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  1. Nur ein kleiner Hinweis : In der häßlich betitelten Reihe "SCHIFF Profile", nicht zu verwechseln mit dem kongenialen Titel "SCHIFF Classic" ist als Band No 18 ein Heft über das Schulschiff CHARLOTTE (1885-1921). Es trug eine Vollschiffstakelage, hatte einen Hilfsantrieb und eine Bewaffnung aus 15 cm-Geschützen und Revolverkanonen. Nach Angaben des Verlags "dokumentiert [der Band] die große Ausbildungsreise der Kadettencrew von 1898 bis 1899 in einzigartigen Aufnahmen". Beim flüchtigen Durchblättern im Zeitungsladen erschienen mir in der Tat die zahlreichen Fotografien äußerst wertvoll. Was den Modellbau-Aspekt angeht: Wieder einmal gibt es leider keine annähernd modellbautauglichen Unterlagen, ein halbwegs vollständiger Riß fehlt im Heft, sofern ich das nicht übersehen habe. Es gibt einen kleinen Generalplan mit Segelriß und Decksdraufsicht, von Rahhardt gezeichnet, einen Querschnitt, und in der Heftmitte eine sehr schöne farbige Darstellung, wie man sie von Olaf Rahardt kennt. Ein zeitgenössischer einfacher Segelriß aus irgendeiner Publikation - also kein Admiralitätsplan - auch abgedruckt. Der große Wert, und daher dürfte sich das jedenfalls Heft lohnen, sind die tollen Fotos. (Zum Text kann ich vorläufig nichts sagen). Schön, daß Olaf Rahardt sich diess interessanten Schiffes angenommen hat! Apropos Pläne, für den älteren MOLTKE gibts ja hier zwei digitalisierte Originalpläne: http://dreadnoughtproject.org/plans/SM_Moltke_1900/ Kennt jemand für irgendeine der sogenannten "Kreuzerfregatten" Spantrisse?
  2. Ich habe einen Faksimile Druck des oben betitelten Buches aufgetrieben. Es ist der Nachdruck eines 1872 erschienen Buches des ehemaligen " Corvetten-Capitänes" Ullfers , der damit versucht hat , seine Zahlreichen Vorlesungen vor der Marine Akademie Kiel zu einem verwertbaren Lehrbuch zusammenzufassen. Dieses Buch lässt eigentlich keine Fragen offen zur handhabung von Militärisch genutzten Grosseglern . Es behandelt Takeln , Reparaturen, Verproviantierung, Stationsbesetzungen und genauestens beschriebene Segelmanöver in allen Situationen . Sowohl Fregatten als auch noch im Dienst befindliche Linienschiffe werden hier abgehandelt......der Einsatz von Hilfsmaschinen wird nur am Rande erwähnt........ Corvetten-Capitän Franz Ulffers ist 1829 geboren und als 20 Jähriger 1849 in die Preussische Marine eingetreten wo er schon als junger Offizier und Kommandant reichlich Erfahrungen sammeln konnte. Als das Buch erschien, war der Deutsch französische Krieg 1870/71 gerade beendet und die Kaiserliche Marine stand am Anfang ihres Aufbaus. Damals verfügte sie über 52 aktive Einheiten , von denen 43 sogenannte Expansionsmaschinen zur unterstützung der Besegelung hatten ,5 Schiffe reine Segler waren und 4 Einheiten ausschliesslich über Expansionsmaschinen verfügten. Vor diesem Hintergrund ist das Buch zu verstehen , es behandelt Übernahme von geschützen aus diesem Grunde vor den Nöten eines Handelsschiffers...... Das Buch ist gebunden im Verlag Theodor Schäfer / Hannover erschienen, hat die ISBN Nummer 3-88746-317-x Edition " libri rare" Bestellnummer 7212, allerdings ist es vergriffen und wohl in absehbarer zeit nur in Antiquariaten oder bei Intensiver Suche zu bekommen............allerdings! Es lohnt sich
  3. Adolf Mensing: An Bord der ,Gazelle' nach Yokohama. Ein preußischer Marineoffizier erinnert sich. Bearbeitet und herausgegeben von Horst Auerbach. Hinstorff Verlag, Rostock 2000. 208 S., einige Abbildungen. Der Inhalt des Buchs ist in dieser Besprechung der FAZ umrissen. http://www.faz.net/s/RubF3CE08B362D244869B...n~Scontent.html . In der Tat handelt es sich bei der Schilderung, welche die Jahre von 1861-1866 umfaßt, um eine hochinteressante Quelle, welche die Zustände innerhalb der um 1860 noch immer in der frühen Entwicklung steckenden königlich preußischen Marine in keinem vorteilhaften Licht erscheinen läßt. Fachliche Inkompetenz von Offizieren und Probleme mit der Disziplin waren übrigens noch etliche Jahre später festzustellen- so veranlaßte der 1869 von der Eröffnung des Suezkanals auf der Korvette Elisabeth heimreisende Kronprinz Friedrich Wilhelm den Generalmajor Stosch, einen kritischen Bericht über die Zustände an Bord an den König zu verfassen. Es ist erfreulich, daß Horst Auerbach (Verfasser des schönen Bandes "Preußens Weg zur See") sich dieser Erinnerungen angenommen und sie zur Veröffentluchung brachte. Aber so verdienstvoll die Herausgabe dieser Erinnerungen auch ist, so ist sie leider nicht unproblematisch. Ein Vorwort gibt Auskunft über den Lebenslauf Mensings (geb. 1845, gest. 1929), ein kleiner Anhang dokumentiert seine Erfindungen; so weit, so gut. Aber zu seiner Behandlung des Textes gibt Auerbach keine weitere Auskunft als die, daß er es "bei der Bearbeitung des vor über 130 Jahren verfaßten Manuskripts" für "unumgänglich" hielt, "stilistische Korrekturen vorzunehmen und den Text zu straffen." Ob das wirklich "recht behutsam" und "hart am Originaltext" geschah, kann der Leser leider nicht beurteilen. Schlimmstenfalls geht bei Glättungen und Straffungen auch einiges vom Wert der Quelle verloren. Eine wichtige und vom Herausgeber nicht zufriedenstellend beantwortete Frage ist die nach der Datierung des Manuskripts. Auerbach hält es, im Jahr 2000 schreibend und ohne das irgendwie zu begründen, für über 130 Jahre alt. Der Text müßte also demnach um 1870 oder früher entstanden sein. Kann das zutreffen? Im Jahre 1870 war Mensing erst 25 Jahre alt. Dennoch trifft man allerorten auf Formulierungen, die weit in die Vergangenheit weisen: "Es soll damals eines der schnellsten Fahrzeuge der Welt gewesen sein." (S. 42) "..denn man glaubte damals, die jungen Leute hart rannehmen zu müssen. Ich bin froh, in späteren Jahren zu den Offizieren gehört zu haben...." (S.45 f.) "Von den Lehrern habe ich noch heute...in angenehmster Erinnerung" (S. 51); "Ich aber verpaßte die einzige Möglichkeit in meinem Leben, ein Trinkgeld einzuheimsen (S.58). "Es galt damals als männlich, trinkfest zu sein", (S. 96). "In der alten Marine nahm man es nicht so genau" ; "Madeira besaß damals als Zufluchtsort für Lungenleidende Weltruf, "Ich vergaß den Blick ihrer Augen, der mich beim Vorübergehen streifte, niemals im Leben (S. 82f.). "Ich sah nie wieder ein schöneres Schiffsmanöver" (S. 143) "Ich glaube, es war Pfingsten 1866, als ich gleichzeitig mit Franz in Bückeburg war. Ich weiß noch wie heute...."(S. 187) Das alles sind Formulierungen, die auf eine Niederschrift nach längerer oder sogar sehr langer Zeit hindeuten. Eine an sich unwesentliche Ungenauigkeit, die aber auch auf die Entstehung zu einem späteren Zeitpunkt hindeutet: Für den Winter 1865/66 erwähnt Mensing, daß jemand Hartmanns "Philosophie des Unbewußten" lese, "ein Buch, das damals bei gebildeten Leuten in Mode war". Tatsächlich erschien das Buch aber erst 1869. Über den noch Lebenden Admiral hätte Mensing um 1870 wohl nicht geschrieben, "Prinz Adalbert war ein gütiger, lieber Herr, der merkwürdigerweise den Kaiser Napoleon außerordentlich geschützt haben soll."(S. 143). Daß das Manuskript definitiv nicht vor 1888 verfaßt worden sein kann beweist die Erwähnung "der späteren Kaiserein Auguste Victoria" (S. 181). Auguste Victoria wurde 1888 Kaiserin; das Manuskript entstand also frühestens zu dieser Zeit, aber m.E. ist es wahrscheinlich, daß es sogar erst nach Ende des Kaiserreichs verfaßt wurde. Daß Auerbach als promoviertem Militärhistoriker das alles nicht auffiel, ist sehr bedauerlich. Das Alter des Texts ist aber für seine Einschätzung als Quelle entscheidend. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob die Eindrücke von Ereignissen nur knapp vier Jahre später niedergechrieben werden oder erst 50 oder gar 60. Dazwischen liegt ein ganzes Leben, ein ganzes Kaiserreich und ein Weltkrieg. Das hat grundlegende Auswirkungen darauf, wie die Ereignisse geschildert werden, nicht nur was die Zuverlässigkeit von Details angeht. Es ist ein Unterschied, ob man die Auffassungen eines 25-jährigen oder eines 70-jährigen liest; ob der Erzähler noch in der beschriebenen Gesellschaftsordnung eingebunden ist, oder ob diese längst in einem gewaltigen Weltkrieg untergegangen ist.
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