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McCool

Der Kapitän aus Connecticut (1941)

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Ist der Held dieses Romans, Josiah Peabody, ein amerikanischer Hornblower? In gewisser Weise vielleicht schon; einige Eigenschaften scheinen den Figuren gemein. Aber der Roman unterscheidet sich eben doch von den Hornblower-Geschichten. Forester hatte sich ja Gedanken darüber gemacht, daß es beim Publikum vielleicht nicht besonders gut ankäme, Hornblower im Krieg von 1812 auf die Amerikaner zu hetzen. Gewöhnlich ist die Darstellung des Gegners in den Hornblower-Romanen nicht besonders ausdifferenziert. Es sind ja meist Franzosen und Spanier, und die Notwendigkeit des Kampfs gegen diese Nationen erscheint als selbstverständlich und gerechte Sache, wobei gelegentliche humanitäre Anwandlungen und Bedenken Hornblowers nichts ändern. Die einzige Auseinandersetzung Hornblowers mit Amerikanern,

die Kurzgeschichte Hornblower and His Majesty, setzt ja ganz befremdliche Akzente, die nicht zum Rest der Geschichten passen wollen - Hornblower empfindet diesen Krieg als sinnlos und wünscht sich fast, der König würde gefangengenommen. Er befindet sich am Rande des Hochverrats. Die Erörterung der Problematik eines zweifelhaften oder sinnlosen Krieges paßte wohl einfach nicht in den Rahmen der Hornblower-Romane. Das könnte einer der Gründe gewesen sein, weshalb Forester später den Neuabdruck der Kurzgeschichten nicht mehr wollte (nach Angaben von Scaryfangirl) und sie damti gewissermaßen "unkanonisch" sind. Ohne Quellenangabe für die Behauptung schreibt der Wikipedia-Artikel über den "Captain from Connecticut": Forester wanted to write a novel where both American and British sailors could be heroic and admirable. Das klingt simpel, aber plausibel, und "Hornblower" konnte anscheinend keinen Rahmen dafür bieten. Interessanterweise war ja übrigens die Kurzgeschichte, in der Hornblower sich fast wünscht, den König in die Hände der Amerikaner fallen zu sehen, ebenfalls 1941 erschienen - das britisch-amerikanische Verhältnis scheint in zu der Zeit einigermaßen beschäftigt zu haben. Könnte aber gerade dieses Forester hier bewegende Thema und sein Verfallsdatum - Beschwörung einer amerikanisch-britischen Freundschaft- dazu beigetragen haben, daß dieser Roman weit weit weniger bekannt ist, als die Hornblower-Reihe? Bisher habe ich den Roman erst angelesen, aber die Plotzusammenfassung hiergibt die Grundzüge ja wieder

. Die erste (einzige?) deutschsprachige Übersetzung erschien offenbar bereits 1943 beim Scherz Verlag in der Schweiz. Ob das dieselbe von Annemarie Horst ist, die der Verlag in den 1960ern auflegte, ist mir nicht bekannt - ebensowenig, ob diese Übersetzung(-en)im Hinblick auf die seemännische Fachterminologie etwas taugt(en). Wenn man die sehr guten Übersetzungen der Hornblower-Reihe von Eugen von Beulwitz gewöhnt ist, ist man ja eigentlich schon verwöhnt - siehe dazu das, was in jüngerer Zeit übersetzerisch an Patrick O'Brian verübt wurde.

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