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Threepwood

Konserven

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Wir hatten es im Thread zu Hornblower in Westindien bereits angesprochen, aber jetzt nochmal im richtigen Board:

 

Tatsächlich gehen auch die ersten "Konserven" auf Napoleon zurück. Es war einer seiner ersten Maßnahmen als Konsul: 12.000 Goldfrancs für die Erfindung eines Verfahrens zum Haltbarmachen von Nahrungsmitteln. François Nicolas Appert erhielt 1810 das Geld, denn seine Methode zur Konservierung funktionierte. Allerdings nutzte Appert noch keine Metalldosen, sondern lagerte das Essen in Glasbehältern. Gerade auf Schiffen bot sich das nicht unbedingt an.

 

Auf die Ergebnisse von Appert bezog sich später auch Louis Pasteur. Die Unterschiede ihrer Techniken waren 30 Grad. Pasteur reichten 70 Grad aus um Hefebakterien zu vernichten, während Appert ganze 100 Grad zur Konservierung nutzte.

 

In diesem Zusammenhang ist es vielleicht noch erwähnenswert, dass es später auf vielen Schiffen Vergiftungen gab. Grund war nicht das Essen, sondern die genutzen Bleidosen.

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Leider habe ich über die Royal Navy - Konserven von ca 1812 fast nichts in Erfahrung bringen können. In irgendeinem O'Brian kommen sie auch einmal beiläufig vor, wenn ich mich recht entsinne.

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Die Konservierung von Lebensmitteln war bis ins 15. Jahrhundert sicherlich nicht von zentraler Bedeutung, segelte man doch überwiegend in Küstennähe und konnte deshalb Lebensmittelvorräte und Frischwasser in den Häfen aufnehmen. Auch Mangelkrankheiten wie Skorbut (Vitamin-C Mangel) oder Beriberi (Vitamin-B Mangel) waren die Ausnahme.

 

Dies änderte sich jedoch in Zeiten eines Christoph Columbus oder Vasco da Gamma, denn mit dem Segeln in unerforschte Gewässer war natürlich die Frage offen, wann das nächste Festland erreicht werden konnte. Das Thema eine ausreichende Versorgung der Mannschaft über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten, war folglich von zentraler Bedeutung.

 

Folgende Faktoren kamen erschwerend dazu:

Auf den Schiffen befand sich eine sehr große Anzahl von Seeleuten und die Dauer der Reise war schwer kalkulierbar was die Mengenabschätzung erschwerte. Weiterhin waren die hygienischen Verhältnisse bescheiden, denn in den feuchten und dunklen Lagerräumen herrschten ideale Bedingungen für Ungeziefer und Mikroorganismen. Und auch das Wissen um ausreichende Ernährung und Konservierung von Lebensmitteln war beschränkt.

 

Die Hauptnahrungsmittel waren Schiffzwieback ('panis nauticus') und eingesalzenes, gepökeltes Schweine- und Rinderfleisch sowie getrocknete Hülsenfrüchte, Stockfisch, Butter und Öl. Lagerungsmittel waren in der Regel Holzfässer, die jedoch oft genug kaputt gingen, was Schimmelbefall, Fäulnis oder Parasitenbefall nach sich zog.

 

Trinkwasser über längere Zeit haltbar zu machen war ein noch größeres Problem. In den Holzfässern faulte es sehr schnell. Auch Versuche mit ausgekohlten Fässern oder Chemikalien brachten keinen Durchbruch. Deshalb wurde Regenwasser gesammelt, was aber wenn es über Wochen nicht regnete? Nun, eine Lösung von nachhaltiger Wirkung bestand darin, große Mengen Alkohol mitzuführen, da dieser bekanntlich kaum für Fäulnisbakterien anfällig ist. Aus diesem Grund wurden meist große Mengen an Rum, Wein oder Bier mitgeführt.

 

Die Proviantliste eines Segelschiffs im 17. Jahrhundert stellte sich wie folgt dar (190 Mann, drei Monate Verpflegung): 8500 Pfund gesalzenes Rindfleisch, 300 Pfund gesalzenes Schweinefleisch, 660 Pfund Kablejau, 20.000 Stück Zwieback, 30 Scheffel Hafermehl, 40 Scheffel getrocknete Erbsen, 1 Fass Mehl, 11 kleine Fässer Butter, 500 Hektloliter Bier, 160 Hektoliter Wasser und 2 Fässer Apfelwein.

 

1747 bewies der englische Schiffsarzt James Lind, dass mit Hilfe von frischem Obst die "Pest der Seefahrer", der Skorbut, geheilt werden kann. Auch dass mit Hilfe von Milchsäurebakterien vergorene und damit konservierte Lebensmittel Mangelerkrankungen vorbeugen, wurde zu dieser Zeit entdeckt. So soll die Produktion von Sauerkraut übrigens auch deshalb Frauensache gewesen sein, da Frauen in "bestimmen Umständen" selbst zur Konservierung geeignete Milchsäure produzieren.

 

James Cook beherzigte Linds Ratschläge und führte Neuheiten wie Malzextrakt, Karottenmarmelade und Sauerkraut ein.

 

Die Geschichte der Konservierung ist vor allem mit Otto von Guericke (1602-1686), Dennis Papin (1647-1712) und Nicolas Appert (1752-1841) verbunden. Die beiden Erstgenannten entwickelten den Vakuumverschluss, der verhindert, dass Bakterien in das verschlossene Glas eindringen können. Papin kombinierte dies mit der Erkenntnis, dass vorhandene Bakterien durch starkes Erhitzen abgetötet werden, ihm kann deshalb die Erfindung des Einmachglases zugeschrieben werden, was durch Kaiser Napoleon I. auch finanziell gewürdigt wurde.

 

Wissenschaftlich fundiert hat das dann der französische Chemiker Louis Pasteur (1822-1895), der die Allgegenwart von Bakterien und deren Abtötung durch Erhitzen (Sterilisation) wissenschaftlich beschrieb.

 

Bleibt die Frage, inwiefern auf den Segelschiffen der napoleonischen Zeit bereits Einmachgläser mitgeführt wurden, was ich bisher noch nicht recherchieren konnte.

 

Cisneros

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Ein interssanter Beitrag, Cisneros!

Jedoch, um das "Konservieren" etwas zu präzisieren: Haltbarmachtung von Lebensmitteln war schon sehr wichtig, und nciht allein in der Seefahrt; Vermutlich war das einer der Gründe für die Erfindung der Wurst? Pökeln, Räuchern, Einlegen, und Dörren (Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch) sollten nicht vergessen werden. Und das Haupthandelsgut der Hanse, der Stockfisch, war eben auch ein haltbargemachtes Lebensmittel.

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Zur Zeit lese ich: "Zu Eisbergen und Palmenstränden von Otto von Kotzebue (1787-1846), der von 1815 bis 1818 die zweite russische Weltumsegelung unternahm. Er hatte von der ökonomischen Gesellschaft St. Petersburg konservierte Lebensmittel mitbekommen und sollte diese auf ihre Genießbarkeit hin prüfen. Im Buch findet sich folgende Passage:

Den 29. Mai. Breite 24°28´, Länge 197° 39´. Die ökonomische Gesellschaft in St. Petersburg hatte mir drei kleine Schachteln mitgetrocknetem Fleisch (Fleischzwieback genannt) und eine mit getrocknetem Kohl mitgegeben; diese Erfindung, welche auf dem Lande als nützlich anerkannt war, sollte auch auf der See ihr Glück versuchen, und ich war daher beauftragt, beim ersten durchschreiten des nördlichen Wendekreises eine Schachtel mit Fleisch zu öffnen; die zweite, nebst der Kohlschachtel beim zweiten Durchschnitt des nämlichen Kreises und die dritte nach St. Petersburg zurückzubringen.
Die Haltbarkeit der russischen Konserven war dann wohl doch nicht so toll, es findet sich im Buch folgender Kommentar:
Als wir zum ersten Mal den nördlichen Trop durchschnitten, ward eine Schachtel mit Fleisch geöffnet, und sogleich wegen ihres widrigen Geruchs über Bord geworfen

 

Allerdings hatte Kotzebue auch "englisches Patentfleisch" an Bord, über welches er sich durchweg positiv äusserte:

(...)ließ ich jetzt ein paar blecherne Dosen mit englischem Patentfleisch öffnen, diese enthalten frisches, in Dampf gekochtes Fleisch, und sind mit einer solchen bewundernswerten Sorgfalt zugelötet, dass durchaus keine Luft hineindringen kann und daher das befindliche Fleisch selbst nach Jahren nicht von ganz frischem zu unterscheiden ist. Selbst ein Leckermaul hätte die Schüssel befriedigt, welche jetzt auf der Tafel szand, wie viel mehr uns, die wir solange nur Salzfleisch genossen hatten

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Was ist wohl mit den anderen beiden Dosen des Fleischzwiebacks passiert? 8o

 

Was genau ist denn englisches Patentfleisch? Ich gehe davon aus, dass die Dose unter großer Hitze geschlossen wurde, oder? Ich stelle mir das so vor wie das "Einwecken". Da wird ja auch gekochtes Obst im heißen Zustand in das Glas gefüllt. Das man auf den Schiffen eher Dosen nimmt leuchtet ein, aber das Fleisch muss sicher auch gekocht eingefüllt werden.

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Die erste haben sie, wie zitiert, direktemang über Bord geworfen. Mit dem zweiten "Fleischzwieback" und dem getrocknetem Kohl veruchten sie eine Suppe zu kochen, die aber wohl ziemlich ekelhaft schmeckte.

 

Bzgl. des "Patentfleisches":

?( ?( Wie genau das Fleisch hergestellt wurde weiß ich leider nicht. Ich vermute mal, daß man es erst kochte und dann luftdicht in Dosen verpackte. Ich stelle mir das ganze so ähnlich wie unser heutuges "Corned Beef" vor. Vielleicht ist Corned Beef ja der direkte Nachfahre des Patentfleisch!

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Sehr Interessanter Beitrag Mr. Edwards.

Ab wann wurde eigentlich das Schwefeln als Antioxidationsmittel und Konservierungsmittel eingesetzt. Ich kam gerade darauf weill in dem Thread :"Feinde der Seefahrer" das Sauerkraut angesprochen wurde.

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Gerade eben lief auf BR alpha aus der Reihe "Rückblende":

1810 ¿ Nicolas Appert erfindet die Konserve.

Eine recht interessante Darstellung, bei der ich auch einen Hinweis erhielt, daß schon ab 1830 in Seesen von der Firma Züchner Konservendosen hergestellt wurden.

Die schöne Seite der Seesener Sehusa-Schule gibts

hier , die Handfertigung von Dosen ist dort auch zu sehen .

Seitenübersicht

Die alte Firma Züchner hat in verschiedenen Formen noch bis in die jüngste Zeit existiert, bis sie im Rahmen allgemeiner Globalisierungsmaßnahmen verschwand.

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Ein Interessanter Link zu dem Thema, die Geschichte der Firma Weck die zwar am Ende des 19ten Jahrhunderts gegründet wurde aber einen hübschen Rückblick auf die Versuche Lebensmittel Haltbar zu machen, gibt

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Ja, sehr interessant. Die Firma Weck ist natürlich auch kompetent, immerhin haben sie das Wort "einwecken" erfunden. ;)

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