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McCool

Krieg und Frieden [BBC-TV-Reihe 1972]

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Jetzt haben wir schon den 4. Thread zu "Krieg und Frieden"-Verfilmungen, nach dem zu jener Bondartschuks (Kino), Vidors (Kino) und der neusten, Dornhelm fürs ZDF, also TV. Ein Argument, das ja immer mal wieder auch in der interessanten Diskussion zum Thema auf Napoleon Online erschien, war ja gewissermaßen die "Verhältnismäßigkeit der Mittel", also daß man die russische, amerikanische und Dornhelms neue Verfilmung allein wegen des unterschiedlichen Aufwandes schlecht vergleichen könne. Zweifellos war Bondarschukts Verfilmung geradezu monumental und sicher exzessiv teuer, die ältere amerikanische auch relativ aufwendig.

Worauf aber auch die im Thread über die Dornhelm-Verfilmung verlinkte Analyse von Claus hinweist, ist Dornhelms Verfilmung in vielerlei Hinsicht handwerklich einfach schlecht gemacht. Manches kann wohl nicht nur dem "geringen" Budget sondern auch den Zwängen der internationalen Produktion angelastet werden, manches aber auch nicht. Es mag z.B: ungünstig gewesen sein, daß alles auf Englisch gedreht und dann nachsynchronisiert werden mußte; aber m.E. wurde schlecht synchronisiert.

Wie auch immer, es gibt eine britische Verfilmung fürs Fernsehen von 1972 mit Anthony Hopkins in der Rolle des Pierre Besuchow. Sie hatte eine Gesamtspielzeit von 12 Stunden gegenüber den ca 6 1/2 jener von Dornhelm. imdb. Könnte man diese Verfilmungen nicht ganz gut vergleichen? Leider hatte ich noch nie die Gelegenheit, die britische Verfilmung zu sehen, kennt die jemand? Anthony Hopkins scheint jedenfalls vielversprechend für die Rolle.

Bei imdb hat die Verfilmung exzellente Bewertungen erhalten (8,7/10), was allerdings nicht zwangsläufig viel bedeuten muß, selbst Dornhelms Film hat aus unerfindlichen Gründen schon 6,7/10 - Klick!

Edited by McCool

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selbst Dornhelms Film hat aus unerfindlichen Gründen schon 6,7/10

Vielleicht schauen manche Leute einen Film an, ohne ihn bis ins letzte mit einer Buchvorlage oder historischen Fakten zu vergleichen und ihn daran zu messen, wie akkurat die Umsetzung ist. :lol:

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Dann muss man sich aber auch fragen, welche Motivation hat man um eine eigene Interpration zu verfilmen. Weil man glaubt die Vorlage besser verstanden zu haben?

 

Und Hanc, da muss man das ZDF auch an den eigenen Ansprüchen messen. Wenn jemand behauptet "nach dem Vierteiler bräuchte man das Buch nicht mehr zu lesen", dann finde ich das arg aus dem Fenster gelehnt!

 

Besonders dann, wenn es tatsächlich werktreuere Verfilmungen gibt. Wenn du möchtest, dann leihe ich dir gerne mal die epische russische Verfilmung aus. Aber alles in allem finde ich es natürlich trotzdem gut, dass es wieder einen Versuch gab das Thema unter die Leute zu bekommen. Das ist halt unser "Loudness War" oder der perfekte Kopfhörer. :lol:

 

Aber zurück zu McCools Frage: Nein, ich hab die leider noch nicht gesehen. Aber das würde ich auf jeden Fall gerne nachholen.

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Ach du grüne Schande, es gibt die Reihe tatsächlich auf DVD, soll ganze 70 Euro kosten! . Dafür bekommt man dann nicht 12, sondern wie ich jetzt las sogar fast 15 Stunden Krieg und Frieden. ;) Das wäre doppelt so lang wie die Bondartschuk-Verfilmung.

Hier ist eine interessante Besprechung der BBC-Reihe zu lesen, die Fotos sehen auch ganz vielversprechend aus; der Autor meint, die "Massenszenen" seien für eine TV-Produktion erstaunlich aufwendig.

Bei aller Werktreue ist natürlich nicht zu leugnen, dass diese lange TV-Verfilmung nicht völlig ohne Längen auskommt. Obschon von John Davies durchaus souverän inszeniert und in vielem nur zu loben, stellt sich in den Bildern manchmal schon eine gewisse TV-immanente Statik ein. Dahingegen ist es erstaunlich, wie viel Aufwand die Filmeleute von der BBC eingeräumt bekamen: Viele Kulissenwechsel, erstaunlich aufwändige Schlacht- und Massenszenen und selbst die viel Aufwand erfordernden Szenen mit Napoleons Einmarsch in Moskau, sowie der anschließende Rückzug sind überzeugend in Szene gesetzt. Das alles ist sehr ordentlich, nicht leugnen lässt sich allerdings, dass die künstlerische Kraft, Wucht und Virtuosität der sowjetischen Version von Sergej Bondartschuk nicht erreicht wird, andererseits gleichwohl die Hollywood-Version unendlich weit übertroffen wird.

 

Um auf Threepwoods Argument zurückzukommen: wieso tritt man an, eine Neuverfilmung zu veranstalten, wenn man es nicht besser oder anders machen will - sehr berechtigte Frage. Die Motivation Dornhelms war ja etwas nebulös, irgendwie hat er davon gesprochen, bei der Kriegsthematik irgendwie dann auch an den Irak-Krieg gedracht zu haben.. :lol: Irgendwo las ich, er hätte auch den Roman erstmal lesen müssen, als man ihm die Verfilmung anbot, weiß nicht obs stimmt.. :lol: Interssanterweise hat Dornhelm zumindest in dem ZDF-Interview, das ich las, die britische Verfilmung nicht erwähnt. Vielleicht kannte er nicht, oder hat er den Vergleich von einer TV-Produktion gegenüber der anderen doch gefürchtet? Was hat wohl die BBC-Reihe gekostet? Man behauptete doch, die Dornhelm-Verfilmung sei die teuerste europäische Fernehproduktion aller Zeiten gewesen, oder habe ich das falsch verstanden? Haben es die Briten für weniger Geld besser gemacht? ;)

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Auf Bayern Alpha läuft diese BBC-Produktion derzeit in der englischen Originalfassung als "War and Peace", jeweils zwei Folgen am Sonntagabend. Beginn war am 15.9., gestern gab es bereits Folgen 5+6 von 20.

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