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Die Kurhannoversche Armee 1760-1803

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Im welfischen Archiv in Gmunden befindet sich eine Handschrift mit farbigen Uniformdarstellungen der kurhannoverschen (präsziser: Chur-braunschweig-lüneburgischen) Armee. Ein Teil dieser Darstellungen entstand um 1760, der andere in den 1780ern. Diese Darstellungen wurden in zwei Bänden veröffentlicht.

 

 

Der erste Band:

 

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Die Chur-braunschweig-lüneburgische Armee im Siebenjährigen Kriege - Das "Gmundener Prachtwerk". Herausgegeben von Joachim Niemeyer und Georg Ortenburg im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. und der KLIO. Verlag Bernh. Vogel, Beckum 1976. 86 Seiten, 47 farbige Abbildungen, einige schwarzweiße.

 

 

Inhalt:

 

Einleitung

I. Die politische Struktur - Hannover in der Mitte des 18. Jahrhunderts

II. Die militärische Struktur

III. Die Armee.

 

Die ersten beiden Kapitel bieten eine knappe, hilfreiche Übersicht über politische Situation zur Zeit des Siebenjährigen und die Beschaffenheit des kurhannoverschen Militärs allgemein.

Der dritte Teil beinhaltet die 47 Uniformtafeln des "Gmundener Prachtwerks", geordnet in Infanterie, Artillerie und Train, Kavallerie und leichte Truppen und Legion Britannique.Die Darstellungen selbst sind künstlerisch sehr gefällig und sorgfältig ausgeführt. Sie sind, mit Ausnahme einiger etwas späterer Blätter zu Dragonern und Milizen, etwa 1761 entstanden.

Bei der Infanterie werden jeweils drei Regimenter auf einer Doppelseite vorgestellt. Dabei werden nicht nur die historischen Abbildungen präsentiert, sondern die Herausgeber geben das knapp das Datum der Errichtung, die Regimentschefs seitdem sowie die Garnisonen und die Teilnahme an Schlachten an. Besonders wertvoll ist es, daß auch Darstellungen der Fahnen, soweit ermittelbar, abgebildet werden - dies zwar nur schwarzweiß, aber mit Anmerkungen zu den Farben. Bei der Infanterie ist jedes Regiment ist durch eine Figur dargestellt, und zwar durchweg Musketiere, mit Ausnahme der Garde, bei welcher zusätzlich auch ein Grenadier gezeigt wird, sowie ein Grenadier der leichten Truppen. Das ist natürlich etwas bedauerlich, denn Grenadiermützen sind natürlich spaktakulärer und von Regiment zu Regiment indvidueller gestaltet als die überall gleichen Hüte (mit Ausnahme der Puscheln vielleicht). Die Figuren sind alle in der gleichen Haltung und mit Ausrüstung gezeigt.

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Bei der Kavallerie sind die Reuter-Regimenter durch jeweils eine Abbildung repräsentiert, die Dragoner-Regimenter durch zwei, wovon eine die Grenadiere zeigt. Die Soldaten sind zu Pferde gezeigt, inclusive der Ausrüstung und der aufwendig verzierten Schabracken.

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Die Kavalleriedarstellungen sind dadurch besonders prächtig. Bei den irregulären Truppen gibt es Anmerkungen zu Geschichte und Verbleib.

(Die hier wiedergegebenen Abbildungen geben nur einen sehr ungefähren Eindruck; eine bessere Vorstellung von der Qualität der Abbildungen gibt der Scan hier, obwohl er zu dunkel und stark gelbstichig geraten ist).

 

 

 

Der zweite Band:

 

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Die Hannoversche Armee 1780-1803 - Das "Gmundener Prachtwerk" Teil II. Herausgegeben von Joachim Niemeyer und Georg Ortenburg im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. und der KLIO. Verlag Bernh. Vogel, Beckum 1981. 93 Seiten, 28 farbige Abbildungen und etliche schwarzweiße.

 

Inhalt:

 

Vorwort

I. Staat und Armee

II. Das "Gmundener Prachtwerk" - Teil II

III. Die technischen Truppen der hannoverschen Armee.

 

Im Betrachtungszeitraum dieses Bandes liegen die Einsätze hannoverscher Truppen in Minorca und Gibraltar während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, in Indien, im Feldzug in Flandern 1794 und die Kapitulation von 1803.

Der erste Abschnitt enthält u.a. die Rangliste der hannoverschen Armee von 1803. Im 2. Auszüge aus dem Haushaltsreglement zur Uniformierung, eine tabellarische Uniformenbeschreibung aus dem Staatskalender 1781 und eine nicht in Kraft getretene Vorschrift von 1796 zur Einführung blauer Uniformen. Diese Anreicherung durch Quellen, einige Gemäldeabbildungen und eine kleine Anzahl von Relikten (z.B. Grenadiermützenbleche und eine Trommel) rundet das Gesamtbild der Armee sehr gut ab; viele Überreste aus der Zeit der kurfürslichen Armee sind allerdings nicht überliefert, abgesehen von den Grenadiermützenblechen scheinen keine Uniformteile mehr zu existieren.

Der Teil mit den Abbildungen ist bezüglich der Anmerkungen der Herausgeber zu den einzelnen Regimentern in etwa so beschaffen wie beim 1. Band beschrieben. Die 19 Blätter mit Uniformabbildungen stammen etwa aus dem Zeitraum 1781-1791; sofern ich das nicht überlesen habe, werden sie von den Herausgebern nicht genauer datiert. Da die Infanterie vor 1787 noch paillefarbene Unterkleider hatten, danach aber weiße und die Uniformdarstellungen letzere zeigen, sind die Abbildungen wohl nach 1787 entstanden. Im Vergleich zum vorangehenden Band zeigen die vorliegenden Blätter die Armee nach einer grundlegenden Reduktion, was die geringere Anzahl der Abbildungen erklärt. Als Besonderheit sind dem Band noch 9 Abbildungen der Ponton-Traintruppen von 1778 beigefügt, die nicht Bestandteil des "Prachtwerks" sind, sowie als Schriftquelle das entsprechende Reglement für diesen Truppenteil.

Die jüngere Serie des "Prachtwerks" ist vielleicht nicht ganz so hübsch wie die ältere, im Vergleich mit anderen Werken aber sicher qualitätiv hochwertiger. Ich denke da an J.G.F. Ronnenbergs 1791 erschienene "Abbildung der Chur-Hannoverschen Armee-Uniformen", welche die Uniformen weit weniger genau zeigt; allerdings hat dieses Werk den Vorzug, neben jeweils einem Mann auch einen Offizier darzustellen, zudem sind die historischen Notizen zur Organisation der

Regimenter wertvoll.

 

 

Anmerkung zur Verfügbarkeit der Bände: Der erste Band kostete 1976 den stolzen Preis von 78 DM und wird antiquarisch nicht gerade in großen Mengen und dann meist zu enormen Preisen (z.B. 80-130 Euro) angeboten.

Der zweite Band ist neuwertig beim "Preußischen Bücherkabinett" für 14,80 erhältlich.

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