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Farquhar

Auf und ab der Serie

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Wie schon öfter angemerkt, ein grosser Fan der Serie war ich bisher nicht. Aber, immerhin bis zum "Gelben Admiral" hab ich mich durchgelesen und muss meine Meinung doch erheblich Revidieren.

 

O`Brian hat mit der Romanserie etwas geschaffen, das für mich eine sehr gelungene Verbindung zwischen meinem Lieblingsgenre, den Maritimen Romanen und der Darstellung des Gesellschaftlichen Lebens im England der Koalitions/Napoleonischen Kriege knüpft.

Wer, natürlich nur wer wirklich Interesse an der Zeit hat, wird die Akteure der Romanserie in sehr wichtige Vorkommnisse der Geschichte verwoben finden.

 

Allerdings muss ich anmerken, die unfähigkeit Aubreys, sich in Geldgeschäften zurechtzufinden hat mich etwas pikiert. Nochmehr die Wendungen in den Vermögensverhältnissen des Stephen Maturin.

Das sein Vermögen in Spanien Beschlagnahmt wurde und die gleichzeitige Pleite des Jack A. ist schon im "Gelben Admiral" eine Tatsache, die ich bei der Weitsicht eines S.Maturin nicht erwartet hätte. Es liesst sich ziemlich ermüdent. Allerdings was mich sehr viel mehr gestört hat, die Darstellung seiner Tochter Brigid als Autistin und die "Wundersame " Heilung. Ich weiss nicht, ob Patrick O`Brian in der Romanserie etwas privates verarbeiten wollte. Sicher ist wohl dabei auf jeden Fall........mit Autismus hat das, was sein Töchterchen Brigid da hat, wenig zu tun. Es Entzieht sich meiner Kenntniss, ob Autismus als Krankheitsbild bereits in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts in der Form bekannt war. Die Fortschritte der kleinen jedenfalls lassen darauf schliessen, das es weniger Autismus sondern eher eine Traumatisierung war, die zu diesem Bild geführt hat. Ich glaube.......obwohl das nun nicht mehr zu ändern ist, das war eine der schlechteren Ideen von P.O`Brian . Was meint ihr dazu??

Edited by Farquhar

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Um es gleich voraus zu schicken. Ich liebe Patrick O'Brians Master and Commander-Reihe. Wie der Zufall es will, bin ich gestern mit einem erneuten Lesen der kompletten Serie fertig geworden und heute früh haben sich Jack und Stephen schon wieder in Mahon kennen gelernt.

 

Trotzdem teile ich durchaus die Meinung, dass die Qualität der einzelnen Bücher durchaus unterschiedlich ist, wobei ich die Schwachstellen mehr im vorderen Drittel der Reihe (außer Band 1) sehe. Jacks Unfähigkeit, mit dem Leben an Land und speziell mit seinen Finanzen klar zu kommen, zieht sich ja wie ein roter Faden durch die Reihe und ist wohl auch exemplarisch für die Probleme von Seeoffizieren zur damaligen Zeit, die halt auf See gross wurden.

 

Die Probleme mit Brigid sollen meiner Meinung nach lediglich etwas mehr Dramatik in die nichtmaritime Rahmenhandlung bringen. Möglicherweise hat das aber auch etwas mit zielgruppenorientierter (Frauen Schreibweise zu tun, obwohl ich es mir fast nicht vorstellen kann.

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Die anscheinend auch emotional instabile Bridgid war bestimmt nur traumatisiert. Ist das ein Wunder bei der Mutter? Ich kenne die Reihe nur in Form von 5 oder 6 Stichproben; jedoch hatte ich beim letzten Roman, wie hier andernorts schon erwähnt, in gewisser Weise einen Tiefpunkt gesehen. No2 zwei in der Chronologie hat mir sehr gut gefallen, obgleich er Jane-Austen-artig auch viel an Land und im miefigen Bürgermilieu spielt.

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Und ich mag nun gerade Band 2 nicht so sehr...

 

Davon abgesehen würde ich Dir raten, Dich einmal über Stichproben hinaus mit der Reihe zu beschäftigen. Es lohnt sich meiner Meinung nach wirklich.

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Ich bin auch kein allzu großer Fan von Band 2, finde aber, daß er das Universum um Aubrey und Maturin erst richtig "rund" macht, da hier der Grundstein für die privaten Freuden und Nöte gelegt wird, ohne die diese beiden Figuren nicht so vielseitig und auch geerdet wären. Gerade daß in der Reihe so unendlich viele Aspekte des Lebens gestreift und gelegentlich vertieft werden, macht die Reihe m. E. erst so begnadet.

 

Und außerdem möchte ich um nichts in der Welt die Bekanntschaft mit Jacks Schwiegerteufel missen. Hemmungslos überzeichnet, aber ebenso hinreißend wie Jane Austens Pfarrer Collins aus "Stolz und Vorurteil".

Edited by Ulli

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O´Brians Fähigkeit, Typen wie z.B. auch Mrs. Williams zu gestalten, macht die Reihe erst wirklich lebendig.

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Da ich mal wieder im 2. Band unterwegs bin, ist mir Mrs. Williams mit ihren drei Töchtern und der Nichte sehr präsent. Alte Schnepfe. :P

Selbst die Beschreibung der drei völlig unterschiedlichen Töchter von ihr sind wunderbar gelungen. Oder die Beschreibung des ersten Aufeinandertreffens von Diana mit Jack und Stephen. Diana mit ihrer aufrechten Sitzhaltung auf dem Pferd ihrer Cousine Sophia und der tollkühne Sprung über ein Gatter, dass ihr während der gerade stattfindenden Fuchsjagd bei der Verfolgung des Fuchses (Stephen ist sich allerdings sehr sicher, dass es wohl eher eine Fähe sei.) im Wege steht.

Ich liebe es, in die Welt von Jack und Stephen einzutauchen und das mittlerweile seit mehr als 20 Jahren.

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Das war eine phantastische Szene mit Diana im Sprung, das zeigt schon so viel von ihrem Charakter. Der 2. Band ist auch nach wie vor einer meiner Lieblingsromane der Reihe.

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Me, three! Ich finde es interessant, dass gerade Band 2 offenbar ziemlich polarisiert, denn mir hat er auch gut gefallen, auch wieder diesmal. Ich habe eher an Band 1 ein bisschen gekiefelt, wobei es halt wahrscheinlich einfach kein Buch ist, wo man mal nur ein paar Seiten liest am Tag. Ich mag an der Serie aber gerade, dass es eben beides ist, bzw. wie ich sage, historische Romane im Marinemileu, statt Marinehistorische Romane. Und die Hommage an Jane Austen finde ich natürlich sehr schön, ich mag das, wenn man sieht, dass auch AutorInnen nur Menschen und ihrerseits Fans sind. Ich habe mich wie blöd gefreut, als ich gesehen habe, dass Band 4 der wunderbaren Mary Renault gewidmet ist!

Außerdem ist Band 2 ja nicht nur Liebe und Tändelei, da passiert so viel, allein die bärige Flucht und dann die Probleme, es doch noch ungefangen nach England zu schaffen und das zutiefst unglückliche Schiff, die Polychrest, die so schön Jacks Seelenzustand widerspiegelt. Eine Freundin, auch großer Fan der Serie und Anti-Fan von Band 2 meinte, sie irritiert da wahrscheinlich, dass es wohl das Buch ist, wo die Beziehung zwischen Jack und Stephen am angespanntesten ist.

Was Jacks "Landpersönlichkeit" betrifft, so ist es beim Lesen zwar vielleicht manchmal mühsam, aber es macht ihn auch zu einem buchstäblich außergewöhnen Romanhelden, weil er eben alles andere als perfekt ist. Und es zeigt, wie schön sich Jack und Stephen ergänzen, denn der eine hilft dem anderen auf See und der andere an Land. Das kam in Band 3 sehr schön zur Geltung, als zuerst Jack Stephen rettet (gut, das war an Land, aber es war Jacks Kriegerpersönlichkeit, die zur Geltung kam, also lasse ich das gelten) und dann Stephen ihn, über Sir Joseph, indem er ihm die Surprise beschafft. Wobei Jack ja an den monetären Troubles der ersten Bücher eigentlich komplett unschuldig ist, außer dass er den falschen Agenten vertraut hat und den Reichtum am Ende von Band 2, mit dem er ein gemachter Mann wäre, verliert er an juristische Feinheiten.

Wobei Patrick O'Brian für mich allein schon durch seine Sprache und seinen Stil in der Liga ist, wo noch das handlungstechnisch schwächste Buch dennoch sprachlich ein Genuss ist. Und dazu gehören auch Jack und Stephen zu den Figuren, die ich so gern habe, dass ich ihnen praktisch bei jeder Tätigkeit zulesen würde. Es ist auch schön, dass ich durch den Reread jetzt auch wieder in diese Stimmung komme, die zeigt, dass das Bücher sind, die einen ein ganzes Leben lang begleiten können.

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Das ist ein hübsches kleines Manifest! Es zeigt schön die Facetten der Romanreihe. Es scheint mir immer, daß die meisten Leute, die O'Brian nicht mögen, nicht damit zurechtkamen, daß es O'Brian um weit mehr als nur gute Abenteuergeschichten geht, und daß die eher an Hornblower oder Sharpe gewöhnt sind.  O'Brian ist einfach etwas ganz anderes, und auch mehr. Die Handlung ist auch weniger berechenbar. Bei Hornblower richtet sich die Handlung eigentlich immer nach dem unvermeidlichen Gefecht aus. Bei O'Brain erwartet man manchmal eines, und dann fällt es ganz einfach aus. Und dann passiert irgendetwas ganz anderes.

Daß es möglich ist, so mit Jack mitzuleiden, wenn sich an Land benimmt wie ein Fisch auf dem Trockenen, ist eben auch ein Beweis dafür, daß O'Brian es gelingt, lebendige Figuren zu kreieren, an deren Schicksal man Anteil nimmt. Ich hatte schon Romane, da war das ganz anders... Aber das eigentliche Genie O'Brians beseht darin, dieses sowohl adverse als auch komplementäre Duo geschaffen zu haben. Hätten sich Jack und Stephen nicht bei diesem schönen Konzert im Gouveneurspalast in Mahon gegenseitig so sehr ins Herz geschlossen, wäre ihrer beider Leben nicht gut verlaufen. :D Es gehört auch zu dieser Beziehung, daß die Gegensätze nie völlig verschwinden können, es gibt auch nach dem 2. Band, der sicherlich die allerschlimmste Krise ihrer Freundschaft sah,  immer wieder einmal Diskrepanzen und Mißstimmungen. Was aber nach der Überwindung der großen Krise immer spürbar bleibt, ist ein unzerstörbares gegenseitiges Grundvertrauen.

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vor 16 Stunden schrieb McCool:

Daß es möglich ist, so mit Jack mitzuleiden, wenn sich an Land benimmt wie ein Fisch auf dem Trockenen, ist eben auch ein Beweis dafür, daß O'Brian es gelingt, lebendige Figuren zu kreieren, an deren Schicksal man Anteil nimmt.

Nachdem ich bereits einige Bände von Patrick O`Brian gelesen hatte, war ich gespannt, was sich noch an guter marinehistorischer Literatur finden lässt und bin letztlich ziemlich enttäuscht worden etwa von den Abenteuern von Hornblower. Es langweilte mich geradezu, dass Hornblower irgendwie alles zu gelingen schien. Wenn ich da an Jack und Stephen denke, die doch zahlreiche "Tiefschläge" im Laufe der einzelnen Bände einstecken mussten: Armut, drohende Schuldhaft, Gefangenschaft, drohende Haft wegen angeblicher Börsenmanipulation oder auch Folter durch Mitglieder des französichen Geheimdienstes.

Edited by Shrouds

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Vor acht Jahren habe ich geschrieben, dass ich Band 2 nicht sonderlich mag.  Inzwischen habe ich das Hörbuch 3 oder 4mal gehört und freunde mich immer mehr mit diesem Jane Austen-Roman für Männer an. Manchmal dauert es halt seine Zeit, bis man einen wirklich guten Roman ganz erfasst hat.

 

Was Hornblower betrifft, so leben die Romane doch sehr von den Selbstzweifeln Hornblowers, der sich bei vielen seiner Erfolge fast wie ein Hochstabler vorkommt.

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