht ihren Aufgaben entsprach - der König würde ja auch nicht den Tisch seiner Kabine decken .. Für die Aufgabe des Schiffes hatte man doch seinen Lakaien .. äh wie hieß die Person doch gleich? Äh, ja .. den Kapitän!
2. man hätte sich beim Versuch Einfluß auf das Schiff zu nehmen ja auch blamieren können!
Ich denke, dass die Monarchen dieser Welt mehr oder minder gut gelernt, hatten/haben, dass sie eine bestimmte Rolle zu spielen haben. Die findet natürlich ganz oben statt. Sie nach unten zu verlassen (wie z. B. Peter der Große, der mal kurzerhand Schiffsbauer wurde) war u.U. nicht ungefährlich (für den Ruf, für den Respekt und das Ansehen - für die weitere Rolle als Herrscher). Ob sie sich dieser Sachlage bewußt waren oder nicht spielt vermutlich nicht mal eine Rolle.
3. und schießlich würde ein weiser Herrscher sich auch wenig in die Belange seines Kapitäns einmischen - um nicht dessen Rolle und Autorität zu untergraben. DER soll das Schiff ja auch in Abwesenheit des Königs weiter erfolgreich zum Wohle des Landes und seines Herrschers führen. Man denke an die kleine Lektion von Gregory Peck/Hornblower und seinem Offizier bei der anfänglichen Bestrafung eines Seemannes, die der Offizier ausgesprochen hat. Was der Offizier (in diesem Fall) einmal Befohlen hat, kann sein Kapitän doch nicht zurücknehmen, ohne die Autorität des Offiziers zu beschädigen. Das aber wäre der erste Schritt die Autorität der anderen Führungspersonen in Frage zu stellen - und das darf einem Kriegsschiff nicht passieren!
Fazit aus meiner Sicht:
natürlich war der Monarch an Bord der Herrscher - noch über dem Kapitän. Vermutlich hätte sich kaum ein Kapitän getraut, einer höhergestellten Persönlichkeit an Bord seines Schiffes zu widersprechen!
Anderseits bin ich fast sicher, dass es wenig Monarchen oder Herrscher gab, die sich direkt in die Belange einer Schiffsführung eingemischt hätten - außer eben dem Befehl schnellstmöglich nach XYZ zu fahren!
Der Beitrag wurde von Marcus.K. bearbeitet: 4. Mar. 2010, 13:09