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McCool

Alan Lewrie - Reihe von Dewey Lambdin

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Hier im Forum haben wir, wie ich bemerkte, praktisch noch gar nichts zu der Lewrie-Reihe. Hat sie das verdient? Immerhin umfaßt sie mittlerweile 21 Bände, und der Autor ist weiterhin aktiv. Ullstein hat allerdings nur wenige Bände übersetzen lassen, und zwar fünf, die zu den ersten zählten. Dabei haben sie aber auch zwei ausgelassen.

 

Bei H.M.S. LYDIA habe ich mal eine Übersicht der Lewrie-Reihe erstellt.

 

In Rezensionen wird die Reihe gern in jene O'Brians gerückt, das trifft für die Quantität zu, aber ich bezweifle, daß das in qualitativer Hinsicht gerechtfertigt ist. Mein bisheriger Eindruck von "The Gun Ketch" bzw. der Übersetzung "Eine Hand für den König" (ein etwas schwachsinniger Titel, oder? Ist es die rechte oder die linke? Was ist denn mit der anderen Hand? Und was verrichtet die bewußte Hand am oder für den König? ) war zwiespältig. Einerseits finde ich den Zeitrahmen ganz interessant, weil er zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges einsetzt. Andererseits fand ich den Stil allzu häufig übermäßig vulgär, und es geht tendenziell zvielleicht auch etwas zu viel um Geschlechtsakte, was auf die Dauer so unangenehm sein kann wie die übermäßig genaue und häufige Schilderung einer anderen Elementarangelegenheit, wie z.B. Verdauungsprozessen. Aber das sind nur erste Eindrücke. Insgesamt liest es sich nicht schlecht, mal sehen wie es weitergeht. Der Band wurde übrigens von Uwe D. Minge übersetzt - ich kann mich nicht dran erinnern, ob der auch bei der Aubrey-Reihe tätig war, die besonders unangenehmen und inkompetenten Übersetzungen stammen jedenfalls von anderen. Allerdings fand ich auch schon Patzer wie z.B. die Rede vom "besten Anker". Nein, das is nicht die beste Übersetzung für "best bower"... ;)

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Ich stehe dieser Reihe ein wenig zwiespältig gegenüber. Einerseits lesen sich die ersten Bände ziemlich gut, weil der Autor einen recht flapsigen Stil pflegt, der zunächst recht amüsant wirkt und von der sehr guten Übersetzung auch gut ins Deutsche übertragen wird, aber die fachlichen Schwächen bleiben unübersehbar. Irgendwo scheint Lambdin das Prinzip des Royal Navy-Rangsystems überhaupt nicht begriffen zu haben oder er ignoriert es bewusst, um seine amerikanische Leserschaft (er selbst ist auch US-Amerikaner) nicht unnötig zu verwirren. Auf jeden Fall ergibt die Karriere Alan Lewries in den ersten Bänden keinen rechten Sinn und auch bei der Übersetzung lies sich da wenig reparieren.

Für mein Gefühl läuft sich außerdem der flapsige Stil von Band zu Band immer weiter tot und wirkt am Ende nur noch aufgesetzt.

Kurz zum von Dir kritisierten Titel Eine Hand für den König. Es gibt ja im Deutschen unter Seeleuten das geflügelte Wort, eine Hand fürs Schiff und eine Hand für Dich bzw. die englische Entsprechnung one hand for the ship and one hand for you. In der Royal Navy war früher die Ableitung one hand for the king üblich, die auch Alexander Kent öfter verwendet. So gesehen ist das ein durchaus maritim zu nennender Titel, auch wenn er im Bezug auf die Handlung keinen Sinn ergibt.

 

Noch ein Wort zu Uwe D. Minge alias Paul Quincy alias Ole Groothus. Leider ist er im November 2013 verstorben, doch seine Übersetzungen gehören zu den besten, soweit es maritime Literatur betrifft. Da kommt halt der alte Fahrensmann durch, der nicht nur die Sprache beherrscht, sondern auch den Sinn hinter den Worten.

POB hat er allerdings nicht übersetzt, sondern Jutta Wannemacher.

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Tja, das mit der Hand haut einfach nicht hin. Wenn die eine Hand für den König ist, bleibt ja nur die andere sich selbst. Oder für das Schiff.

 

An der Aubrey-Reihe haben insgesamt sogar fünf verschiedene Übersetzer herumgemurkst, abgesehen von Minge, der einzig den letzten, unvollendeten Band übersetzte. Dabei ist sind mir die Bände von Andrea Kann als besonders mißglückt in Erinnerung geblieben. Minge war zwangsäufig als echter Seemann hervorragend fürs Seemännische, aber beim hochgebildeten O'Brian wäre er wohl an anderer Stelle überfordert gewesen, schätze ich; gewissermaßen gut für Jack, aber weniger für Stephen? O'Brian ist aber auch ein extrem harter Brocken für Übersetzer, nur bei der Ullsteinmannschaft hats in vielerlei Hinsicht gehapert. Ein Übersetzer, auf den ich nach wie vor große Stücke halte, war Eugen von Beulwitz, der glücklicherweise alle oder die meisten Hornblower-Romane übersetzte. Ich wage nicht, mir auszumalen, wenn Ullstein...

 

Die Übersetzung des Lewrie-Romans "gun ketch" von Minge finde ich bisher sprachlich sehr gelungen, das ist sehr richtig. Das Flapsig-Vulgäre stammt halt aus der Vorlage, und schon die Schilderung, wie sich die Alacrity zum Schutz vor dem nahenden Sturm ein "Hurricane-Loch" sucht, ist eindeutig Minges (See-)Gebiet.

 

By the way, der oben erwähnte, verkehrt übersetzte "best bower" (bei Minge der "beste Anker") wäre präzise übersetzt der "Taglichtsanker". Konnte Minge ja nicht wissen, gibts halt auf modernen Pötten nicht mehr, dieses schöne, große Sortiment von Ankern für alle Zwecke. ;)

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Wir sind auf einem Schiff des Königs. Also ist die Hand für das Schiff die Hand für das Schiff. ;)

 

Nochmal kurz zu Minge: Den unvollendeten Band hatte ich irgendwie verdrängt, was ich im Hinblick auf POB´s Andenken auch für besser halte.

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