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Adam Zamoyski: Napoleon. Ein Leben

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Passend zum 250. Geburtstag Napoleon Bonapartes erschient Adam Zamoyskis neue Napoleon-Biographie im September in deutscher Übersetzung bei C.H. Beck.Eine Leseprobe findet man auf der Verlagsseite. 

Der Originaltitel lautete: Napoleon: The Man Behind the Myth. Auf der Seite des Autoren findet man einen Text zum Buch, sowie ein best-of der englischsprachigen Rezensionen.  Eine Rezension in der NZZ. 

Wenn Gustav Seibt in der SZ meinte, Zamoyski sei "ein blendender Erzähler",  hat er möglicherweise gar nicht vergeblich versucht, ein unzweideutiges Attribut wie "glänzend" oder "brillant" zu finden; die "Blendung" des Lesers in einem Sachbuch ist ja durchaus nicht wünschenswert. Seibts Kritik an Zamoyskis wohl zu unkritischer (effekthaschender?) Quellenauswahl, und die mangelnde Übersicht, die der Leser durch die mosaikhafte Erzählweise über die historischen Abläufe erhält, scheinen bedenkenswert. 

Aber vielleicht unterschätzt Seibt auch Zamoyskis Intentionen? Der Kieler Historiker Manfred Hanisch betrachtet Zamoyskis früheres Werk "1812" als sehr gelungen; möglicherweise hat er in seiner Biographie ähnliche Techniken angewendet, die Seibt so nicht erkannte. Daher gestatte ich mir, aus der  Rezension Hanischs zu "1812" zu zitieren: 

(...) All die Unmengen von zeitgenössischen Quellen gesichtet und in eine große Geschichtserzählung über 1812 gegossen zu haben ist eine gewaltige Leistung. Das Ergebnis ist eine monumentale Geschichtserzählung. Der Vergleich zu Tolstois Krieg und Frieden liegt nahe. Aber anders als bei Tolstoi, für den die Geschichte nur literarische Vorlage für ein Kunstwerk ist, das seinen eigenen Gesetzen folgt, anders als bei didaktischen Geschichtserzählungen, bei denen sich auch Fakten und Fiktion um der besseren Eindringlichkeit willen vermengen, ist dieses Werk weitestgehend aus den Quellen geschöpft, also keine fiktionalen Elemente, kein fiktionaler Dialog, sondern nur - und da ist die Hauptleistung zu sehen: ein geschicktes Arrangement der einzelnen Berichte zu einem großen Ganzen mit einem ungeheuren Detailreichtum in jeder Hinsicht. (....)" 

"(.....) Und wenn die Geschichtswissenschaft aufgrund divergenter Quellen und Lehrmeinungen zu kontroversen Ergebnissen kommt (oder zu gar keinen) wie z. B. zur Frage, warum brannte Moskau eigentlich und wie viele Einwohner befanden sich denn noch im besetzten Moskau, so kommen die unterschiedlichen Auffassungen zu Wort in Form von nacheinander wiedergegebenen Berichten der Zeitgenossen mit unterschiedlichem Inhalt und unterschiedlichen Wertungen. Dabei werden alle Berichte - manchmal mit sehr globalen - Anmerkungen unterfüttert, die sich auf Quellennachweise und auch auf Sekundärliteratur beziehen. Auch wenn Zamoyski nicht den Anspruch hat, alle Fragen, schon gar nicht alle wissenschaftliche Fragen erschöpfend zu beantworten, so hat das Buch es wissenschaftlich in sich, auch wenn es der Leser nicht sofort bemerkt. (....)"

."(...) Jeder, der sich auf dieses spannend geschriebene und hervorragend komponierte Werk einlässt wird es mit Vergnügen und einem Gewinn an historischer Anschaulichkeit lesen. Und wieder einmal geschrieben, wie so manch anderes viel gelesenes historisches Werk - von einem freien Autor. "

Anschauliches, unterhaltsames Schreiben an sich ist im deutschen Wissenschaftsbetrieb wohl traditionell nicht hoch angesehen.  Das könnte dazu beitragen , daß manch einem Zamoyskis Buch etwas verdächtig erscheint.

 

 

 

 

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