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> Die Fregatte CONSTITUTION
Tom23
Beitrag 2. Aug. 2009, 13:30
Beitrag #221


Bootsmannsmaat
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ZITAT(McCool @ 29. Jul. 2009, 12:39) *
Ein, zwei Artikel im "Logbuch" wären ja auch schon mal ganz schön.

dann schicke diese doch einfach an die Logbuch-Redaktion...
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Marcus.K.
Beitrag 3. Aug. 2009, 10:39
Beitrag #222


Bootsmann
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Hallo Ihr beiden!

Das war ja mal wieder ein sehr aufschlußreiche Diskussion.
McCool - ich bin immer wieder beeindruckt von Deinem Detailwissen!!! ... und der offenbar werdenden Akribie, mit der Du offenbar Schiffspläne und Informationen vergleichst und - was mich am meisten beeindruckt - abrufbar im Kopf behältst!
Wobei ich mich noch immer frage: woher weißt Du, dass das Achterdeck begradigt wurde? Das habe ich noch nirgends gefunden (oder habe ich es nur nicht abgespeichert in meinem Großhirn - ist es vielleicht sogar zu klein, mein Großhirn???).

Bzgl. des Hull-Modells - ich habe letztes Jahr vom "Captains Clerk" (das ist der Kontakt, der die Homepage pflegt, über die man Bücher und eine Art Monographie von Tyrone Martin beziehen kann) gehört, dass fest geplant war, ein Buch über das Hull-Modell auf den Markt zu bringen. Ursprünglich war letztes Weihnachten geplant. Leider haben sich der Autor und der Verlag irgendwie überworfen - und so ist (bisher) nichts aus der Veröffentlichung geworden. Angeblich arbeitet der Autor daran, einen anderen Verlag zu finden.

Auf dieses Buch/diese Arbeit warte ich schon sehnsüchtigst - denn ich glaube mittlerweile (trotz aller berechtigten Einwände und mit aller Vorsicht), dass dieses Modell sehr wichtige Details beantwortet - und dass man auf ihm basierend eine gute Grundlage für Rekonstruktionen vor und nach 1812 bekommt. Auch wieder: mit aller Vorsicht!
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McCool
Beitrag 3. Aug. 2009, 22:00
Beitrag #223


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Akribie leider weniger, mangels wirklich guter Unterlagen.. wink.gif Daß der Sprung verringert wurde- Datum unbekannt-, läßt sich recht einfach mittels Lineal und Geodreieck nachvollziehen. Als Grundlage des Vergleichs kann man als schöne, saubere Zeichnung einfach mal den Chapelle-Plan No 7 nehmen (nach S. 121- obwohl der ja vom ursprünglichen Doughty-Plan abweicht. Aber in puncto Decksverlauf hat sich Chapelle allem Anschein nach ans Original gehalten, und für eine oberflächliche Überprüfung reicht es). Als Basislinie für den Vergleich muß man natürlich den Kiel nehmen, nicht etwa irgendeine Wasserlinie, denn die sind ja ohnehin in den Plänen unterschiedlich.
Das Batteriedeck ist nach dem Chapelle-Plan bei der hintersten Stückpforte ganz grob 2 1/2 Fuß höher als bei der 5. von hinten. Bei Marquardts Plan 48/49 und bei der "20th century restauration drawing" in Marquardt S. 56/57 steigt das Deck (nach meiner ungenauen Messung) um etwa 1 Fuß weniger an. Der geringere Sprung kombiniert mit der gegenüber den Entwürfen größeren Achterlastigkeit bewirkt, daß bei Marquardts Zeichnung achtern nur noch ein extrem geringer Sprung vorhanden ist, wenn das Profil auf WL gezeichnet ist. Übrigens ist noch zu beachten, daß die Entwürfe den Decksverlauf an der Bordwandinnenseite zeigen, Marquardts Zeichnungen hingegen in der Schiffsmitte. Auch die bei Marquardt gezeigte "20th century restauration drawing" sollte ja wohl das Deck mittschiffs zeigen, aber wenn man die Deckswölbung berücksichtigt, kann die Position der Bullaugen eigentlich nicht stimmen, sie scheinen zu weit oben zu liegen.

Der Beitrag wurde von McCool bearbeitet: 3. Aug. 2009, 22:01


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mali
Beitrag 20. Aug. 2009, 18:01
Beitrag #224


Steuermann
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Ich nehme mal an, das erwähnte Hull Modell ist dieses hier?

http://img23.imageshack.us/i/new10100.jpg/

http://img31.imageshack.us/i/new3185.jpg/

http://img15.imageshack.us/i/new12105.jpg/

http://img15.imageshack.us/i/new5343.jpg/

Die Bilder sind in diesem Thread im Forum von Modelshipworld zu finden, vielleicht stehen ja noch einige interessanten Sachen für Euch darin smile.gif Ich habs hier nochmal hochgeladen, da ja auf MSW nur registrierten Usern Bildanhänge sichtbar sind.

Der Beitrag wurde von mali bearbeitet: 20. Aug. 2009, 18:07


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Lastly, it is evident from all that has been said, that a ship of the best form, will not shew its good qualities, except it is at the same time well rigged, well stowed, and well worked by those who command it. - Fredrik Henrik af Chapman
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Marcus.K.
Beitrag 22. Aug. 2009, 0:09
Beitrag #225


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Jau, das ist es. Die Bilder habe ich auch mal zu gemailt bekommen - mit der Erlaubnis, sie HIER einzustellen:
Bilder des Hull-Modells im Modellboard
Es ist eine hübsche Sammlung.

Tyrone Martin bezieht sich übrigens auch ganz gern auf das Modell.
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McCool
Beitrag 17. Jan. 2010, 15:11
Beitrag #226


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Eigenartigerweise sind die Angaben über die Bewaffnung der Constitution beim ersten Einsatz 1798 etwas unklar. Canneys Angaben könnte man entnehmen, daß seien die 30 24-Pfünder der Hauptbatterie und 14 oder 16 18-Pfünder gewesen (original battery - er nennt aber kein Datum). Nach Tyrone Martin (Fortunate Ship S. 19 unten) liest es sich so, als seinen auf dem spar deck 16 18-Pfünder und 14 12-Pfünder aufgestellt worden: Aber insgesamt 60 Langrohre (und auch die auf dem spar deck nicht gerade vom leichtesten Kaliber) scheinen doch selbst für die Constitution eine arg schwere Bürde. Das muß wohl ein Irrtum sein?


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Marcus.K.
Beitrag 28. Jan. 2010, 0:49
Beitrag #227


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Nun - ich denke nicht:

Tyrone Martin schreibt in seiner "Monographie" Constitution - Close up im Kapitel "guns":

ZITAT
The sixty long guns with which Constitution first sailed was the largest number she ever would carry [McKee, Christopher. "Constitution in the Quasi-War with France: The letters of John roch, Jr., 1798-1801" The American Neptune, Apr. 1967] On the gun deck were thirty 24-pounders cast by Furnace Hope in Rhode Island. Each had its weight stamped into the left trunnion [NDBW, Vol. 1, p.173] ... The spar deck carried sixteen 18-pounders borrowed from the Commonwealth of Massachusetts and fourteen 12-pounders of uncertain origin, but possibly further products of Furnace Hope. (In planning the armaments of these ships, it was conceived that the 44-gun frigates would be given ten 8-inch howitzers each and contracts were let for their production in the Boston and Springfield areas. Paul Reveres company cast those intended for Constitution, delivering them in 1795. But because the ship, as build, had bulwarks around the quarterdeck, something not provided for in the Joschua Humphreys draughts, the guns could not be mounted. They were carried in the holdduring the first commissions, then landed permanently.)"


Etwas weiter beschreibt Martin, dass - aus unbekannten Gründen - die "24-pounders designed for naval use" eines der Hersteller um etwa einen Fuß kürzer waren als sonst üblich für das Kaliber - dummerweise die Bestellung mit der größten Anzahl an Kanonen. Sie erwiesen sich als ungeeignet - z. B. weil der Pulverdampf nicht nach draußen abging - sondern im Kanonendeck für unmögliche Zustände führte.

Ich weiß nicht mehr wo, aber irgendwo habe ich gelesen, dass gerade amerikanische Fregatten-Kapitäne dazu neigten, die Schiff zu schwer und zu toplastig mit Kanonen auszurüsten und dass sie sich in Friedenszeiten immer wieder in Diskussionen darum mit ihren britischen "Kollegen" befanden, die genau dieses kritisierten.

Dass das Schiff sogar während der Tripolis-Kampangne weniger schwer bewaffnet war, könnte ja als Bestätigung Deiner Aussage "etwas zu schwer" verstanden werden.
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McCool
Beitrag 28. Jan. 2010, 18:56
Beitrag #228


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ZITAT(Marcus.K. @ 28. Jan. 2010, 0:49) *
Ich weiß nicht mehr wo, aber irgendwo habe ich gelesen, dass gerade amerikanische Fregatten-Kapitäne dazu neigten, die Schiff zu schwer und zu toplastig mit Kanonen auszurüsten und dass sie sich in Friedenszeiten immer wieder in Diskussionen darum mit ihren britischen "Kollegen" befanden, die genau dieses kritisierten.

Vielleicht in diesem Thread hier irgendwo? wink.gif Wenn ich mich recht entsinne, wurde aber grundsätzlich die Bewaffnung von Fregaten mit 24-Pfündern von einem der britischen Kapitäne kritisiert, die später Constitution oder United States zum Opfer fielen. Leider weiß ich jetzt aber nicht mehr, wer es war. Diese Kanonen seinen halt grundsätzlich zu schwer und könnten nicht schnell genug feuern. Das mit der deutlich geringeren Feuergeschwindigkeit traf denn auch durchaus zu, aber die 18-Pfünder konnten die dicken US-Fregatten halt am Rumpf nicht gar nicht mehr hinreichend beschädigen.

Zur Bewaffnung von wohl über 60 Geschützen beim Angriff auf Tripolis ist ja auch noch anzumerken, daß die Bewaffnung wohl nur bei diesem Angriff an Bord war - nicht auf einem mehrmonatigen Törn.

Neben der Angabe der relativ geringen Kanonenzahl von insgesamt 44-46 Kanonen von Canney zitiert Marquardt Magoun, wonach die Constitution zuerst sogar nur insgesamt 38 Kanonen an Bord hatte (nur 28 24-Pfünder statt der üblichen 30 und nur 10 12-Pfünder auf dem Spar Deck). Das scheint nun wiederum sehr niedrig, obwohl es für die französischen Freibeuter allemal gereicht hätte. Die niedrigere Angabe von Canney scheint auch insofern nicht unglaubwürdig, als Humphreys in seinen Darlegungen zum Entwurf der Klasse auch nur von Kanonen (wohlgemerkt keine Carronaden) auf dem Achterdeck spricht.

Die insgesamt 60 Langrohre, die Martin annimmt, wären vielleicht sogar schwerer gewesen als die kompletten 32-Pfünder-Batterien aus dem Ende der Segelschiffszeit, weil man damals ja für die Aufbauten 32-Pfünder geringer Gewichtsklassen benutzte.
Aber sowohl 18- als auch 12-Pfünder Langrohre waren keine Leichtgewichte. Wäre vielleicht mal interessant, das Gewicht von 60 Langrohren für die Constitution zu überschlagen und die dann mal der gemischen Bewaffnung von 1812 gegenüberzustellen.

Leider kann ich nur englische Zahlen zugrundelegen, so daß sich hier nur ungefähr die Größenordnungen der Artilleriegewichte der Constitution abschätzen lassen (folgende Gewichte beziehen sich auf die kompletten Geschütze, also Rohr plus Lafette).
Für die kürzesten Längen der 24-Pfünder, 18-Pfünder und 12-Pfünder in mir zur Verfügung stehenden Tabelle komme ich für die angeblichen 60 von 1798 Langrohre auf 2968 Zentner.
Die Bewaffnung von 1812 mit 24 32-Pfünder-Carronaden und dem 18-Pfünder zusätzlich zur Hauptbatterie entsprechend 2240 Zentner.
Das wären so grob 59 Tonnen gegenüber 45 Tonnen.
Wenn man für die neueren 24-Pfünder annimmt, daß sie vielleicht wegen ihrer größeren Länge mehr wogen, was nicht der Fall gewesen sein muß, kämen auf die letztere Zahl nochmal ca 60 Zentner, insgesamt also nur knapp 1 Tonne mehr. Genausogut könnte man aber übrigens auch der 1798er Bewaffnung noch höheres Gewicht unterstellen, da die Rohre vielleicht gar der kürzesten Sorte angehörten.
Die Differenz zwischen der angeblichen Langrohrbewaffnung und der gemischen von 1812 ist nicht unerheblich. Letztere wiegt fast 1/4 weniger.

Zum Vergleich: United States hatte anfangs neben den 24-Pfündern 14 12-Pfünder auf dem Spar Deck. Die Bewaffnung wog, nach derselben Tabelle wie oben kalkuliert, etwa 44 Tonnen. President hatte sehr viele Langrohre auf dem Spar Deck: 22 - aber eben immer noch weniger als Martin nahelegt, und außerdem nur 12-Pfünder. Ihre Batterie hätte insgesamt knapp unter 50 Tonnen gewogen.

Es wäre wirklich sehr interessant, ob Martins Quelle wirklich unzweideutig bestätigt, daß alle 60 Kanonen tatsächlich an Bord aufgestellt waren. Irgendwie ist doch eigenartig, daß es keine weiteren eindeutigen Quellen dahingehend zu geben scheint?

Der Beitrag wurde von McCool bearbeitet: 28. Jan. 2010, 18:59


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Marcus.K.
Beitrag 29. Jan. 2010, 12:55
Beitrag #229


Bootsmann
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Wow - das sind mal Untersuchungen ...

ZITAT(McCool @ 28. Jan. 2010, 18:56) *
Es wäre wirklich sehr interessant, ob Martins Quelle wirklich unzweideutig bestätigt, daß alle 60 Kanonen tatsächlich an Bord aufgestellt waren. Irgendwie ist doch eigenartig, daß es keine weiteren eindeutigen Quellen dahingehend zu geben scheint?

Ich finde es nicht sooo eigenartig: Du musst bedenken, dass die Amerikaner generell ein Problem haben, offizielle Papiere der US-Regierung von vor 1815 aufzufinden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Brand_von_Washington

ZITAT
Der Brand von Washington fand im August 1814 während des Britisch-Amerikanischen Kriegs statt. Britische Truppen besetzten Washington D.C. und steckten viele öffentliche Gebäude in Brand. Die Einrichtungen der US-Regierung samt des Weißen Hauses wurden zum Großteil zerstört. Straffer Disziplin und einer Order der britischen Befehlshaber, nur öffentliche Gebäude in Brand zu stecken, ist es zu verdanken, dass die Gebäude der Zivilbevölkerung verschont blieben. ...

und weiter:
ZITAT
... Die britischen Truppen brannten auch das amerikanische Finanzministerium und andere Gebäude nieder. Der historische Washington Navy Yard, der von Thomas Jefferson gegründet wurde und eine der ersten bundesstaatlichen Einrichtungen in den Vereinigten Staaten war, wurde von den Amerikanern zerstört. Sie verhinderten so, dass die dort aufbewahrten Ausrüstungs- und Munitionsbestände sowie die sich im Bau befindliche mit 44 Kanonen bestückte Fregatte Columbia in die Hände der Briten gelangen konnten. Das Patentamt der Vereinigten Staaten konnte durch die Bemühungen William Thorntons verschont werden. Thornton, welcher der Architekt des Kapitols und damaliger Leiter des Patentamts war, konnte die Briten von der Bedeutung der Erhaltung des Gebäudes überzeugen. Ebenfalls verschont blieben die Marinekasernen. Dieses wird von einigen als Geste des Respekts in Folge des Gebarens der Amerikaner während der Schlacht bei Bladensburg bewertet.[3]

Weniger als einen Tag nach Beginn des Angriffs zog ein Hurrikan mitsamt einem Tornado durch die Stadt. Durch diesen wurden mehr britische als amerikanische Geschütze außer Gefecht gesetzt und Kanonen umgeworfen. Zudem erloschen Feuer durch den Hurrikan.[4] Die Briten waren daher gezwungen, zu ihren Schiffen zurückzukehren, von denen viele während des Sturms schwer beschädigt wurden. Die Besetzung Washingtons dauerte insgesamt etwa 26 Stunden. An der Aktion waren 4.250 britische Soldaten beteiligt.[5] Präsident Madison und die restliche Regierung kehrten unverzüglich in die Stadt zurück.


So geht es den Amerikanern offenbar ähnlich wie den Deutschen mit der Katastrophe des 30-jährigen Krieges: die Historie läßt sich oft ganz gut mit offiziellen Papieren nachvollziehen bis zu dem jeweils einschneidenden Ereignis. Danach ist es schwierig, Dokumenten zu finden.

Die Briefe von John Roch jr. waren ja nun privater Natur (sie waren wohl an seinen Vater gerichtet) und haben vermutlich außerhalb Washingtons das Ereignis unbeschadet überstanden.

Ich denke in dieser britischen Aktion ist viel davon begründet, dass es so schwierig ist, die Geschichte der großen Fregatten vor 1812-1815 gut dokumentieren zu können ...

Wie verläßlich die Aussagen der Briefe sind? Tja das ist schwer zu sagen - und ob darin beschrieben wurde, ob auch alle Kanonen einsatzbereit gemacht waren - ich weiß es nicht. Man müsste vielleicht halt doch mal rüber nach USA - um dann selber nachzulesen. Ich würds ja sofort machen - aber wer ernährt inzwischen meine Familie?

Ich glaube auch irgendwo gelesen zu haben, dass die Historiker(in?), die sich derzeit offiziell um die Geschichte der USS Constitution bemüht (war das für das Museum?) darauf achtet, nur solche Details für "wahr" zu erachten, für die es zwei unabhängig von einander existierende Primärquellen gibt. Das ist eine hehere und sicher auch auf (mir wichtige) Präzision achtende Methode. Sie dürfte allerdings zu wenig weiteren Erkenntnissen beitragen - denn es wird immer unwahrscheinlicher, dass sich noch Original-Dokumente finden werden, die Aussagen an anderer Stelle belegen - wobei: unmöglich ist es selbstverständlich nicht!

Tyrone Martin hat sein Buch "a most forunate ship" meines Wissens nach ja auch aufgrund von Briefen mit von Privatleuten gefundenen alten Dokumenten und Briefen überarbeitet und speziell die Schlachten neu bewertet. Interessanterweise auch aufgrund von Dokumenten, die im Nachlass britischer Seeleute gefunden wurden.

Langer Rede, gar kein Sinn: Viele der neueren "Erkenntnisse" über das Schiff beruhen auf einmaligen Aussagen und aus Auslegungen derselben sowie auf "Rekonstruktionen" von Geschehnissen und bekannten Fakten - bleiben aber irgendwie immer ein wenig spekulativ.

Dennoch ist mir hundertmal lieber, ein Augenzeuge wie John Roch berichtet in einem Brief an seinen Vater über ein Detail, als wenn ich das selbe bei Chapelle ohne Angabe von Quellen lesen muss!
In dem Zusammenhang möchte ich mal auf einen anderen Thread an anderer Stelle verweisen, wenn Ihr erlaubt...

http://www.modellboard.net/index.php?topic=31290.0

Der Beitrag wurde von Marcus.K. bearbeitet: 29. Jan. 2010, 13:16
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McCool
Beitrag 30. Jan. 2010, 22:46
Beitrag #230


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ZITAT(Marcus.K. @ 29. Jan. 2010, 12:55) *
Wow - das sind mal Untersuchungen ...
Ich finde es nicht sooo eigenartig: Du musst bedenken, dass die Amerikaner generell ein Problem haben, offizielle Papiere der US-Regierung von vor 1815 aufzufinden:

Ein Exkurs über den "Brand von Washington" hilft hier aber nun mal nicht weiter. Tatsächlich ist aus der Darstellungen zur Geschichte der frühen US-Fregatten (Canney, Chapelle) ziemlich deutlich ersichtlich, daß ebendiese Darstellungen auf erhaltenen Akten beruht. Im Fall der Erstbewaffnung ist so einiges dokumentiert: Herstellung der 24-Pfünder, der "Howitzers", der geplatzte Kontrakt für die Kanonen der Oberdecksbewaffnung, sowie die Suche nach Ersatz. Aus offiziellen Schriftwechseln ist bekannt, daß man von Castle Island 14 oder 16 18-Pfünder auslieh. Die andere Frage ist: wurden sie auch (alle) aufgestellt? Während der Suche nach geeigneten Kanonen sind dann lt. Martin irgendwo auch noch 14 12-Pfünder aufgetaucht - schön. Wieviele davon, wenn überhaupt, gelangten an Bord? Steht irgendwo eindeutig: "Sailed yesterday, with 60 gun on board" (Preble schrieb z.B. 1803 tatsächlich, daß er mit 44 Kanonen und soundsoviel Mann ins Mittelmeer lossegelte - nach Marquardt/Bass waren die Oberdeckskanonen dann übrigens 14 12-Pfünder).
Nach Martin ist ja auch noch unbekannt, wer die Kanonen organisierte. Zu dieser Kanonentransaktion gibt es in "most fortunate ship" leider auch keine Quellenangabe. Merkwürdig ist halt, daß es für die Zeit bis 1803, Neuausrüstung, keine weitere Bewaffnungsangabe gibt. Diese Quelle aus dem Amerincan Neptune würde mich ja sehr interessieren. Vielleicht könnte man aus dem Zusammenhang erschließen, ob sie wirklich eindeutig ist. Es bestünde nämlich noch die Möglichkeit, daß in der Quelle soetwas banales wie ein Verschreiber vorliegt. Beispiel: vielleicht schrieb die Quelle, daß 14 12-Pfünder an Bord kamen - meinte aber tatsächlich 18-Pfünder. Nun liest das ein Constitution-Forscher und denkt sich: das Schiff hat außer den bekannten 18-Pfündern auch noch 12-Pfünder erhalten! Dann zählt er 14 und 16 zusammen und kommt auf die stolze Zahl von 30 Kanonen auf dem Spar Deck. Nur ein Beispiel - soetwas kann passieren. Ohne Kenntnis der Briefe von Roch kann ich die Zuverlässigkeit der Angabe von 30 Spardeckskanonen nicht einschätzen, und da die offiziellen Quellen nur von 14-16 18-Pfündern sprechen, würde ich diese Zahl erstmal für sicherer halten. Interessant wäre ja die Munitionsfrage. Gibts Nachweise, daß die Constitution sowohl 18-Pfünder-Kugeln als auch solche für 12-Pfünder an Bord hatte? Wobei die Anwesenheit der letzteren an Bord nicht unbedingt ein sicheres Indiz für die Anwesenheit der Kanonen wäre - denn die Kugeln waren eventuell ohnehin vorhanden und vielleicht sogar an Bord gebracht, weil die 18-Pfünder-Bewaffnung nur geliehen und ein Provisorium war. Wenn allerdings Kartuschen für 12-Pfünder an Bord waren, wäre das schon interessanter, denn die werden ja schneller schlecht, und daher... wink.gif tongue.gif laugh.gif


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Marcus.K.
Beitrag 1. Feb. 2010, 12:01
Beitrag #231


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ZITAT(McCool @ 30. Jan. 2010, 22:46) *
Ein Exkurs über den "Brand von Washington" hilft hier aber nun mal nicht weiter.

Mit dem Exkurs wollte ich nur darauf hinweisen, dass es nicht sehr verwunderlich ist, dass - gerade offizielle - Schreiben von vor 1815 vergleichsweise schwer zu finden sind.

ZITAT(McCool @ 30. Jan. 2010, 22:46) *
... Aus offiziellen Schriftwechseln ist bekannt, daß man von Castle Island 14 oder 16 18-Pfünder auslieh. ...

ZITAT(Marcus.K. @ 28. Jan. 2010, 0:49) *
Tyrone Martin schreibt in seiner "Monographie" Constitution - Close up im Kapitel "guns":
ZITAT
The sixty long guns with which Constitution first sailed was the largest number she ever would carry [McKee, Christopher. "Constitution in the Quasi-War with France: The letters of John roch, Jr., 1798-1801" The American Neptune, Apr. 1967] On the gun deck were thirty 24-pounders cast by Furnace Hope in Rhode Island. Each had its weight stamped into the left trunnion [NDBW, Vol. 1, p.173] ... The spar deck carried sixteen 18-pounders borrowed from the Commonwealth of Massachusetts and fourteen 12-pounders of uncertain origin, but possibly further products of Furnace Hope.

Hm.. da steht "on gun deck were" .. und "spar deck carried ... (borrowed from Commonwealth of MA)" .. das heißt in beiden Fällen schon mal für mich "aufgestellt" .. aber es ist die Interpretation einer Interpretation eines Briefes, den ich nie gelesen habe - und für den es sonst keine (oder nur Teilweise) Bestätigungen zu geben scheint.

ZITAT(McCool @ 30. Jan. 2010, 22:46) *
... - nach Marquardt/Bass ... wink.gif tongue.gif laugh.gif

Oh, Du hast Dir den Bass zugelegt? Sehr schönes Buch, gelle?

Insgesamt - ja, schwierig. Wie viele Quellen braucht man, und wie zuverlässig sind die? Und was kann man der Interpretation von anderen glauben - wenn einem die Quellen selber nicht recht zugänglich sind.

Good Old Ironside - Sie bleibt ein Mysterium!

Der Beitrag wurde von Marcus.K. bearbeitet: 1. Feb. 2010, 12:09
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Marcus.K.
Beitrag 21. Jul. 2010, 10:27
Beitrag #232


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ZITAT(Tom23 @ 18. Jul. 2009, 9:28) *
.... das Modell im Peabody-Museum, das Du ja ganz offensichtlich meinst, hat leider kaum noch schiffbauhistorischen Wert, da es mindestens zweimal repariert und "restauriert" wurde, ohne dass man heute weiß, was verändert wurde. Bereits 1814 wurde das Modell von Kriegsgefangene repariert, nachdem es zur Salem East India Marine Society, dem Vorläufer des Peabody-Museums, kam. Dann wurde es 1907 erneut "restauriert". Aber von beiden Eingriffen gibt es leider keine Aufzeichnungen, sodass man heute nicht mehr sagen kann, was an dem Modell verändert wurde und was nicht - dazu müsste man dieses Modell wirklich intensiv untersuchen. ..

Hallo Tom,

ich habe vor Kurzem wieder in das Kielwasser meiner Lieblingsfregatte gekreuzt und jetzt folge ich wieder seiner Spur..

Zum obigen Eintrag würde ich Dich gern etwas fragen: woher hast Du die Informationen bzgl. des Hull-Modelles? .. vor allem bzgl. der Reparaturen?

Ich frage das deswegen, weil ich im Modellboard Bilder des Modells eingestellt hatte (Photos des Hull-Modells im Modellboard) - und vor kurzem ein einem alten Bändchen "Shipcarvers of North America" von M.V. Brewington Bilder des Modelles entdeckte, die sogar das Boot am Heck der Constitution noch zeigen - welches aber heute offbar nicht da ist. Auch ist auf alten Photos des Modells zu erkennen, dass die beiden äußersten Fenster des Heckspiegels geöffnet waren - in den aktuellen Photos sind die Fenster eingesetzt - gleich den anderen in der Mitte..

Der Beitrag wurde von Marcus.K. bearbeitet: 21. Jul. 2010, 10:29
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Tom23
Beitrag 27. Jul. 2010, 7:00
Beitrag #233


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Hallo Markus,

diese Angaben habe ich aus einer Publikation des Peabody-Museums. Ich muss mal nachsehen, wo ich diese "verbuddelt" habe.

Gruß,
Tom
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McCool
Beitrag 27. Jul. 2010, 10:41
Beitrag #234


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ZITAT(Marcus.K. @ 21. Jul. 2010, 11:27) *
Hallo Tom,

ich habe vor Kurzem wieder in das Kielwasser meiner Lieblingsfregatte gekreuzt und jetzt folge ich wieder seiner Spur..

Zum obigen Eintrag würde ich Dich gern etwas fragen: woher hast Du die Informationen bzgl. des Hull-Modelles? .. vor allem bzgl. der Reparaturen?

Ich frage das deswegen, weil ich im Modellboard Bilder des Modells eingestellt hatte (Photos des Hull-Modells im Modellboard) - und vor kurzem ein einem alten Bändchen "Shipcarvers of North America" von M.V. Brewington Bilder des Modelles entdeckte, die sogar das Boot am Heck der Constitution noch zeigen - welches aber heute offbar nicht da ist. Auch ist auf alten Photos des Modells zu erkennen, dass die beiden äußersten Fenster des Heckspiegels geöffnet waren - in den aktuellen Photos sind die Fenster eingesetzt - gleich den anderen in der Mitte..

Ist es wirklich das Hull-Modell? Ich kenne zwei vom Anfang des 20. Jhdts. stammende durchaus interessante Modelle, zumindest eines davon ist auch mit Booten ausgestattet. Die Heckansicht davon ist zwar nicht mit dem Hull-Modell zu verwechseln, aber vielleicht eine Seitenansicht?
Andererseits gibt es ja auch realtiv alte Fotos des Hull-Modells, auf dem kein Boot zu sehen ist - lediglich die beiden Heckfenster sind wohl eingedrückt, das scheint also mal repariert worden zu sein. Schade übrigens, daß Marquardt auch in seinem jüngsten Artikel im Logbuch das Modell mit keinem Wort erwähnt; ansonsten wird der schon in der Darstellung in der "Anatomy" aufkommende Eindruck, daß er die wirklich wesentlichen neueren Publikationen nicht berücksichtigt hat, leider bestärkt.


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Marcus.K.
Beitrag 27. Jul. 2010, 10:42
Beitrag #235


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ZITAT(Tom23 @ 27. Jul. 2010, 8:00) *
diese Angaben habe ich aus einer Publikation des Peabody-Museums. Ich muss mal nachsehen, wo ich diese "verbuddelt" habe.

Au ja, unbedingt - nach solchen Informationen zu dem Modell suche ich schon seit Jahren - war auch schon im Kontakt mit dem Museum .. wobei "Kontakt" das falsche Wort ist, weil er sich recht einsilbig gestaltete und wenig Ergebnis zu Tage förderte.
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Tom23
Beitrag 29. Jul. 2010, 10:07
Beitrag #236


Bootsmannsmaat
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Hallo Markus,

die eine Angabe stammt aus einem 1921 erschienenen Führer des Museums: http://www.archive.org/details/marineroomofpeab00robirich.

Die zweite Angabe stammt aus einem akruelleren Museumsführer, den ich aber selbst nicht besitze, der aber erst vor einigen Jahren erschienen ist.

Gruß,
Tom
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