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McCool

Weichholz-Fregatten der Thames-Klasse (1804)

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Während der Schiffbau-Krise 1804 wurden auf Earl St. Vincents Verlangen neben anderen veralteten Entwürfen auch noch einige 12-Pfünder-Fregatten nach den Rissen der fast 50 Jahre alten Richmond-Klasse des Konstrukteurs Bately gebaut - aber diesmal aus Weichholz. 32-Kanonen-Fregatten mit einer Hauptbewaffnung mit 12-Pfündern befanden sich im Grunde seit Ende des Unabhängigkeitskrieges auf dem Pfad in die Obsoleszenz, nachdem 18-Pfünder-Fregatten (38er, 36er, später auch 32er) in größerer Zahl gebaut worden waren und sich letztlich als neuer Standard für Fregatten durchgesetzt hatten.

 

Die geringen Abmessungen - ein wesentlicher Grund für den Bau der veralteten Entwürfe, kleine Schiffe sind halt billiger - wurden beibehalten, aber es gab natürlich einige äußerlich sichtbare Modifikationen. Richmond besaß noch ein gerades beakhead bulkhead mit roundhouses; dieses nur bei wenigen der sehr frühen Fregatten vorhandene Merkmal wurde natürlich durch den hochgezogenen, ansonsten für "echte" Fregatten von Anfang an typischen Bug ersetzt.

 

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Oben: Modell der Richmond-Klasse, von der 6 Schiffe von 1757-1763 vom Stapel liefen

Unten: Seitenansicht der Thames-Klasse. 1804-1806 wurden sieben Schiffe gebaut (eines vor Baubeginn storniert).

 

Die Thames-Klasse erhielt ein für Weichholz-Rümpfe charakteristisches Plattgat. Weiterhin wurden Back und Achterdeck nun durch feste, beplankte Relings geschützt. Als Hauptbewaffnung wurden 12-Pfünder-Kanonen beibehalten, aber auf Back und Achterdeck wurden ausschließlich 24-Pfünder-Carronaden aufgestellt. Die in frühen Planungsstadien noch vorgesehenen 4x6-Pfünder Kanonen wurden offenbar nicht aufgestellt.

Der Vergleich mit dem Plan der 38-Kanonen-Fregatte der Artois-Klasse von 1794 läßt erkennen, was für ein kleiner, obsoleter Entwurf die Thames-Klasse 1804 war; die Artois-Klasse war auch schon nicht mehr daß Maß der Dinge, denn die aktuellen 38er-Klassen Leda/Lively waren nochmals vergrößert.

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Leider ist es nicht leicht zu ermitteln, wieviel Geld durch ein Weichholz-Schiff gegenüber einem entsprechenden Eichenschiff eingespart werden konnte, denn in Winfields "Warships 1793-1817" fehlen leider doch sehr oft die Angaben der Baukosten.

 

Die Sparsamkeit ging offenbar zu dieser Zeit sehr weit. So berichtet Cochrane, der die Pallas aus dieser Weichholz-Sippe u.a. während eines ansonsten ereignislosen Geleitschutzauftrags über den Atlantik kommandierte, daß "Navy Board or Dockyard Authorities" aus ökonomischen Gründen in der Nähe des Kompasses eiserne statt kupferne Bolzen verwendet worden waren, so daß der Kompaß unzuverlässig war. Cochrane wollte den Kompaß nach der Ankunft in Halifax durch die dortige Werft vom störenden Eisen befreien lassen, aber dort gab man ihm zu verstehen, man müsse dafür erst die Erlaubnis der Admiralität einholen!

Ansonsten läßt sich Cochrane, soweit ich das gesehen habe, über die Pallas gar nicht weiter negativ aus, weder was das Weichholz noch etwa was die Segeleigenschaften angeht - alte Entwürfe scheinen gegenüber zeitgenössischen ansonsten schlecht abgeschnitten zu haben. Charles Napier soll allerdings seine Thames als Shoebox bezeichnet haben, was nicht unbedingt nach Wertschätzung klingt.

 

Die Lebensdauer der Schiffe der Thames-Klasse war gering, was bei Weichholz-Schiffen ohnehin nicht überraschend ist. Pallas ging während des Krieges verloren, die restlichen wurden gegen Ende des Krieges oder kurz danach abgewrackt - auffällig schnell? Das letzte Schiff der Klasse wurde 1818 abgewrackt. Einerseits war ihre Substanz ohnehin nicht auf Langlebigkeit ausgelegt, andererseits bestand aber sicherlich auch kein weiterer Bedarf mehr für diese Schiffe veralteter Bauform und von minderwertiger materieller Beschaffenheit. Auch größere Fregatten oder Briggs aus Weichholz scheinen es kaum mehr als auf knapp zehn Jahre gebracht zu haben, bevor man sie abwrackte, sicher sehr häufig noch auf deutlich weniger.

Der Hauptgrund für den Bau solcher Schiffe war, daß man zum Zeitpunkt des Baus Masse statt Klasse benötigte. Angesichts der Tatsache, daß keines der Schiffe der Thames-Klasse an den Feind fiel, sie andererseits aber für einige Jahre dem Feind Abbruch taten, könnte man vermuten, daß sich die Investition in diese "Wegwerf-Schiffe" letztlich gelohnt hat.

 

 

Lebensdauer in Jahr des Stapellaufs bis Jahr des Verlusts bzw Außerdienststellung/Abwrackens:

 

Pallas 11.1804 - 12.1810 (Verunglückt im Firth of Forth)

Circe 11.1804 - 8.1814 (verkauft)

Thames 10.1805 - 10.1816 (abgewrackt)

Jason 11.1804 - 7.1815 (abgewrackt)

Hebe 12.1804 - 4.1813(verkauft)

Minerva 8.1804 - 1814 (aufgelegt, 1815 abgewrackt)

Alexandria 2.1806 - 1.1817 (Vorratsschiff, 7. 1818 abgewrackt)

Medea storniert

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