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McCool

Israel/Gebauer: "Segelkriegsschiffe" + "Kriegsschiffe im 19. Jhdt." + "Panzerschiffe um 1900"

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Ulrich Israel, Jürgen Gebauer: Segelkriegsschiffe Gondrom, 2. Auflage 1988. 124 Seiten, zahlreiche Abbildungen.

Dieselben Autoren:

Kriegsschiffe im 19. Jahrhundert. Gondrom, 1. Auflage 1989. 96 Seiten, zahlreiche Abbildungen.

 

Diese beiden Bändchen erschienen in dem 1980er Jahren im Militärverlage der DDR und dann offenbar mehrfach aufgelegt und leicht verändert auch in Westdeutschland. Möglicherweise erschien der zweite Band auch unter dem Titel "Kriegsschiffe unter Segel und Dampf", worauf dieses Antiquariatsangebot hindeutet: http://www.buchfreund.de/productListing.ph...ductId=40686995

Unter demselben Titel wird nun wohl jedoch auch ein Band der Autoren von 201 Seiten verkauft, vielleicht also eine Zusammenfassung beider alten Bände ist (Brandenburgisches Verlagshaus 2007).

http://www.libri.de/shop/action/productDet...uktbeschreibung

 

Die folgenden Anmerkungen beziehen sich auf die oben zuerst genannten Bände. "Segelkriegsschiffe" versucht, ein umfassendes Bild von der Entwickelung der Segelkriegsschiffe seit etwa der Schlacht gegen die spanische Armada 1588 zu geben.

Leider wird der Text insgesamt etwas konfus und wurde offenbar aus oft veralteten oder dubiosen Quellen zusammengestoppelt. Daten zu Schiffen oder Kosten sind praktisch grundsätzlich wertlos, da z.B. moderne Verdränungsäquivalente angegeben werden oder Preise in moderne Währungen umgerechnet sind. Wozu ist die Angabe brauchbar, daß der Aufbau der "Schlachtflotte" unter Cromwell umgerechnet 28 Millionen Mark "verschlungen" habe? Ost- oder Westmark? Das Kapitel über die "Besatzungen und ihre Lebensbedingungen" ist nicht mehr als eine Anhäufung gruseliger Klischees - wie man in den kruden alten Zeiten vorm Sieg des Sozialismus halt so vor sich hinvegetierte. Denn es schimmert hier und da zu allem Überfluß auch noch die sozialistische Weltsicht duch, was sich in einer gelegentlichen Verseuchung mit entsprechenden hohlen Phrasen bemerkbar macht: "Das Offizierskorps rekrutierte sich in den feudalabsolutistischen Staaten zumeist aus Adligen verschiedener Reichtumsschichten...", "die englische Burgeoisie unter Cromwell", "stürmische Entwicklung der Produktivkräfte", "Manufakturkapitalismus". Brav erscheint denn auch im Literaturverzeichnis an erster Stelle Engels, auch Marx darf nicht fehlen. Die gelegentlich auftauchenden sozialistichen Phrasen machen den Band allerdings nicht wesentlich schlechter, als er ohnehin wäre. Während Entstehungszeit und -ort einerseits diese ideologischen Altlasten geschuldet sind, hat ebendies aber den positiveren Aspekt, daß auch die russische Marine in der Darstellung berücksichtigt wird.

Ein Großteil der Abbildungen stammt aus Werken des 19. Jahrhunderts - viele sind durchaus interessant, aber einige sind auch total wertlos: Nämlich all jene, die aus der Sicht des 19. Jahrhunderts Schiffe zurückliegender Zeiten darstellen. Einige Darstellungen sind von den Autoren falsch beschriftet, in einer Darstellung übersehen die Autoren, daß es sich bei dem vermeintlich typischen Vertreter der letzten Generation der Segelkriegsschiffe schon um ein Schraubenlinienschiff handelt, bei einer Abbildung wird grundlos behauptet, dies sei die letzte Kriegsbrigg der Royal Navy, in einem Fall wurde die Takelagendarstellung einer Schraubenfregatte von ca 1870 durch Wegretuschieren des Schornsteins zur Segelfregatte umfrisiert, usf. Etliche Darstellungen hätten eigentlich eher in den Band "Kriegsschiffe im 19. Jahrhundert" gehört. Trotz allem enthält der Band etliche brauchbare Abbildungen.

Der Band "Kriegsschiffe im 19. Jahrhundert" erscheint zuverlässiger und kompetenter als der zeitlich vorangehende. Der betrachtete Zeitraum ist relativ kurz, und hier gelingt es m.E. recht gut, dem Leser die wichtigsten Stichworte der Kriegsschiffsentwicklung des Dampfzeitalters bis etwa 1900 zu vermitteln. Die Autoren sind hier deutlich mehr in ihrem Element, was z.B. beim Abschnitt über die Entwickelung der Schiffsartillerie deutlich wird. Die Abbildungen sind aus zeitgenössischen künstlerischen und technischen Darstellungen ssowie Fotographien ausgewählt und zumeist interessant.

 

Von diesen beiden alten Bänden ist der erste eigentlich nur wegen der Abbildungen eingeschränkt zu empfehlen. Der zweite ist m.E. brauchbar. Ob die Texte im Einzelband "Kriegsschiffe unter Segel und Dampf" (2007) grundsätzlich neu sind oder wenigstens von sachlichen Fehlern befreit und einigermaßen auf den Stand der Forschung gebracht wurden, ist mir unbekannt. Vielleicht kennt den Band jemand und kann Auskunft geben?

Edited by McCool

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Absolute Kaufempfehlung! Die Bücher habe ich für 3,01 Euro pro Stück bei Amazon gebraucht gekauft.

Beide haben sehr schöne Bilder/Fotos/Zeichnungen.

Kriegsschiffe im 19. Jahrhundert. beschäftigt sich hauptsächlich mit der Übergangsphase Segelschiff-Dreadnought. Leider gibt es Über die Zeit viel zu wenig! Auf deutsch ist mir gar kein anderes Werk bekannt. (we welche kennt bitte Posten!!!)

 

Gruß Olli

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Speziell Ulrich Israel war eine Art Sachbuch-Allzweckwaffe im Militärverlag der DDR. Wie es scheint, hat er aber den Sprung in die neue Zeit recht gut gemeistert und ist weiter im Geschäft.

 

Wenn ein Historiker zu DDR-Zeiten ein Sachbuch veröffentlichen wollte, konnte er das nur tun, wenn er das Werk mit einer Art ideologischem Feigenblatt versah. Eine reine Konzentration auf historische Fakten und technische Details war einfach undenkbar. Für den Militärverlag galt das in ganz besonderem Maße, denn der war Teil der Nationalen Volksarmee. In der Nähe des Verlages habe ich seinerzeit meine Berufsausbildung zu großen Teilen absolviert und man sah dort männliche Mitarbeiter eigentlich nur in Uniform aus- und eingehen.

 

Aber die Ideologie war nicht die einzige Hürde, die es zu meistern galt. Viel schwieriger war es mit dem Zugang zu Originalquellen. Archive im feindlichen Ausland zu nutzen, verbot sich schon aus Kostengründen von selbst. Blieben also nur die eigenen Archive und Quellen im befreundeten Ausland, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass dort Originalquellen meist verschlossen blieben und man sich mit Sekundärliteratur begnügen musste.

 

Unter solchen Umständen war das, was letztendlich veröffentlicht werden konnte, schon alle Ehren wert, auch wenn es nicht unseren heutigen Maßstäben entspricht.

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Kann dir nur beipflichten. Wenn man über das antiimperialistische "Geschwätz" hinwegschaut liest es sich recht gut. ;)

Was interessant und gleichzeitig schade ist - die russischen und chinesischen Bemühungen zu jener Zeit eine moderne Flotte aufzubauen fehlen scheinbar gänzlich. :lol:

Gerade da muss es doch leicht gewesen sein an Material zu kommen. "Sozialistisch" waren die Länder zu der Zeit ja auch noch nicht das das völlig totgeschwiegen werden müsste.

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Gerade da muss es doch leicht gewesen sein an Material zu kommen. "Sozialistisch" waren die Länder zu der Zeit ja auch noch nicht das das völlig totgeschwiegen werden müsste.

 

Hallo Kriegshammer,

 

so paradox es klingt: Informationen aus der ehem. Sowjetunion zu bekommen war in der ehem. DDR erheblich komplizierter, als diese aus dem "Westen" zu erhalten. In der ehem. DDR gab es eine Reihe von Universitätsbibliotheken, die Fachbücher regelmäßig aus dem "Westen" bezogen. Und so sehr der ideologische Unterton zahlreicher Publikationen heute stört, ohne ihn wären viele Bücher und Fachartikel nicht erschienen.

 

Gruß,

Tom

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Ulrich Israel, Jürgen Gebauer: Panzerschiffe um 1900. Brandenburgisches Verlagshaus, 1. Auflage 1991. 144 Seiten, zahlreiche Abbildungen, drunter einige Farbtafeln.

59d78e9f4a8f3_Israel-Gebauermn.thumb.jpg.b2c5d7425220821f04b5d03606a41ed7.jpgKürzlich lief mir noch der dritte Band dieser Reihe zu, bzw. ich erhielt ein Angebot maritime Bücher betreffend, das ich nicht ablehnen konnte, und darunter war dies. 

Grunsätzlich gilt für diesen Band das, was ich oben zum zweiten schrieb - hier sind die Autoren kompetent, und die Abbildungen sind hochinteressant. Allein ihretwegen lohnt sich m.E. dieses Bändchen. Bedauerlicherweise gibt es in diesem Band im Gegensatz zu den Vorgängern keinen  Bildnachweis mehr. Der Band ist der dickste der drei, und daß er sich auf eine kurze Epoche konzentriert, kommt der Qualität zugute, und ist sicherlich auch gerechtfertigt, denn nach stürmischer Entwicklung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatten sich ja nun neue Typen und Standards herausgebildet. Es gibt sicherlich im Text gewisse Überschneidungen mit dem 2. Band, aber soetwas läßt sich ja nicht ganz vermeiden. Bei der Bildauswahl fand ich gerade Bilder von Bau und Reparatur der Schiffe interessant, und auch einiges zum Leben an Bord. Es wurde also hier nicht nur auf heroische Propagandafotos und -Illustrationen der Marinen zurückgegriffen.

Die beiden o.g. Bände erschienen beim westdeutschen Gondrom-Verlag in Lizens des Militärverlags der DDR, und der dritte im Brandenburgischen Verlagshaus - was offenbar der Nachfolger des Militärverlags war. Man veröffentlichte noch in der BRD etliche schöne Bücher, beispielsweise die dreibändige Reihe zum Heerwesen in Altpreußen bis 1806,  zur Uniformierung unter Friedrich Wilhelm III. in den 1790ern, oder ein Band über die Bautzener Handschrift aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges, welche die Uniformen der österreichischen Armee zeigt; freilich gab es auch schräge Dinge wie ein Marine-Enyklopädie, an dem Egon Krenz "mitwirkte", ja, offenbar der Krenz?  Hauptautor war Gebauer, ich hatte dieses Buch einmal in Augenschein genommen und entdeckte etlichen viel Unfug darin. Ein sehr gutes Buch hingegen noch "Preußens Weg zur See" von Horst Auerbach, die Rezi ist irgendwo auf der Hauptseite.  Eigenständige scheint der Verlag nicht mehr zu existieren, das Programm bestand offenbar zuletzt zum großen Teil aus Übersetzungen von Osprey-Bänden - weiß jemand mehr?

Zurück zu den "Panzerschiffen", hier noch das Inhaltsverzeichnis:

  • Panzerschiffe in der Zeit des Navalismus
  • Vom Batterieschiff zum Turmschiff
  • Entwicklungsschritte im Detail
  • Seekriegswaffen und artilleristische Einrichtungen
  • Dienst- und Lebensbedingungen an Bord
  • Auf dem Weg zum Großkampfschiff
  • Seestreitkräfte um 1900
  • Literaturauswahl

Was die Literaturauswahl angeht, in diesem letzten Band übrigens mußte Karl Marx von Bord, aber Engels durfte bleiben, obwohl seine  "Militärischen Schriften! sicherlich nicht allzu viel hergeben für Panzerschiffe um 1900, nicht wahr? 

 

 

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