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McCool

HMS Ambuscade - eine erstaunlich dauerhafte "Fir Frigate"?

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Die britische Ambuscade dürfte vor allem für eine beachtliche französische Leistung bekannt Bayonnaise_vs_Ambuscade_Crepin.thumb.jpg.fa4e7f16423b803b32a42e097d65b0b1.jpggeworden sein: die Kaperung einer Marinefregatte durch einen tüchtigen französischen Freibeuter, die Bayonnaise, im Jahre 1798.  Dieses Ereignis wurde natürlich in dem in maritimer Hinsicht nicht erfolgsverwöhnten Frankreich gern propagandistisch genutzt.

Die Ambuscade von 1773 zählte zu den  drei ersten Expemplaren der später während des Unabhängigkeitskrieges sehr zahlreich gebauten Amazon-Klasse, das waren mit 12-Pfündern bewaffnete 32er. Es gab, wenn ich das richtig sehe, über 30 Expemplare, und sehr viele davon scheinen recht alt geworden zu sein.

In Gardiners "First Frigates" wird interessanterweise ohne weiteren Kommentar vermerkt, die Ambuscade sei aus Weichholz - "fir" - gebaut worden. Die Angabe findet sich 680982268_HMS_Ambuscade_by_Joseph_Marshall_LW_SCMU_1864_0006_0001.thumb.jpg.fe9102eba8dc75f0b42bed16ad221d87.jpgauch noch in Winfields "British Warships... 1793-1817". Im chronologisch davorliegenden Band "British Warships 1714-1792", fehlt der Hinweis. Der letztere Band erschien zwei Jahre nach ersterem - gab es da vielleicht neue Erkenntnisse?

Sollte die Ambuscade tatsächlich aus Weichholz gebaut worden sein, hätte sie wohl einen Altersrekord für die Schiffe dieser Art aufgestellt. Seltsam wäre, daß sie schon 1773 gebaut wurde, vor Kriegsausbruch - üblicherweise baute man die Weichholzschiffe in Zeiten vermehrten Bedarfs, erstmals wohl bereits während des Siebenjährigen Krieges, und später auch sehr umfangreich in den Koalitions- und napoleonischen Kriegen.

Die Ambuscade wurde 1773 in Dienst gestellt, war im Unabhängigkeitskrieg aktiv und erfolgreich, erlebte auch Indienststellungen in der Zwischenkriegsszeit. Nach einer größeren Reparatur ab 1794 Koalitionskriege, Kaperung durch Bayonnaise Ende 1798 und als "L'Embuscade" in die französische Marine eingereiht. 1803 wurde die Fregatte durch die Victory zurückerobert und tat dann zwischen 1804-1808 im Mittelmeer Dienst. Wohl erst danach kehrte sie nach England zurück, wo sie 1810 abgewrackt wurde. 

Soweit ich weiß, wurden spätestens bei Kriegsende 1814/15 sämtliche der neu gebauten Weichholzfregatten außer Dienst gestellt und abgewrackt, selbst wenn sie erst wenige Jahre alt waren.

Siehe dazu die Lebensdauer der Fregatten der Circe-Klasse von gerade 10 Jahren. Die Klasse basierte übrigens auf einer der ersten 12-Pfünder-Fregattenklassen aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges und wurde auf Druck des 1. Seelords St Vincent gebaut, der längst obsolete Muster bauen ließ, um die Größe und damit die Kosten der Fregatten zu reduzieren - eine sehr schlechte Strategie.

Aber unter den Nachfolgern St Vincents wurden auch 18-Pfünder-Fregatten aktueller Klassen in Weichholz gebaut, teils nach leicht modifizierten Rissen - so z.B. Apollo-36er oder Leda-38er; wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, wurden auch diese Schiffe kaum 10 Jahre alt.

Daß eine "fir frigate" in ziemlich aktivem Dienst fast 40 Jahre alt wurde, scheint mir ja recht unwahrscheinlich. Auskunft könnte der vielleicht der Baukontrakt geben, sofern noch vorhanden.

Edited by McCool
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Die Beweggründe für die Leichtbauweise müsste man mal abwägen. Ich seh das so:

Pro: billig im Einkauf; leicht zu beschaffen, da unabhängig von Einfuhren (spart auch Fracht - und Zollkosten); kurze Bauzeit da einfach zu bearbeiten und somit ein schnelles Flottenwachstum

Contra: sehr anfällig für den Holzwurm und andere Schädlinge; geringe Widerstandskraft selbst gegen kleinkalibrige Kanonenkugeln; statisch nicht so stabil bei schärferen Segelmanövern; nicht so sturmfest;  wenig Vertrauen durch die Crews

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Unabhängig von Einfuhren war man wohl beim Weichholz auch nicht, da dürfte einiges aus Kanada gekommen sein, nicht nur die Rundhölzer. 

Auf jeden Fall war ein Weichholz-Schiffskörper weniger dauerhaft und robust - leicht vorstellbar, daß sich die Verbindungen der Bauteile sehr viel leichter losarbeiten. Außerdem schTriton 1796einen bei den Fregatten die Spanten grundsätzlich mehr Auflanger gehabt zu haben als ihre Hartholz-Pendants, die Robert Gardiner in "First Frigates" irgendwo zur Circe/Thames-Klasse schrebt. D.h. kürzere Stücke, noch eine weitere Verbindungs- und Schwachstelle. Daß man die Auflanger aus mehr Stücken zusammensetzen mußte, könnte ganz einfach daran liegen, daß Weichholz die Neigung hat, lang und gerade zu wachsen. D.h. z.B. die Einweichung der Bordwand nach innen kann nicht mit gewachsenen Krummhölzern gebaut werden. An Krummhölzern, "compass timber", herrschte ein ganz besonderer Mangel, und da versuchte man allerhand, die einzusparen oder mit kürzeren Segmenten zu arbeiten; dahin gingen auch etliche der Innovationen Seppings'.  Ein experimenteller Schiffsentwurf aus den 1790ern, Triton, besaß fast keinen Sprung und fast gerade Seiten - da waren weniger gebogene Hölzer notwendig. Das Schiff selbst war eigentlich als 18-Pfünder-Fregatte geplant, erhieltHMS Alexandria aufgrund befürchteter struktureller Schwäche aber von Anfang an nur 12-Pfünder und hatte eine kurze Dienstzeit - ist aber sehr interessant und sicher nochmal gesonderter Betrachtung wert. Wie auch immer- die Tendenz, den Deckssprung und die Einweichung der Bordwände nach und nach zu eliminieren, war beim Triton durchaus wegweisend.  Eine auffallende Eigentschaft der Weichholz-Fregatten war noch eine vereinfachte Heckkonstruktion mit Plattgat, einem "square tuck stern".

Bei St Vincents entsetzlich veralteten Circes war noch ein Punkt, welcher der Festigkeit sicher nicht zuträglich war, daß man auf die Verwendung gewachsener hölzener Knie verzichtete. Da mußten dann ein dicker Klampenbalken - ähnlich wie bei Franzosen, glaube ich - und spezielle eiserne Beschläge reichen. Wie gesagt - Knie aus Weichholz sind halt nicht verfügbar, und die aus Harholz waren knapp und wurden für die 1. Wahl gebraucht. Nebenan ein Spant für das letzte Schiff der Circe Klasse, Alexandria.

 

Edited by McCool
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Schlanker und schnittiger Rumpf. Dazu das recht geringe Gewicht. Diese Schiffe müssen recht flott und wendig gewesen sein. Auch ein sehr interessanter Punkt.

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vor 1 Stunde schrieb Carpfanger:

Schlanker und schnittiger Rumpf. Dazu das recht geringe Gewicht. Diese Schiffe müssen recht flott und wendig gewesen sein.

Das ist der Triton, das Einzelschiff. Die rundlichen Linien der 12-Pfünder 32er Circe/Thames-Klasse waren oben verlinkt - hier nochmal im Vergleich zum Riß der Artois-Klasse 18-Pfünder 38er (oben, das größere Schiff). Auch von der Klasse wurden einige Exemplare aus Weichholz gebaut, auch mit Plattgat.

post-21-028082800%201386173993.jpg

Muß mal schauen, ob Gardiner einen Segelbericht zum Triton hat - ich weiß aber, daß einige der Schiffe, die unter dem Einfluß von Bentham/Gambier entworfen wurden, ziemlich stark stampften. Das ist allerdings leicht vorstellbar bei dem schick aussehenden überhängenden Bug, im Fall des Triton ziemlich extrem ausgefallen ist. Ethalion und die größere Amphion-Klasse (auch hier Weichholz-Exemplare), bei der Gambier wohl auch noch seine Finger drin hatte, ist das gemäßigt.

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