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Threepwood

Hornblower in Westindien

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Hornblower in Westindien soll nicht der beste Roman der Serie sein, aber das Thema ist natürlich spannend. 1821 versucht ein ehemaliger französisicher General den Kaiser Napoleon Bonaparte zu befreien. Hornblower versucht dies natürlich zu vereiteln.

 

Ich hab gerade erst angefangen, aber es scheint ein interessanter Roman zu werden,.

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Die Westindien - Geschichten sind durchaus reizvoll. Ich finde es gut von Forester, daß er nicht mit dem Kriegsende 1814/15 die Erzählungen abgebrochen hat, sondern es einmal wagte, sich auch mit der "Nachkriegszeit" zu beschäftigen, und da hat er sich einige originelle Sache ausgedacht. Schade, daß Hornblower dann später nichts mehr mit Navarino zu tun hatte, aber da hätte er dann Dienstaltersmäßig wohl ein zu hohens Tier sein müssen, so daß Forester ihm wg des historischen Rahmens nicht zu vertretende wichtige Rolle hätte einräumen müssen - das Kommando über die ganze aliierte Flotte zum Beispiel. ;)

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Aber es ist pure Fiktion, dass man versuchte Napoleon zu befreien? Und was ist mit der "Alten Garde" in Mexiko, gab es das wirklich?

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Das schöne für Forester war vielleicht, daß in Westindien zur Zeit von Hornblowers Kommando nichts weltgeschichtlich spektakuläres passierte, so daß er Hornblower ein wenig in dieser wenig geläufigen Phase unterbringen konnte.

Also ich meine, ich hätte einmal von einer Fluchtabsicht Napoleons gelesen; allerdings wollte er dann wohl eher in die USA.

Die Briten bewachten ihn jedenfalls sehr grimmig auf St Helena; Adalbert von Chamisso schrieb in der "Reise um die Welt in den Jahren 1815-1818", die er auf dem russischen Schfif Rurik mitmachte, über einen Besuch St Helenas folgendes (ist vielleicht im Zusammenhang mit der "Westindien" - Geschichte ein interessantes Zeitdokument):

 

Nachdem wir am 8. April 1818 (nach unserer Schiffsrechnung) die Tafelbai verlassen, erhielten wir auf der gewöhnlichen Fahrstraße der heimkehrenden Schiffe den Passat am 16., durchkreuzten am 18. den südlichen Wendekreis und erreichten am 21. die Mittagslinie von Greenwich. Hier erst korrigierten wir unsere Zeitrechnung und schrieben, die von Greenwich annehmend, anstatt Dienstag, den 21., Mittwoch, den 22.

 

Am 24. April 1818 hatten wir Ansicht von Sankt Helena. Unser Kapitän hegte den Wunsch, an dem Felsen des gefesselten Prometheus anzulegen; das ist begreiflich. Die hohen Mächte hatten Kommissare auf der Insel. Es konnte nicht unnatürlich scheinen, daß ein russisches Kriegsschiff sich dem russischen Kommissar (Grafen Balleman) erböte, seine Depeschen zu befördern. Die englische Kriegsbrigg, die über dem Winde der Insel kreuzte, visitierte uns. Der Offizier, der an Bord kam, trat mit gespannter Pistole in die Kajüte des Kapitäns. Nach eingesehenen Papieren gab er uns die Weisung, uns während der Nacht, die zu dämmern begann, in der Nähe der Insel aufzuhalten und am andern Morgen nach Jamestown zu steuern. – Die Brigg machte Signale; der Telegraph auf dem Lande setzte sich in Bewegung; die Nacht brach ein.

 

Wir segelten am Morgen der Stadt und dem Ankerplatze entgegen. Eine Batterie gab uns durch eine Kanonenkugel, die vor dem Schiffe die Luft durchpfiff, zu verstehen, daß wir nicht weitergehen möchten. – Der Telegraph war in Tätigkeit; eine Barke stieß vom Admiralschiff ab und ruderte auf uns zu. Wir glaubten jener Barke entgegenfahren zu dürfen, nahmen den alten Kurs wieder und erhielten, auf demselben Punkt angelangt, eine zweite Kanonenkugel. Der Offizier, der an unsern Bord gekommen war, erbot sich, uns auf die Reede zu führen. Die Batterie, meinte er, habe keine Befugnis, auf uns zu feuern, und werde es jetzt nicht wieder tun. Wir steuerten mit unserm Geleitsmann wiederum auf den Hafen und erhielten sofort die dritte Kanonenkugel. – Darauf stieg der Offizier wieder in sein Boot und ruderte an sein Schiff zurück, um Mißverständnissen ein Ziel zu setzen, welche nur von der Abwesenheit des Gouverneurs herrühren konnten, der nicht in der Stadt, sondern auf seinem Landhause war. – Mittlerweile lichteten alle Kriegsschiffe, die auf der Reede lagen, die Anker und gingen unter Segel. – Wir warteten bis nach zwölf Uhr; da wir um diese Zeit noch ohne Nachricht waren, strichen wir mit einer Kanonenkugel die Flagge und nahmen nach einer Versäumnis von beiläufig achtzehn Stunden unsern Kurs wieder nach Norden.

 

Ich bemerke beiläufig, daß nach Seemannsbrauch bei der Art Unterhaltung, welche die Batterie mit uns führte, die erste Kugel über das Schiff, die zweite durch das Tauwerk und die dritte in die Kajüte des Kapitäns geschickt zu werden pflegt. Die Batterie hatte eigentlich dreimal den ersten Schuß, aber keinen zweiten auf uns abgefeuert. Es ist übrigens einleuchtend, daß in dem Verfahren der Wachtbrigg, des Admiralschiffes und der Landbatterie keine Übereinstimmung stattfand; und die Schuld an der Verwirrung, die in Hinsicht unser herrschte, können wir nur dem Gouverneur beimessen.

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Original von Threepwood

Und was ist mit der "Alten Garde" in Mexiko, gab es das wirklich?

Diesbezüglich habe ich noch einmal nachgeschaut - es gab tatsächlich das Umtriebe der Alten Garde in Mexiko, das war Forester offensichtlich bekannt! Die Angelegenheit kann man in dieser Geschichte der Kaisergarde nachlesen:

Klick! (J.T. Headley, The Imperial Guard of Napoleon: from Marengo to Waterloo. New York 1851.)

Die Veteranen wurden dort reihenweise von Krankheiten dahingerafft. Daß die Überlebenden des Abenteuers dann planten, Napoleon zu befreien, ist offensichtlich Foresters Erfindung, aber eine nicht ganz fernliegede Idee, wie man sieht!

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Ich habe gerade etwas über Hudson Lowe (Gouverneur von St. Helena) gelesen. Angeblich hatte er tatsächlich nachrichtendienstliche Hinweise auf eine mögliche Befreiungsaktion erhalten. Das werde ich noch einmal in Ruhe nachlesen.

 

Lowe ist auf jeden Fall eine interessante Figur, wurde er doch vor St. Helena sehr geschätzt (gerade wegen seinem Umgang mit dem höchsten Adel der Koalition erachtete man ihn als fähig einen "Kaiser" zu bewachen) und nach seiner Rückkehr nach England ziemlich angefeindet. Ich werde mal was zu ihm schreiben und einen neuen Thread aufmachen.

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So, ich bin mit dem Roman durch und möchte jetzt kurz meine persönliche Meinung zu dem Roman posten.

 

Zuerst war ich ein wenig enttäuscht, da die auf dem Buchrücken angepriesene Befreiung Napoleons doch nach wenigen Seiten beendet war. Ich war ein wenig überrascht feststellen zu müssen, dass es sich bei "Hornblower in Westindien" um eine Sammlung von Episoden handelt. Beschrieben wird die dreijährige Amtszeit Hornblowers als Oberbefehlshaber in der Karibik. Ankunft und die aufregende Abreise bilden den Rahmen dieses Romans.

 

Was sich mir anfänglich als Schwäche darbot, entpuppte sich nach der dritten Episode als Vorteil. Oft hatte ich den Eindruck, dass so manches Abenteuer unserer fiktiven Helden in die Länge gezogen wurde. In "Hornblower in Westindien" ist das nicht der Fall. Im Gegenteil: Manche Abenteuer hätten ruhig etwas länger sein dürfen.

 

Hier und da macht es sich Forester mit der Auflösung ein wenig einfacher, zumindest lösen sich die Probleme oft einfach auf. Das muss aber gar nicht negativ bewertet werden, denn Hornblower ist kein "Superheld" und warum sollen sich nicht einige seiner Probleme von selbst lösen?

 

Was mir allerdings gar nicht gefallen hat, ist die Darstellung von Lady Barbara. Sie war mir teilweise zu "zuckersüß" und verliebt zu ihrem Admiral. Ihre Verwandschaft zu Wellington wurde nicht mehr aufgegriffen, überhaupt kam sie ein wenig zu kurz.

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Aber ist diese Zuckrigkeit vielleicht nur Tarnung? Kurz nach ihrer Ankunft kommt es ja schon zur Verstimmung zweischen Barbara und Hornblower wegen dieses Hudnut - Falles. Und an einem Punkt sagt Barbara dann nichts mehr, weil es zwecklos ist, ihren Mann zu überzeugen, nimmt dann aber die Sache eigenmächitig in die Hand - in diese letzten Episode hat sie schon eine ziemlich aktive Rolle gespielt, wenngleich sie mehr die Fäden Im Hintergrund gezogen hat. Daher dann auch diese nette Überraschung für Hornblower, als sie nach überstandenem Hurrikan von des Spaniern empfangen werden.. :(

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Also 'zuckrig' kam mir Lady Barbara eigentlich nicht vor. Im Gegenteil!

 

Auch wenn Forester normalerweise nicht im selben Atemzug wie z.b. Charles Dickens genannt wird, finde ich, dass er nicht nur einen Platz an dessen Seite, sondern sogar einen Ehrenplatz über manchen anderen Schriftstellern verdient hat. Wie viele Bücher gibt es doch (auch 'Seefahrtsromane'), in denen die beschriebenen Personen flach und blass wirken! Bei Forester ist das anders. Ich kann mir die meisten seiner Figuren sehr gut vorstellen, Hornblower selbst, aber auch Brown, Bush, Mound, Maria, Marias Mutter und eben auch Lady Barbara. Die ist mitnichten 'zuckrig', wir sprechen doch nicht von einem Schundroman!!

 

Es stimmt, gerade ihr Vorgehen im Fall 'Hudnut' zeigt sie als durchaus selbstständige Frau. Nur weil sie in Hornblower verliebt ist und umgekehrt und entsprechend einige Liebesszenen vorkommen, ist sie noch lange nicht als 'zuckersüss' zu bezeichnen!

 

 

 

 

Naja, man muss doch seine Lieblingsautoren verteidigen...

 

 

Saludos, The Raven

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Ich finde auf jeden Fall, daß Forester literarisch und stilistisch in einer anderen Liga schreibt als alle anderen, die sich so im marinehistorischen Genre tummeln, O'Brian ausgenommen.

Falls ich irgendeinen übersehen habe, dem auch der Aufstieg in die Oberliga zu gönnen wäre, bitte ich denjenigen um Vergebung.

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Also ich finde eigentlich nicht, daß er "literarisch" schreibt, im Sinne von stilistisch grandios wie z.B. Josph Conrad. Es ist mir immer so wie Drehbuch oder Kurzgeschichte; aber wie auch immer - seit ich neulich mal wieder meinen einzigen Kent, "Feuertaufe", wiedergefunden habe, ist mir mal wieder bewußt geworden, daß Forester sein Handwerk jedenfalls sehr gut beherrscht; bei Kent gerät der Lesefluß doch öfter mal ins Stocken, weil Personen oder Handlung einfach zu unglaubwürdig oder zu klischeehaft sind. Weder über Kents Helden Bolitho oder Bösewicht Lt. Tergorren braucht man viel zu sagen, so platt sind diese Figuren. Foresters Schöpfungen hingegen sind trefflich modelliert, über die kann man tatsächlich diskutieren. Und auch wenn manche Geschichten, die sich Forester ausgedacht hat, wegen der historischen Fakten nicht so abgespielt haben könnten - siehe zur "Letzten Begegnung" hier, waren seine Ideen doch meist recht originell. Manche allerdings waren wohl nicht so originell, wie es zunächst scheinen mag. Sind Leutnant Hornblowers Erlebnisse auf der Renown mit dem verrückten Käpitän Sawyer nicht doch recht stark von "Die Caine war ihr Schicksal" bzw. der Romanvorlage von Herman Wouk inspiriert? Dennoch ist es eine meiner Lieblingsgeschichten. Übrigens scheint mir Kents "Feuertaufe" zumindest teilweise von Forester abgeklatscht.

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Allerdings ist mir bei einigen Kent-Romanen ein Hauch Deja Vu angeklungen. Einiges erinnert mich knallhart an Forester. Wobei bei Kent immer soweit abweichungen vorhanden sind, das man nie von einem echten Plagiat sprechen kann.

 

Im überigen gebe ich McCool recht, "Literatur" ist etwas anderes. Wobei aber die Frage im Raum steht.....sollten die Hornblower-Romane jemals als solche angesehen werden oder gehören sie, entschuldigt diesen Vergleich, doch eher in die Liga der Bücher, welche die gute Jane Marple in ihrem gutsortierten Regal mit dem herrlichen Rollleiterchen stehen hat. Nicht vom Inhalt, aber von der Qualität her gesehen. Produziert als Massenware in einer zeit und für eine Generation, als Theater noch die Spitze der Medialen Belustigung war, gefolgt vom Kino ( oder auch andersherum, je nach Bevölkerungs und Sozialisierungsgruppe) und Fernsehen noch wirklich nicht allzuviel zu bieten hatte. Ich bin, um dieses Genre Bücher mal in Schutz zu nehmen, im Besitz einiger Kisten und es sind einige wirklich gute sachen darunter.

 

Das Hornblower und mit ihm Forester letztendlich herausragend wurden liegt sicher an der goldenen Nase eines Produzenten, auf der Suche nach einer aussergewöhnlichen Geschichte, für das grosse Gefühlskino in Verbindung mit knackigen Abenteuer und Actionkomponenten. Hand aufs Herz........hätte uns Hollywood nicht mit Gregory Peck einen Bilderbuch-Hornblower beschert, gemeinsam mit der unvergessenen Virginia Mayo, ich bewzeifele , das Forester und das Genre überhaupt jetzt einem grösseren Personenkreis nahegeht als uns eingefleischten Fans der Age of Sail.

 

Gruss,

Werner

Edited by Farquhar

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Hallo hallo hallo, Farquhar!

 

Wohl verrückt geworden?

 

Ich muss energisch darauf bestehen, dass Forester zur Literatur gehört. Hand aufs Herz hin oder her, ich habe die Hornblower-Filme nicht gesehen, und den Beschreibungen nach sind sie auch ziemlich grosser Schrott. Aber die Bücher SIND gut geschrieben, und ich kann das sehr gut beurteilen. Ich bin nämlich seit dem Alter von 6 Jahren eine Leseratte, und ich weiss nicht, wieviel ich bisher gelesen habe, aber es sind auf jeden Fall schon viele hundert Bücher verschiedenster Sorte. Darunter international akzeptierte Klassiker, und auch viele andere Bücher, die nicht sehr bekannt sind, es jedoch sein sollten. Also: ich habe Erfahrung!

 

Natürlich kann man über Vieles diskutieren, historische Ungenauigkeiten will ich ja auch nicht abstreiten (wobei ich überzeugt bin, Forester hat sein Bestes getan).

 

Ich möchte auch energisch darauf aufmerksam machen, dass es vollkommen egal ist, wieviele Leute ein Buch kennen und aus welchem Grund; es stimmt, dass ein Riesenerfolg absolut kein Kennzeichen für Qualität ist; aber nur weil ein Buch angeblich leicht hätte unbeachtet bleiben können, ist es auch wieder nicht unbedingt schlecht.

 

Und den Kommentar mit Jane Marple kann man nur als direkte Beleidigung gegenüber Forester und all denjenigen, die ihn mögen, verstehen. Zwischen 'The Hatrack Hanging' und Foresters Romanen besteht ein Unterschied wie zwischen 'Harry Potter' und 'The Lord of the Rings'. (Und wer DIESEN Unterschied nicht sieht, liest am besten nur noch Zeitung, das ist dann ungefähr das richtige Niveau. Damit hätte ich nun auch gleich meine Meinung zu Rowlings Schrott verkündet.)

 

Sicher, seine Romane sind keine tiefschürfenden Analysen einer Gesellschaft oder irgendetwas ähnliches, er eifert nicht Jane Austen, Thomas Mann und Alfred Döblin nach; aber Literatur ist es trotzdem. Wenn man das Regal für 'Literatur' nur mit diesen und ähnlichen Autoren füllt, kommt man auch nicht weit.

 

 

Saludos, The Raven

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Wohl verrückt geworden?

Bei allem Verständnis für die Begeisterung für Foresters Romane - diese Formulierung ist definitiv nicht angemessen. Es wäre ziemlich schwierig den Standpunkt zu verteidigen, Forester sei wirklich große Literatur, wie sie meinetwegen Joseph Conrad, Goethe, Flaubert oder Tolstoi schrieben. Diese Autoren wollten mit ihrem Werk einfach mehr als Forester und erreichten auch mehr. Foresters Romane sind sehr gute, solide Abenteuerromane, womit er in einer anderen Tradition steht (Literatur, die vor allem Unterhaltung beabsichtigt). Der Vergleich mit Agatha Christie ist daher gar nicht sehr abwegig, und vielleicht war Forester tatsächlich ein besserer Schriftsteller. Mit Sicherheit war Tolkien ein weit besserer, phantasievollerer, intelligenterer Erzähler als Rowling, und m.E. stehen der Herr der Ringe und Harry Potter weiter auseinander als Hornblower und Miss Marple ( :lol: ), aber es sind auch nicht unendlich viele Welten, die sie trennen.

Edited by McCool

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SIR!

 

Da muss ich doch noch etwas sagen!

 

"Wobei aber die Frage im Raum steht.....sollten die Hornblower-Romane jemals als solche angesehen werden oder gehören sie, entschuldigt diesen Vergleich, doch eher in die Liga der Bücher, welche die gute Jane Marple in ihrem gutsortierten Regal mit dem herrlichen Rollleiterchen stehen hat." hat Farquhar geschrieben. Falls ich noch richtig lesen kann, dann bedeutet das wohl, Farquhar vergleicht nicht Forester mit Agatha Christie (die ich sehr schätze), sondern die Hornblower-Bücher mit den verschiedenen Büchern, die Jane Marple IN Christies Büchern liest, eben zum Beispiel "The Hatrack Hanging" (das ist schliesslich kein Buch von Christie).

 

Natürlich, der Vergleich von Forester mit Agatha Christie ist nicht abwegig, da würde ich durchaus zustimmen. Beides Unterhaltungsliteratur, beides sehr gut geschrieben, usw. Aber das ist es ja nicht, was Farquhar getan hat.

 

Selbstverständlich ist Forester nicht Tolstoi, er ist auch nicht Tolkien, aber besser als die Bücher, die Miss Marple z.B. in 'Murder, she said' (Film) liest, ist er wohl meilenweit. Es besteht schon ein Unterschied zwischen absoluten Schrott und einem sehr gut geschriebenen Abenteuerroman. Dass Forester viel mehr als das geschrieben hat, will ich ja gar nicht behaupten, aber man muss alles auf dem jeweiligen Niveau beurteilen und schätzen. Ausserdem ist Hornblower selbst eine sehr aussergewöhnliche Person, auch psychologisch gut beschrieben, auf eine Art, an die Aubrey einfach nicht herankommt.

 

Ich finde aber auch, dass es schwierig ist, den Standpunkt zu verteidigen, Abenteuer-Romane seien keine Literatur. Keine Weltliteratur vielleicht, ja, aber keine Literatur?

 

Und wie gesagt, von den Hornblower-Verfilmungen will ich gar nichts hören, die sind sicher völliger Schrott, aber ich liebe die Bücher unabhängig von irgendwelchen blöden Filmstars, und vor allem: ich liebte sie schon, bevor ich überhaupt ein Segelschiff-Fan wurde, bzw. durch sie wurde ich es erst so richtig. Sie sind also durchaus auch für Leute, die nicht absolute Enthusiasten sind, sehr lesbar.

 

 

Nochmals wegen Tolkien und Rowling: jener war nicht nur "ein weit besserer, phantasievollerer, intelligenterer Erzähler" (McCool) als diese, sondern schlicht ganz etwas anderes. Man kann einfach einen leckenden Kahn nicht mit Aubreys "Surprise" vergleichen. Tolkien schrieb ein sehr gutes und lesenswertes Buch, Rowling schreibt angepassten Zauber-Internatsgeschichten-Schrott, der hauptsächlich dazu da ist, möglichst viel geld einzubringen und teuer verfilmt zu werden; und ansonsten ist sie - na, das möchte ich jetzt nicht laut sagen.

 

 

Jedenfalls. Saludos, Raven.

Edited by The Raven

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Ich finde aber auch, dass es schwierig ist, den Standpunkt zu verteidigen, Abenteuer-Romane seien keine Literatur. Keine Weltliteratur vielleicht, ja, aber keine Literatur?

Jedenfalls nicht Literatur im höheren, künstlerischen Sinne, der ja durchaus weit reichen kann. Mir fallen da Autoren ein, deren Produkte ich niemals als "Literatur" ohne weiteres Präfix bezeichnen würde. "Trivial-" wäre noch ein positiveres davon, "Schund-" ein etwas abwertendes.

Man kann einfach einen leckenden Kahn nicht mit Aubreys "Surprise" vergleichen. Tolkien schrieb ein sehr gutes und lesenswertes Buch, Rowling schreibt angepassten Zauber-Internatsgeschichten-Schrott, der hauptsächlich dazu da ist, möglichst viel geld einzubringen und teuer verfilmt zu werden

Tja, ungefähr diesen Eindruck hatte ich ja auch, aber ich muß mich wohl täuschen - Milliarden begeisterter Leser auf dem ganzen Planeten können doch nicht irren? Leider habe ich den Schlüssel zum Verständnis von Rowlings anscheinend höchst bedeutendem Werk noch nicht gefunden. :lol:

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So, nachdem ich ja nun so toll Interpretiert wurde, @the Raven und sich deutlich gezeigt hat, wie leicht man doch mit der Kritik an allgemeinen Publikumslieblingen in die Feuerlinie geraten kann :lol: .................

 

setze ich noch eins drauf.

 

Soweit ich weiss hat der geschätzte C.S.Forester sogar das Drehbuch zu der Hronblower Verfilmung " Des Königs Admiral " geschrieben. Zumindest hat er entscheidend daran mitgewirkt.

 

Hornblower Verfilmungen als Schrott zu bezeichnen ist mindestens genauso Kurzsichtig, wie "das gutsortierte Bücherregal von Jane Marple " auszukommentieren zu wollen.

 

Solltest Du den Beitrag mit etwas weniger emotionaler Beteilligung nochmals Lesen, wirst Du feststellen, das ich den Inhalt des Regals keinesfalls abwertend dargestellt habe. Ich schrieb sogar, das ich selbst einige Kisten solcher Bücher besitze und sie sehr kurzweillig finde.

 

Aber das war ja auch nicht der Anlass deines echauffierens. Vielmehr erklärtest Du mich für vermeintlich verrückt, weill ich Forester als nicht zur Liga der grossen Schriftsteller zugehörig bezeichnete.

 

Es gibt, wenn ich mich recht erinnere durchaus Unterschiede zwischen grosser Literatur und Belletristik. Abgesehen davon, das ich derartige Einteillungen für ziemlich starr halte, sind sie aber doch ein Anhaltspunkt.

 

Forester hat nicht nur " Hornblower " geschrieben und ich bleibe dabei, die Anachronistische Reihenfolge der Romane deutet auf eine Verwertung des Stoffes NACH der Verfilmung hin. Es wurde sogar noch ein weiterer Roman von ihm verfilmt, der zwar durchaus umstritten ist aber immerhin daraufhin deutet, das Forester, so gerne und verklärt wir das eventuell soviele Jahre nach Erscheinen seiner Bücher sehen wollen..................mit seinen Werken in erster Linie Geld verdienen wollte.

 

Nicht schlecht..............denn in der Zeit seines Schaffens waren eine Menge Schriftsteller Unterwegs die wirklich schlecht geschrieben haben. Aber nur weill er soviele unfähige Kollegen hatte muss man ihn doch nicht gleich in die Liga der Weltliteratur erheben :o

 

In meinen Augen war er ein guter Schriftsteller, der mit Sinn für seine Zeit und in Kombination mit seiner Leidenschaft Gespür entwickelt hat. Gespür, etwas zu schreiben, was die leute lesen wollten/wollen.

 

In meinem Beitrag erwähnte ich auch die zeitlichen Umstände des rrscheinens der Romane.

 

Hornblower und selbstverständlich auch sein Buch African Queen.................ich behaupte mal ganz frech, ein grossteil der heutigen Fans Foresters würden ihn nicht einmal dem Namen nach kennen, wenn es nicht gerade Hollywood gewesen wäre, das die Thematik aufgegriffen hat.

 

Das eine ohne das andere ist aus heutiger Sicht undenkbar. Und Forester nahm seine Chance wahr................er schrieb mit an dem Drehbuch zu " Hornblower" und weill der Film so ein Erfolg wurde............hat er seine möglicherweise auch vorher schon geschriebenen Hornblower Geschichten seinem Manager übergeben und selbst stramm weitergeschrieben.

 

Von daher ordne ich ihn als Abenteuerschriftsteller ein.............das soll und wird ihn nicht abwerten.............aber bitteschön, lassen wir mal die Kirche im Dorf, grosse Literatur ist etwas anderes. Hat sich eigentlich jemand Gedanken gemacht, was Forester ausser Hornblower und African Queen sonst noch geschrieben hat?? Seine sonstigen Veröffentlichungen??

 

 

Forester auf ein Treppchen zu stellen wegen Hornblower, das ist mindestens so einseitig wie Issac Asimov als Schmierfinken zu verteufeln, weill er soetwas wie seine " Lucky Starr" Serie herausbrachte.

 

Wohl verrückt geworden?

 

Ja, Ich gestehe!! Ich mache Unterschiede in meinen Ansichten, was Literatur( grosse ) ist und was lediglich gut geschriebene Unterhaltung ist.

 

Hornblower ist gutgeschriebene Unterhaltung.................nicht mehr.......aber eben auch nicht weniger!

 

Das wertet ihn weder ab, noch beleidigt es sein Ansehen. Leider können wir ihn nicht mehr fragen, wie er sich einordnen würde. Aber ich wage zu behaupten, er würde bestimmt schallend lachen, wenn er die versuche ihn auf einen Platz in der Weltliteratur zu Nageln, jetzt Lesen könnte.

 

Also, bevor sich dieser Thread in ein Diskussions-Verdun verwandelt.....Ich lese Forester gerne und habe auch alle seine Romane........Ich kenne durchaus die Unterschiede zwischen Rowlings ( die ich ebenfalls lese) und ihm und seinem Schreibstil. Ich weiss auch, wieviele Jahre zwischen den beiden liegen. Zu behaupten, das eine oder andere wäre Schrott; Das ist der eigentliche Fehler in der Diskussion hier. Man kann es nämlich nicht wirklich vergleichen.

 

Und nur weill ich beides gerne lese ist es noch lange keine grosse Literatur. Ich lese z.B. auch einen Derek Meister gerne ( Rungholt Serie), sie ist sehr gut recherchiert, ist gut geschrieben und spannend zu lesen.............trotzdem heisst der Mann Derek Meister und nicht Goethe, Schiller oder Shakespeare. Und er ist auch kein Tolstoi.

 

 

mfg,

Farquhar

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Das Thema entwickelt sich ja etwas in Richtung einer allgemeinen Diskussion über das Wesen gewisser Literatursorten - aber sei's drum, warum nicht.

Also ich persönlich finde es immer ganz erheiternd, gewisse Literatur zu Schrott zu erklären! :D Soetwas ist natürlich immer eine ganz subjektive Sache ohne Anspruch auf allgemeine Gültigkeit und vielleicht auch in der provokanten Absicht, Gegenbeweise herauszufordern. ;) Vor dem Phänomen Rowling stehe ich achselzuckend; ich habe Romane probegelesen und mir Filme angesehen, und ich weiß nicht, was die Leute daran anzieht.

Daß letztlich kommerzieller Erfolg nicht in logischem Verhältnis zu einer objektiven literarischen Qualität steht, muß wohl jeder anerkennen. Vielleicht werden Rowlings Bücher zu Standardwerken der phantastischen Literatur kanonisiert, vielleicht wirken sie in ein paar Jahrzenten für spätere Lesergenerationen auch so uninteressant wie Konsalik-Romane, wer weiß.

 

Wie Forester sich wohl selbst sah?

Leider können wir ihn nicht mehr fragen, wie er sich einordnen würde. Aber ich wage zu behaupten, er würde bestimmt schallend lachen, wenn er die versuche ihn auf einen Platz in der Weltliteratur zu Nageln, jetzt Lesen könnte.

Das triffts m.E. sehr gut! Wenn man Foresters Essay "Meine Bücher und Ich" mal gelesen hat, kann man erahnen, welche pragmatische, handwerkliche Sicht er auf seine Geschichten gehabt hat. Sein Ziel war es, gute Unterhaltunsliteratur zu schreiben (und dabei gut zu verdienen). Beides hat er geschafft. Forester hatte stets gute Einfälle und schrieb spannende Geschichten, aber ein Erzähler vom Schlage Stevensons oder Londons (ist ja auch "leichtere Unterhaltungsliteratur, wenn man so will), war er nicht, ganz zu schweigen von größeren literarischen Kalibern. Dennoch haben Foresters Erzählungen das Interesse, das ihnen noch heute entgegengebracht wird, sicherlich voll und ganz verdient. Bei vielen anderen Autoren habe ich den Eindruck, daß sie weit mehr Aufmerksamkeit bekommen, als sie verdienen. (Manche "marinehistorischen Romane" beispielsweise erheben sich nicht über das erzählerische Niveau von Landser-Heften.)

 

Freilich - Angenommen man gibt jemandem Joseph Conrads Novelle "Taifun" zu lesen, und Frank Adams "Segel in Flammen"; und er soll sagen, welches ihm besser gefiele; und er entscheidet sich für "Segel in Flammen" - was kann man dann anderes sagen, als daß Frank Adam der richtige Autor für ihn ist? ;) Schade ist es nur, wenn viele Leute die großen Schriftsteller nur deswegen nicht lesen, weil sie die gar nicht kennen.

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Ich sage nicht, Forester sei ein 'grosser Schriftsteller', wie Shakespeare, Tolstoi oder Goethe, das ist natuerlich voelliger Quatsch. Ich sehe Foresters Beschraenkungen durchaus ein, ich sage nur, dass 1. die Unterhaltungsliteratur (jawohl, nicht 'Trivial-Literatur', das ist bereits negativ) durchaus wertvoll ist, denn wenn man mal ehrlich ist - die 'grossen Meister' sind auf die Dauer eben doch ziemlich anstrengend (was ja gerade auch ihr Pluspunkt ist, sie fordern heraus), und dass 2. Forester ein sehr guter Autor im Genre Unterhaltungsliteratur ist. Wie auch Agatha Christie und Isaac Asimov (die ich beide, wuerde ich sagen, ziemlich gut kenne und sehr gut finde).

 

Ich betone, dass ich ihn nicht zur 'Weltliteratur' zaehle, ich glaube auch nicht, dass er selbst das getan haette. Aber ich zaehle ihn zu den fuehrenden Autoren der Gattung Seefahrerromane.

 

Immerhin bin ich ja froh, dass man wenigstens meiner Rowling-Kritik weitestgehend zustimmt. Ich finde aber, man kann Rowling und Forester sehr wohl vergleichen; zwar nicht absolut, aber relativ zu guten Autoren jeweils derselben Gattung: und da steht eben Forester (gut, meiner Meinung nach, wenn ihr drauf besteht) an der Spitze, waehrend Rowling mit dem Teleskop gesucht werden muss.

 

Wenn Forester tatsaechlich an Verfilmungen mitgewirkt hat, dann ist er natuerlich selber schuld; ich wuerde als Autor nie zulassen, dass Hollywood meine Werke verfilmt. Kommt meistens eh nur Schrott raus. Die Hornblower-Filme habe ich nicht gesehen, wie ich schon mal geschrieben habe, aber nach den reviews, die ich las, sind sie definitiv nicht ueberzeugend.

 

 

Saludos, The Raven

 

PS: Sorry Farquhar, falls ich zu heftig wurde, aber es bringt mich immer auf die Palme, wenn Unterhaltungsliteratur zu 'niederer Literatur' verurteilt wird - als sei nicht 99 Prozent der Literatur dieser Erde Unterhaltungsliteratur. Millionen Buecher sicherlich, und der Grossteil der Menschen liest fast nur diese (wenn sie nicht sowieso nur fernsehen). Da kommt es schon drauf an, WIE diese Buecher geschrieben sind. Und dann kann man auch wieder sagen - Forester, Christie, Asimov gut, Rowling miserabel schlecht.

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Mir ist jetzt noch ein Beispiel für Foresters unpedantischem Umgang mit historischen Fakten aufgefallen. :blink: Bekanntlich beginnt ja die erste Geschichte, die bonapartistische Intrige zur Befreiung Napoleums, etwa im Mai oder Juni 1821, denn im Mai starb der Exkaiser ja. Die übernächste Geschichte handelt vom Textilfabrikanten Ramsbottom und seiner Unterstützung Simon Bolivars in der Schlacht von Carabobo. Die fand dummerweise im Juni 1821 statt, da hätte sich Hornblower wohl nicht gleichzeitig um Boney und die Schlacht kümmern können. Daher hat er die Schlacht einfach um ein Jahr nach hinten verlegt - das von Ramsbottom gefälschte Dokument trägt das Datum 1. Juni 1822. ;) Zudem frage ich mich, ob Ramsbottom nach der Schlacht tatsächlich so bald an der Küste aufgetaucht wäre - der Schlachtort ist doch ein ziemliches Stück weit von Porto Cabello entfernt, wo Hornblower landete.

http://maps.google.de/maps?f=q&source=...ie=UTF8&z=9

Hier übrigens eine animierte Darstellung der Schlacht.

http://www.prodi.com.ve/home/presentacion1.htm#

Edited by McCool

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In dem Zusammenhang las ich heute einen Beitrag über François Antoine Lallemand. Das ist wohl einer der Köpfer der weiter oben genannten Aktivitäten in der Nähe von Mexiko.

 

 

Edited by Threepwood
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