Jump to content
Sign in to follow this  
Carpfanger

Im Feldlager der Konföderation

Recommended Posts

Wahrscheinlich, sogar sehr wahrscheinlich, kennen alle hier den Film "Gettysburg".

Wer den Film gesehen hat, dem ist sicher auch noch Lieutenant Colonel Fremantle in Erinnerung, dem britischen Kriegsberichterstatter, der in seiner very britischen Art in seiner roten Uniform Informationen zusammenträgt, um sie in seinem Heimatland präsentieren zu können.

Was viele nicht wissen: Auch von preußischer Seite her gab es solch einen Kriegsberichterstatter: Justus Scheibert. Sein Enkel hat die Aufzeichnungen veröffentlicht; ein Exemplar davon befindet sich in meiner Bibliothek. Keine Sekunde habe ich es bereut, dieses Werk gekauft zu haben. Es ist sehr empfehlenswert.

20200611_221035.thumb.jpg.fdf2fb295e1212866bf8203d6b14416d.jpg

20200611_221050.thumb.jpg.ba113b9edc8854a486c03c966c968e45.jpg

Die Detailtiefe ist überwältigend und für diejenigen, die Dioramen usw. aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs machen möchten, eine sehr gute Vorlage. Es zeigt auch gut die Unterschiede auf zwischen unserer Denkweise und der Denkweise jener Zeit. Vergleiche ich es mit einigen modernen Filmen wird mir vieles klar...

Eine Passage aus dem Buch hat mich besonders angesprochen und für ein Diorama inspiriert. Es ist im Maßstab 1:32 und....aber seht selbst.

20200611_221827.thumb.jpg.067659505ac2157134ad2a636e5a5c05.jpg

20200612_225728.thumb.jpg.fc456e6e9b40337fb41d86276b0cb5bd.jpg

20200612_225743.thumb.jpg.39642f74d669e73fcfab53bc53efd788.jpg

20200612_225807.thumb.jpg.f510d630e4f246bf97d5d3f81a81606c.jpg20200612_225828.thumb.jpg.4e73e04f9200d0cafd8264472a251193.jpg

20200612_225902.thumb.jpg.a7d0f929bee871300d53c908d20b6ae7.jpg

20200612_225950.thumb.jpg.16fd006ac19b7ba4d407cff5e509f38a.jpg20200612_230038.thumb.jpg.ba322bd0187e8fcdf175b1b3e58be09d.jpg20200612_230057.thumb.jpg.036198aa488cadf2bbb5e6b86011e151.jpg20200612_230133.thumb.jpg.ec8dd2c28fefd47b6c9eb0ac36396918.jpg20200612_230202.thumb.jpg.b9c49b352fe2b036790e3fe75857208d.jpg20200612_230439.thumb.jpg.3c87568400bbcec6a7ef1ad338f845aa.jpg20200612_230503.thumb.jpg.1e43b050b099f30a81b27539ad574f4d.jpg20200612_230534.thumb.jpg.a5de588d40d1e42f76894f2a4558b418.jpg

P. S.: Das Geschützrohr habe ich selbst gedreht; es kann wirklich feuern.

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

War nicht die Aussage der Preussichen Beobachter das, der Bürgerkrieg ehr an ne große Kneipenschlägerrei als an Krieg erinnert.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Wörtlich habe ich keinen  Nachweis dafür gefunden, aber sinngemäß scheint die Metapher "Kneipenschlägerei" wohl  zu passen. 

Scheibert übt einige Kritik in seinem Buch. Da ist von "Das Exerzieren im allgemeinen war unbeholfen." oder von "ziemlich ängstlich die Linie haltend" die Rede. Er bemängelt auch die geringe Zahl an Artillerie und den fehlenden Erfindungsgeist und die Tatsache, daß "Bücherwürmer" in kommandierende Positionen berufen wurden anstatt befähigte Offiziere aus der fechtenden Armee. Beim Schanzen müsse man mit dem amerikanischen Soldaten erst diskutieren, warum er jetzt einen Graben ausheben solle während der preußische Soldat tue, wie ihm befohlen. General Lee, ein Bewunderer Friedrich des Großen, wird nach dem Sieg von Chancellorsville zitiert: "Lieber Captain, geben Sie mir noch preußische Form und preußische Disziplin, dann werde ich noch ganz andere Resultate erzielen."

An einigen Stellen lobt Scheibert aber auch Soldaten und Generäle.

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Sehr interessant! Horst Scheibert kenne ich ja, von ihm habe ich auch ein oder zwei Bücher, aber daß sein Ahn Beobachter bei den Konföderierten war, wußte ich noch nicht. Es wundert mich ja nicht, daß Preußen nicht unbedingt irrsinnig beeindruckt waren von dem, was sie sahen. Aber in Nordamerika herrschten eben völlig andere Bedingungen, und nach den nicht sonderlich glorreichen Scharmützeln des Kriegs von 1812 war dann der ausgerechnet der Sezessionskrieg die größte militärische Anstrengung. Technologisch war man auch nicht gerade auf der Höhe der Zeit - obwohl es schon erstaunlich ist, was die Konföderation noch an Waffenproduktion gegenüber dem industriell übermächtigen Norden bewältigen konnte.

An dem Krieg nahmen ja auch einige 48er-Revolutionäre teil, auch nicht uninteressant.

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Ja, die ausgewanderten Revolutionäre bekamen sogar einen eigenen Begriff: Forty-Eighters.

Aber auch andere Gründe kamen zum tragen: Z. B. Heros von Borcke, ein Freund von Justus Scheibert, diente im Stab von J. E. B. Stuart. Er verließ Preußen aus finanzieller Not.

Ein weierer großer Grund war das damalige Erbrecht: Der Erstgeborene Sohn bekam den Hof, die Werkstatt oder den Herrensitz, die später geborenen Kinder mußten mehr oder weniger sehen wo sie blieben. 

Ferdinand von Zeppelin diente als württembergischer Beobachter in der nordamerikanischen Potomac-Armee. Hier sah er zum ersten mal den militärischen Einsatz von Fesselballonen zu Beobachtungszwecken. Diese Erfahrungen inspirierten ihn zur Konstruktion seiner Luftschiffe.

Hach, ich schweife schon wieder ab... zu den Waffen bemerkt Scheibert, daß zu Beginn des Krieges Waffen und Pferde bei den Südstaatlern von zu Hause mitgebracht wurden. Ich kann mir gut vorstellen, daß der Nachschub an Munition bei der Vielzahl der Kaliber ein größeres Problem darstellte. Aber 1863, so schreibt er weiter, hätten sich fast alle mit Beutewaffen ausgerüstet und schossen nun mit den guten Minie-Geschossen. Dieser bunte Mix passt auch irgendwie zu Bonsais "Kneipenschlägerei"...

Share this post


Link to post
Share on other sites

Und ob ich Gettysburg kenne. Gettsysburg und Gods and Generals habe ich immer wieder geschaut. Bin auch ganz scharf auf Ultimate General: Gettysburg. Ja, der britische Soldat ist mir aufgefallen. Sehr interessant. Das Dioroma sieht auch gut aus. Sehr detailreich!

  • Thanks 1

Share this post


Link to post
Share on other sites
Am 14.6.2020 um 20:26 schrieb Carpfanger:

Suchspiel: Finde den heimlichen Alk...

Das Fernglas ist in Wirklichkeit eine Doppelkornflasche? ;)

  • Haha 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Knalla! :D

Nee, Stonewall Jacksons Kieker ist es nicht. Obwohl die Idee klasse ist. Erinnert mich an meine Berufsschulzeit und...hach, ich schweife wieder vom Thema ab.

Tipp: Der Gesuchte trägt eine graue Uniform. 

Hilft nicht weiter? Ok. Auf dem 5. Diorama-Bild ist er am offensichtlichsten zu sehen. Aber auch auf ein paar anderen.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Meinste den ,der so krumm am Wagenrad liegt?

 

  • Haha 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Auch eine schöne Idee, kennt man ja, wenn man sich so richtig schön einen in die Rüstung geknistert hat....aber nee, auch nicht. Der am Wagenrad kauert raucht bloß sein Pfeifchen. 

Aber Wagen ist schon verdammt nah dran!

Share this post


Link to post
Share on other sites

Jetzt hab ich Ihn, ganz links unten im 5 Bild mit dem X auf der Flasche. :D

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Auf das X hätte ich auch getippt. :-) Und was ist da jetzt drin? Guter Südstaaten Bourbon?

Share this post


Link to post
Share on other sites

Ja, unser Bonsai hat es schon drauf, Respekt. :)

Nun ja, die Szene spielt ja am 01. Mai 1863, dem Vortag der Schlacht (Ereignis) von Chancellorsville. Und ursprünglich wollte ich nur eine Lagerszene des 33rd Virginia Infantry Regiment, Company I "Rockingham Confederates" darstellen, als mich plötzlich der Gedanke an diese Buchseite von Justus Scheibert übermannte.

Was sich aber genau in der Steingutflasche mit den drei XXX befindet ist historisch leider nicht überliefert. Der Einfachheit halber bleiben wir also bei Bourbon und Virginia.

Historisch überliefert hingegen ist nämlich folgendes Rezept aus Petersburg, Virginia, veröffentlicht am 15. März 1861 vom "Charleston Mercury":

Secession Trump: Es wird zu gleichen Teilen aus Brandy und Sherry, gut gemischt mit kleinen Zitronenstückchen und Apfelsinen hergestellt und mit einigen Grains Schwarzpulver gewürzt.

Und NEIN, die gute Virginia-Zigarre bleibt beim "Genuss" dieses Gesöffs bitte aus. Es könnte die letzte Kippe sein...

  • Haha 2

Share this post


Link to post
Share on other sites
Am 19.6.2020 um 21:45 schrieb Carpfanger:

Secession Trump: Es wird zu gleichen Teilen aus Brandy und Sherry, gut gemischt mit kleinen Zitronenstückchen und Apfelsinen hergestellt und mit einigen Grains Schwarzpulver gewürzt.

Fragt sich, ob das Pulver mehr eine martialische oder aberbläubische Angelegenheit ist, oder geschmacklich tatsächlich was bringt? ;)Schwarzpulver oder seine Bestandteile sind ja sonst nicht für kulinarische Verwendung bekannt.

Aber sollte man in diesen XXX-Flaschen nicht normalerweise sowas wie Moonshine erwarten? :DWobei Schwarzbrennerei natürlich voraussetzt, daß es schon ein Branntweinmonopol gab - interessante Sache, gabs das schon?

  • Haha 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Habe gerade den "Sam Watkins" vor der Nase. Da finde ich nichts über schwarzbrennen.

In der WDR-Doku über den Amerikanischen Bürgerkrieg wurde erwähnt, daß "O du Fröhliche" in Feldlagern getrunken wurde. Näheres dazu ist aber nicht bekannt. Den Fusel haben vielleicht nicht allzu viele überlebt...

Und schwarzbrennen an sich macht natürlich erst dann Sinn, wenn eine Branntweinsteuer erhoben oder Alkohol an sich verboten wird. Drum waren die "Moonshiners" um Alk Capone und Konsorten ja so erfolgreich. Ob es diese Steuer in der Konföderation gab, die sich ja selbst in weiten Teilen aus Schmugglerei wegen der Seeblockade versorgte, weiß ich nicht. Alkoholverbot im Süden kann wohl ausgeschlossen werden.

Übrigens ist Justus Scheibert auch auf einem Blockaderunner in die Südstaaten gelangt.

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites
vor 10 Stunden schrieb Carpfanger:

Und schwarzbrennen an sich macht natürlich erst dann Sinn, wenn eine Branntweinsteuer erhoben oder Alkohol an sich verboten wird. Drum waren die "Moonshiners" um Alk Capone und Konsorten ja so erfolgreich. Ob es diese Steuer in der Konföderation gab, die sich ja selbst in weiten Teilen aus Schmugglerei wegen der Seeblockade versorgte, weiß ich nicht. Alkoholverbot im Süden kann wohl ausgeschlossen werden.

Generell hatten Armeen der Zeit ja auch einen hohen Alkoholbedarf, da war man sicher froh, überhaupt genug Stoff zu haben, von dem man nicht blind wurde.

vor 10 Stunden schrieb Carpfanger:

Übrigens ist Justus Scheibert auch auf einem Blockaderunner in die Südstaaten gelangt.

Weißt Du da zufälligerweise den Namen des Schiffs?  Da gabs interessante schnelle Dampfer.

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites
vor 8 Stunden schrieb McCool:

Weißt Du da zufälligerweise den Namen des Schiffs?  Da gabs interessante schnelle Dampfer.

Ja, sein Reisebericht von 1863 ist erfreulich präzise. Von Berlin über London, Liverpool, Queenstown nach New York. Von dort aus:

"...fuhr mit dem Cunardsteamer 'British Queen', Captain Le Mesurè, nach den Bahama-Inseln und landete in dem zum Schmuggeln benutzten Hafen von New Nassau auf New Providence am Abend des 7. März. Hier informierte ich mich über das Blockadetreiben, den Schmuggelhandel [...] und kaufte mir auf einem Blockadebrecher (blocaderunner) für 100 Dollar Gold einen Platz nach Charleston. (Dampfer 'Flora' mit Doppelschraube.)

Mit diesem Schiffe verließen wir am 12. New Nassau, nahmen wegen nördlicher Kreuzer den Kurs durch die gefährlichen Louisianaklippen nach Osten, gingen bei San Salvador nördlich und liefen in der Nacht vom 14. zum 15. durch die Blockade, nicht ohne mehrmals beschossen zu werden und wiederholt in der Nähe der nördlichen Flotte festzusitzen. Mit Gottes Hilfe liefen wir am 15. früh glücklich in Charleston ein."

Wow, echt abenteuerlich. Habe die Route so gut es mir möglich war bei Maps nachverfolgt. Nichts für schwache Nerven. 

  • Thanks 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Vielen Dank, das ist sehr interessant! Offenbar gab es vier blockadebrechende Floras, mal schauen, ob noch was herauszufinden ist..

Share this post


Link to post
Share on other sites

Hier, das könnte sie sein:

Flora, Stapellauf 1862 bei William Dudgeon in Cubitt Town, London. Doppelschraube. Eisenrumpf. Verkauft an Alexander Collie & Co. Blockaderunner unter Captain George M. Horner, Captain "Cougar" und Captain Gilham. 19 mal die Blockade durchbrochen. März 1864 an die Konföderation verkauft, umbenannt in Virginia und dann in Cape Fear. 16. Januar 1865 nahe Smithville versenkt.

  • Thanks 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Sehr schön, damit läßt sich ja was anfangen, bzw. sogar eine Abbildung auftreiben - sieht über der WL konventionell aus

912509208_FloraBlockadeRunnerDudgeon.thumb.jpg.21120544402989d4d8e98373c0a68c4c.jpg

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Danke für das Bild.

Ja, recht unauffällig. Flach, wenig Aufbauten, farblich gegen den Horizont abgesetzt. 

150 foot lang (ca. 45m), schlanker Rumpf. Mit der Doppelschraube bestimmt flott unterwegs. Außerdem segelbar.

Reizvolles Objekt für den Modellbau. Nur zwei Punkte stören mich: In meinem bevorzugten Maßstab etwa 1300mm lang. Und unbewaffnet (sein wir doch mal ehrlich, ein bißchen stehen wir doch wohl alle auf Wummen.)

Share this post


Link to post
Share on other sites
vor 15 Stunden schrieb Carpfanger:

Reizvolles Objekt für den Modellbau. Nur zwei Punkte stören mich: In meinem bevorzugten Maßstab etwa 1300mm lang. Und unbewaffnet

Es müßte ja nicht das ganze Schiff sein - wie wäre es denn mit einer Szene auf dem Achterdeck, die Flora beim Blockadebrechen, und Scheibert hält mit dem Feldstecher nach Unionsschiffen Ausschau? ;)

  • Thanks 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.

Guest
Reply to this topic...

×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

  Only 75 emoji are allowed.

×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

×   Your previous content has been restored.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

Sign in to follow this  

×
×
  • Create New...