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Line of Battle

Takakjian: The 32-Gun Frigate ESSEX

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Titel: The 32-Gun Frigate ESSEX

Autor: Portia Takakjian

Verlag: 1. Auflage Conway Maritime Press, London 1990

ISBN: 1844860132

Umfang: 127 Seiten, davon etwa 25 Seiten Text und Fotos von Modellen und anderen Objekten. Der Hauptteil besteht aus Planzeichnungen

Die berühmteste der „subscription frigates“ der US Navy war die Essex, zwar nur mit 12-Pfündern bewaffnet, aber immerhin für diese Klasse ein recht groß geratenes Exemplar. Portia Takajian hat sich des Schiffs in dieser schönen „Anatomy“ angenommen und es detailreich rekonstruiert. 2032822472_EssexAnatomysm.jpg.4596776c69141a14a78858c336214377.jpg

 

Die von William Hackett entworfene und von Enos Briggs in Salem, Mass, gebaute Essex war in ihren ersten Jahren zwar ein hervorragender Segler, aber in schiffbaulicher Hinsicht kein großer Wurf wie die Constitution-Klasse, die neue Maßstäbe setzte. Mit seiner Batterie von Zwölfpfündern war die Fregatte schon fast auf dem Weg in die Obsoleszenz, als sie vom Stapel lief. Aber ihre Geschichte, besonders der Schrecken, den sie unter den britischen Walfängern im Pazifik im Krieg von 1812 verbreitete, hat ihr dauerhaften Ruhm verschafft. Takakjian stellt in ihrem Buch allerdings nicht den wohl kaum zu rekonstruierenden Bauzustand von 1812 dar, sondern den ursprünglichen.

 

Aber auch der ist nicht unproblempatisch, denn die Basis für die Rekonstruktion erscheint, verglichen mit anderen US-Marineschiffen, ganz zu schweigen von britischen, eher schwach. Zwar ist ein Entwurf der Essex von William Hacketts erhalten, aber die Zeichnung ist leider, wie Chapelle schreibt, "hurried and very rough" (American Sailing Navy, S. 164).   Hacketts Originalplan, Repro aus "Personnel ans Ships' Data"

 

Takakjian hat, wie sie im Textteil darlegt, auch die leicht zu übersehenden und bei Repros oft nicht zu erkennenden  Bleistiftnotizen und Kalkulationen (s.o.!) Hacketts auf dem Plan ausgewertet. Wie sie anhand von Plan, den Notizen darauf, und zeitgenössischen, vielleicht auch für Hackett erreichbaren Schiffbau-Werken den Entwurf nachvollzieht, erscheint sehr überzeugend. Eine wichtige Quelle waren auch die in den 1970erm von Peabody Essex Museum in Salem, Mass, herausgegebenen „Frigate Essex Papers“, eine Quellensammlung, die der Autorin eine große Fülle von Informationen bot. Der Text, wie fast immer eigentlich viel zu knapp, umfaßt dann noch die üblichen Angaben zu Geschichte, Ausrüstung und Bewaffnung des Schiffs.

 

Im Fototeil gibt es eine Repro des Originalplanes  mit hervorgehobenen Kalkulationsnotizen Hacketts, sowie zeitgenössischen Abbildungen, einige Objekte aus der Zeit der Essex, Porträts von Erbauer und Kapitänen, sowie Fotos verschiedener moderner Modelle der Fregatte (allerdings kein eigenes, obwohl die Autorin auch Modellbauerin war).

 

Eine Augenweide sind Takakjian sauber ausgeführte, detailreiche Zeichnungen;  auch interessante Details wie einen Blitzableiter oder eine transportable Schmiede-Esse findet man hier. Letztere beispielsweise wird auch im Text erwähnt, ist also quellenmäßig belegbar; aber bei vielen anderen Details muß man sich darauf verlassen, daß Takakjian gut recherchiert hat, denn für allzu viele Quellennachweise reichen Raum und Struktur der Reihe nicht aus.  1471439243_EssexHoward1799.jpg.16d9eb12363cd77648cf56a08bbe98fe.jpg

 

Dem Buch sind Takakjians 10 Jahre Recherche über die Essex, anzumerken. Aber die Quellen zum Schiff sind eben nicht optimal, und bei manchem könnte man wohl auch zu anderen Ergebnissen kommen. Ein Beispiel  dafür: Besaß die Essex soetwas wie das Spar Deck der großen US-Fregatten, oder waren Achterdeck und Back durch die traditionelle Form schmaler Gangways verbunden? Takakjian gibt der Essex sehr breite Gangways, die strukturell so massiv ausgeführt sind, wie ein richtiges Deck (inkl. liegender Knie), aber tiefer als Achterdeck und Back liegen. Noch mehr Richtung spar deck geht anscheinend eines der Modelle im Fototeil (Bild 16). Dort bezeichnet Takakjian die Konstruktion auch wirklich als „spar deck“; in ihrer Zeichnung bleibt es aber bei „gangways“.

 

Ob es für Takakjians Auffassung Quellen gibt? Leider stehen mir die Essex Papers nicht zur Verfügung, die vielleicht Aufschluß geben könnten. Ergäbe es aber bei derart schwer ausgeführten Gangways Sinn, dieselben dann nicht gleich noch auf die Höhe von Achderdeck und Back zu bringen und strukturell zu integrieren? Die Reling in der Kuhl in Hacketts Plan scheint aber ein Indiz für die tiefere Lage der Gangways zu sein – natürlich könnte man den Bau auch abweichend ausgeführt haben, zu anderen Veränderungen ist es ja noch gekommen. Chapelle zeichnet die Essex in seiner Rekonstruktion mit den  traditionellen, leichten Gangways, s. „History of American Sailing Ships“(1937), Plate IV. Chapelle merkt dort an: „Extent of gangways in deck arrangement uncertain“. Bei dem starken Umbau der Essex durch Josiah Fox mag das aber alles geändert worden sein.

 

Ungewiß ist auch das Aussehen des Hecks. Das von Takakjians rekonstruierte gleicht jenem britischer Fregatten. Chapelle rekonstruiert es in einer Form, die man in etwa als unten abgeschnittenes Oval umschreiben könnte. In den Zeichnungen und Skizzen Samuel McIntires (dendie  Autorin merkwürdigerwesie "Donald" nennt), der die Schnitzereien für die Essex anfertigte, gibt es Beispiele für beide Formen, wie man in Brewingtons „Shipcarvers of North America“, sehen kann. Immerhin, auf dem frühen, etwas naiven Gemälde der Essex sind sowohl die Galionsfigur als auch die Seitengalerien erkennbar, auch wenn diesese Gemälde der Essex in puncto Eleganz wohl nicht gerecht wird.

 

In Anbetracht solcher Rekonstruktionsprobleme finde ich persönlich es immer etwas merkwürdig, ausgerechnet von solchen Schiffen auch noch Spantmodelle zu bauen - das suggeriert ein Maß an Rekonstruierbarkeit, das eben nicht gegeben ist. Warum greift jemand, der gern ein Spantmodell bauen möchte, dann nicht lieber auf ein Schiff zurückgreifen, für das die Quellen entsprechend detailliert vorliegen?  Ansonsten ist die Essex ja durchaus gut genug dokumentierbar, um ein sehr plausibles beplanktes Rumpfmodell des Urpsrungszustandes zu bauen, auch ein getakeltes.

 

Leider verstarb Portia Takakjian bereits 1992. Ihr Nachlaß in puncto Essex wird in Mystic Seaport aufbewahrt, auf der Site findet man auch eine Biographie.

Portia Takakjians "Anatomy"-Band ist ästhetisch ansprechend durch die sorfältig ausgeführten Plänen, und gekennzeichnet durch umfassende Recherche tiefgehendes Verständnis des Gegenstands. Das war nicht bei allen "Anatomy-Autoren" gegeben.  Ein jedenfalls sehr zu empfehlender, schöner Band über eine schöne Fregatte.

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