Jump to content
Sign in to follow this  
McCool

Ein General

Recommended Posts

Nach sehr langer Zeit lese ich gerade wieder Foresters "General" (rororo, 1956). Mit einem kurzen Präludium im Burenkrieg spielt die Erzählung hauptsächlich im 1. Weltkrieg und ist eine ziemlich sarkastische Charakterisierung des britischen Offiziers.

Der Protagonist, Herbert Curzon, Offizier in einem Ulanenregiment mittleren Ansehens, aber Gottlob immerhin kein Infanterist oder Schlimmeres, ist von bescheidener Herkunft, ohne einflußreiche Freunde, geistig beschränkt, aber diensteifrig. Erstmals macht er im Burenkrieg von sich reden, nachdem er mehr aus Versehen ein Gefecht entscheidet. 1914 ist er als Kommandeur seiner Lancers in Frankreich und kann dort aufgrund der häßlichen Methoden des sich entwickelnden industiellen Krieges durchaus keine schönen Attacken reiten. Trotz allen bewährt sich Curzon wiederum auf seine Weise: nicht durch taktisches Geschick, sondern durch Fleiß und Disziplin. Eine Granate sorgt dafür, daß Curzons Vorgesetzter aus dem Weg geräumt wird, und er übernimmt das Kommando über eine Brigade. Zurück in England gerät er durch zufällige Fügungen binnen kurzem an das Kommando über eine neuaufgestellte Division und an eine unhübsche, schon fast altjüngferliche Herzogstochter (ihre Gesichtszüge erinnern ihn bei der ersten Begegnung an die eines guten Polopferdes, das er einst bessessen hatte, und sie ist bereits 32!). Mit der Heirat dieser Emily zieht sein ebenso rasanter wie an sich unbegründeter militärischer Aufstieg den gesellschaftlichen nach sich. Unterdessen will Curzon sich unbedingt mit seiner Division in Frankreich bewähren und brennt darauf, seinen Teil zur "Enscheidungsschlacht" beizutragen...

Es würde mich sehr interessieren, wie die Erzählung bei Erscheinen 1936 aufgenommen wurde. Immerhin lagen die geschilderten Ereignisse noch nicht sehr lange zurück, und viele Leute hätten sich wohl auf den Schlips getreten fühlen können. Aber das die Briten ja jedenfalls Anlaß zur Klage über die Qualität ihrer Generäle hatten, war Foresters Geschichte vielleicht publizistisch auch kein Einzelfall.

Ist der "General" auch etwas für "Hornblower"-Leser? Vielleicht ja, vielleicht nein; hervorragend geschrieben ist diese Erzählung jedenfalls.. :P Ein grundsätzlicher Unterschied besteht natürlich darin, daß der "General" etwas ganz anderes ist als eine bloße Abenteuergeschichte. Diese Erzählung ist eine Analyse und Kritik "des" Offiziers, bzw. eines bestimten Offizierstypus, wobei Forester auch auf die Vorgänge in der militärischen Verwaltungsstruktur und die Adelsgesellschaft blickt. Abgesehen von den möglichen Präferenzen eines Lesers ist der "General" als literarisches Werk und vom Gehalt her vermutlich weit bedeutsamer als andere Geschichten Foresters.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Sieh da, das Buch würde ich mir äusserst gerne zulegen. Sicher ist das auch etwas für Hornblower-Leser, jedenfalls für solche, die in Hornblower auch schon Anlagen zu mehr sahen als nur eine spannende Erzählung.

 

 

 

Quoth the Raven

Share this post


Link to post
Share on other sites

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!

Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.

Sign In Now
Sign in to follow this  

×