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McCool

Hornblower and His Majesty

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Nach sehr langer Zeit etwas bisher mir Unbekanntes über den guten alten Hornblower zu lesen, war durchaus spannend. Aber auch ziemlich merkwürdig! In dieser Kurzgeschichte schafft Forester es mal wieder, die Weltgeschichte fast ins Wanken zu versetzen. The World Turned Upside Down?

Nun ja, fast. Die 1940 erschienene Geschichte spielt zeitlich nach den bis dahin erschienenen Romanen, knüpft aber handlungsmäßig nicht daran an. Außer Hornblower tritt keine andere Figur aus den Romanen auf. Was sich Forester hier hat einfallen lassen, ist recht kühn. Der geistig verwirrte König soll 1812 ein paar Tage auf See verbringen, weil einige Ärzte - im krassen Gegensatz zum mitreisenden Dr Manifold - der Auffassung sind, daß dies der Gesundheit des Monarchen förderlich sein könne. George, er hat ja dann im später erschienenen Roman und 1805 spielenden "Hornblower and the Atropos", tritt so auf, wie man ihn sich dank "The Madness of King George" vorstellt. "Chickens and chimes. What? What?" Er ist verwirrt, aber sympathisch und geradezu rührend - und offensichtlich absolut ungeeignet, die Geschicke seines Königreichs zu lenken. In Hornblower rumoren unterdessen trotz aller Sympathie für den kranken König unheimliche Gedanken - er hält sich selbst nämlich für einen Demokraten und einen Radikalen. Die Situation, welche die Weltgeschichte auf den Kopf zu stellen droht, bringt Forester nun zustande, indem er die Eskorte der Yacht im Nebel verorengehen und stattdessen einen schwerbewaffnenten Yankee-Kaper auftauchen läßt. '"Pretty, pretty", said the King, smiling in the sunshine; whether he was alluding to the ordered bustle of setting sail or to the appearance to the pursuing ship was not apparent". Hornblower malt sich aus, wie die Amerikaner den "poor old King" wohl empfangen würden, und dem König fliegen dann tatsächlich bald amerikanische Kugeln um die Ohren. Einen Augenblick lang steigt in Hornblower der Gedanke des Hochverrats auf - wäre es nicht besser, wenn der König gefangengenommen und nach Amerika gebracht würde, um den nach Hornblowers Auffassung offenbar sinnlosen Krieg mit Amerika zu beenden? Hier hat sich Forester in historischer Hinsicht sicher allzu weit aus dem Fenster gelehnt. Das beginnt schon mit der Verfassung des Königs selbst. Die Krankengeschichte Georgs III. ist mir nicht sonderlich bekannt, aber 1811 verfiel er dann ja wohl endgültig dem Wahnsinn, weshalb der Prinzregent die Regrierungsgeschäfte übernahm. Es erscheint nicht sehr wahrscheinlich, daß man den zur angesetzten Zeit der Handlung 74-jährigen, sehr kranken Greis noch mal auf einen Segeltörn geschickt hätte. Forester hatte wahrscheinlich nur sehr nebulöse Vorstellungen von den Krankheitsphasen des Königs. Und vielleicht auch von öffentlichen Folgen eines gefährlichen Seegefechts zwischen einem amerikanischen Freibeuter und einer königlichen Yacht! Foresters Träumerei hat natürlich seine Reize. Was wäre, wenn einer der Mächtigen dieser Welt einmal selbst und direkt mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert würde, wenn er die Gefahren jener teilen müßte, welche normalerweise ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, während der Herrscher sonst in seinem sicheren Palast, fernab vom Geschehen hockt? (Allerdings war der arme närrische König Georg schwerlich für den Krieg von 1812 verantwortlich zu machen, und letztlich scheint er in der Kurzgeschichte auch gar nicht zu begreifen, was geschieht). Nach einer kurzen "Krisis", in der sich die Weltgeschichte hätte ändern können, taucht dann aus dem Nebel endlich wieder die Korvette auf und löst die Situation auf, die Yacht kann fliehen. "They were through the fog bank now and the sun was shining on them again. lighting up the face of the king. Far astern the long roll of artillery had come to an sudden end. Perhaps one ship or the other had hauled down her colours. Perhaps at this moment the boarders were fighting hand to hand on the littered decks." Und vielleicht, denkt Hornblower nochmals, wäre es doch besser gewesen, der König wäre gefangengenommen worden, denn das hätte diesem Krieg ja ein frühes Ende bereiten können. Aber nun ist er dem handgreiflichen Geschehen wieder entzogen, und nichts würde sich ändern. Wahrscheinlich muß man diese etwas phantastische Hornblower-Kurzgeschichte vor dem Hintergrund der sehr bedrohlichen weltpolitischen Situation des Jahres 1940 sehen.

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