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Threepwood

Nock's Volley Gun

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In folgendem Beitrag wurde schon einmal "Nock's Volley Gun" erwähnt.

Das 1789 entwickelte Gewehr mit sieben Läufen (!) wird in diesem Video vorgestellt:

 

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Das Video zeigt auf jeden Fall die technischen Einzelheiten ganz ausgezeichnet, aber die Angaben zur Historie sind nicht ganz richtig. Die Nock Gun ist z.B. schon fast 10 Jahre älter. Auf das Video bin ich gestoßen, als ich versuchte, zuverlässige Angaben zu dem Ding zu finden, und es hat sich erwiesen, daß es das gar nicht so einfach ist - obwohl die Waffe selbst ziemlich bekannt ist und auch gern in irgendwelchen Waffenbüchern abgebildet wird, trotz ihrer Seltenheit. Abgesehen vom Auftauchen in den "Sharpe"-Romanen als Harpers Artillerie wurde die Nock Gun wohl nicht zuletzt durch den Film "The Alamo" bekannt, wo Richard Widmark tatsächlich mit einem Originalstück zu sehen ist.

Genau das Exemplar befindet sich heute in einer Sammlung der NRA, und 2012 hat mal jemand im schmerzhaften Selbstversuch damit geschossen - also durchaus am richtigen Ende der Waffe, aber der Rückstoß von sieben gleichzeitig gezündeten Läufen ist eben brutal. (Ton kann man ruhig wegmachen, ist nur sinnloses Metal-Geschrappe) 

Eigentlich wollte ich ja einen kleinen Aufsatz dazu schreiben, mit allen erreichbaren und hoffentlich korrekten Fakten, und einigen offenen Fragen; wenns soweit ist, also gibts also an dieser Stelle mehr zu Nock's Volley Gun.  Gerade in den letzten Monaten sind etliche weitere Videos dazu bei youtube aufgetaucht, aber so weit ich es sah, werden da im wesentlichen immer dieselben wackligen Vermutungen und Behauptungen - z.B. zur Verwendung -  wiedergekäut, ohne irgendwelche Belege.

Was mich besonders ärgerte, war eine schlechte in Las Vegas spielenden Fakedokusoap, in der man den  Protagonisten eine ziemlich korrodierte Volley Gun in ihre fettigen Pranken gab, zum rumballern - natürlich waren sie zu feige, mit voller Ladung zu schießen.

Edited by McCool
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Einfach herrlich! Das ist Büchsenmacherkunst vom Feinsten.

Und das mit primitivsten Mitteln. Obwohl - so primitiv war das gar nicht. Wenn wir uns z. B. eine Drehbank von damals ansehen und mit einer modernen CNC-Drehmaschine vergleichen, finden wir wesentliche Baugruppen wieder: Bett, Spindelstock, Reitstock, Meißelauflage (heute Support), Lünette usw. Ja, viele technische Mittel von heute sind nichts anderes als Weiterentwicklungen. Sogar im Mittelalter gab es hierzulande schon Wippdrehbänke. 

Entschuldigt bitte, ich schweife ab. Aber da schlägt eben auch ein kleines Maschinenbauerherz in meiner Brust.

 

 

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Heute präsentierte  F.W. noch ein verwandtes spektakuläres Stück: 2 X 7 Läufe! Allerdings mit kleinerem Kaliber und offenbar nicht viel schwerer als Nocks  Thomas_Thornton_Reinagle.jpeg.7195c94c0dd36fd931ddaee28a0fb0c6.jpegSalvengewehr. Es sind nur jeweis 7 Läufe gleichzeitig abzufeuern. Die Waffe wurde für den Sportsman  und Falkner Thomas Thornton (1757-1823) um 1800 in London gefertigt - Details s. Link zum Museum.

Trotz der martialischen Inschrift dieser sehr schön gearbeiteten Waffe, die sich auf ein für den Besitzer der Waffe ärgerliches Ereignis im Jahre 1795 bezog, handelt es sich hier doch offenbar um eine Jagdwaffe.

Das war mir übrigens auch bei den Recherchen zu Nocks bzw. Wilkinsons Salvengewehr schon aufgefallen, daß derartige, nach heutigen Maßstäben sehr unsportliche Waffen zur Jagd - wohl ausschließlich auf Wildgeflügel? - schon vor Nocks Gewehr gebräuchlich waren; d.h. diese haben wahrscheinlich das berühmte Salvengewehr beeinflußt.  Apropos brutale Jagdwaffen siehe auch die Punt Gun, regelrechte Anti-Enten-Artillerie.

Zur dieser Waffe Text (Deutsch) und Bilder auch die Museumssite hier.

 

WITH THIS ALONE I’LL DEFEND ROBRO CAMP 1795  -

PERDITION TO CONSPIRATORS 

Der aus schottischer Familie stammende Thomas Thornton war seit 1794 Lieutenant Colonel der von seinem Vater aufgestellten und finanzierten West York Militia. 1795, und das ist das peinliche Ereignis, kam es in Camp Roborough bei Plymouth zu einer Auseinandersetzung Thorntons mit einigen seiner Offiziere. Es folgte ein Kriegsgericht und Thorntons Abschied von der Armee noch in dem Jahr. Das Ereignis nagte, wie allein die Inschrift seiner Waffe zeigt, an ihm, zudem veröffentlichte er noch ein Pamphlet über den Fall. Die Sache war wohl peinlich genug, daß sie im Dictionary of National Biography verschwiegen wurde - und weil der Wikipedia-Artikel darauf basiert, fehlt das Ereignis dort auch. Gefunden habe ich es auf der Website von Bonhams in der Beschreibung eines Duellpistolen - Paars von 1796 (!) aus dem Besitz Thorntons, das 2011 zur Auktion stand.

Edited by McCool
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vor 1 Stunde schrieb Threepwood:

Puh, so ein Ding die ganze Zeit zu tragen...

Das dürfte dann der Büchsenspanner machen, der Caddy des noblen Waidmannen. ;)

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Gewiss, aber der hatte nur einen Hut = einen Schuß. Die vorgestellte Waffe hatte 14 Schuß - na, wie habe ich die Kurve zurück zum Thema hingekriegt?:D

Bemerkenswert bei der Wumme finde ich auch den Griff unterhalb des Schaftes. Mehrschüssige Waffe, wird mit der linken Faust unten gehalten - irgendwie zukunftsweisend. Auch interessant die Ausführung als Karabiner, also vom Pferd aus abzufeuerndes Gewehr.

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vor 19 Stunden schrieb Carpfanger:

Bemerkenswert bei der Wumme finde ich auch den Griff unterhalb des Schaftes.

Ja, das wirkt sehr innovativ! Aber ich glaube nicht, daß jemand soetwas - bei der Jagd? - vom Pferd aus abfeuern würde. Bemerkenswert ist noch die Lade-Einrichtung, die auch mehrfache Pulverladungen verhindert, ein mögliches Problem, daß auch im Video zur Nock-Gun ansgeprochen wurde. Da war ich echt begeistert, dieses Ladehilfsmittel zu sehen, denn ich hatte mich schon bei der Nock-Gun gedacht, daß die Lösung ziemlich nahe liegt. Denn das ist ja fast so etwas wie ein Speedloader für Revolvertrommeln.  Und ich meine, mich blaß an das Foto einer Pulverflasche mit mehreren Stutzen für Vorderlader-Revolver zu erinnern - da wurden dann alle Kammern gleichzeitig mit der richtigen Pulvermenge gefüllt. 

Edited by McCool

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