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McCool

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Everything posted by McCool

  1. Es hätte durchaus geschehen können, daß statt der Amerikaner die Briten die Atombomben auf Japan abwerfen, was mir bis gestern auch völlig unbekannt war. Grund dafür war, daß die 1943 bereits in Produktion befindliche gestellt B 29 Superfortress zwar die Last tragen konne, aber zwei hintereinanderliegende Bombenschächte hatte, die durch den Tragflächenholm voneinander getrennt waren. Die Struktur konnte also nicht ganz problemlos geändert werden, um einen einzelnen großen Bombenschacht für die riesigen A-Bomben zu schaffen. Daher zog man als Plan B britische Lancaster-Bomber in Betracht, die mit relativ geringen Modifikationen die Bomben tragen konnten, jedoch das Problem zu geringer Reichweite hatte. Man arbeitete aber Seite Ende 1943 mit Hochdruck an der Lösung für die B 29, und das Resultat war die Silverplate Series, die einen großen Bombenschacht besaß, und zwecks Reichweitenverlängerung von jeglicher Bewaffnung befreit war, mit Ausnahme der tail gun. Außerdem besaßen sie Verstellpropeller und eine Benzineinspritzung. Die Tests dieser Variante begannen dann doch bereits im Februar 1944. Für die Lancaster-Bomber hatte man zwischenzeitlich die Luftbetankung erprobt, aber Plan B war aufgrund der rechtzeitigen Fertigstellung der Silverplate-B29 hinfällig. Rückblickend betrachtet würden die Briten wohl nicht gerne mit diesem furchtbaren Atombombeneinsatz in Verbindung gebracht werden...
  2. Freut mich für sie - und es zeigt, daß man noch erfolgreich in Europa produzieren kann und nicht alles nach China auslagern muß. War das wegen Brekina? Mei Modelcar World habe ich nur einmal etwas bestellt und nie wieder. Mir ist Kiunke untergekommen, weil er seinerzeit Moduni übernommen hat - war dann nicht mehr dasselbe, und ist jetzt weg. Ja, ich meine, da ist ja schon in dem Vorstellungsvideo dauernd was abgefallen, wenn ich mich recht entsinne! (war auch bei ihren Panzern so) Vielleicht gibts ja eine schöne MOC-Anleitung für eine besser Comet... Ach du grüne Schande! Nee, Klaus, weder das eine noch das andere...
  3. Sieht sehr gut aus. Erstaunlich, daß Bluebrixx nicht hinkriegt, Aufkleber zu liefern... Die Feuerwehrserie fand ich auch noch interessant; das Manhattan-Projekt ist nichts für mich, aber an sich auch eine gute Idee. Captain Futures Comet war mich dann doch zu klapprig und zu teuer; sie durfte natürlich nicht so heißen, wie Colt Seavers' Truck, oder sämtliche Nachbildungen von Unimog, Mercedes und VW, die sie im Programm haben. Na ja. Cobi hat sich da hingegen ein paar Lizenzen leisten können, da dürfen die Fahrzeuge "Jeep" oder "Seat" heißen... .. igitt, das ist häßlich - das hatte ich gar nicht mehr mitbekommen. Aber seinerzeit z.B. noch auf der einen Seite das Jammern von Bluebrixx über den bösen Monopolisten Lego, weil sie wegen der Figuren gegen Bluebrixx vorgingen, oder weil Lego Bricklink kaufte; dann aber sich das bescheuerte Akronym "AFOB" juristisch "sichern" wollen, oder beim Vertrieb gewisser chinesischer Steine selbst die Monopolstellung anstreben, das schon. Und der Chef ist mir schon in anderem Zusammenhang aufgefallen; dann noch die Sache mit den MOCs, ist nicht überraschend, und bestätigt mich, diese Firma nicht zu unterstützen. Ja, sind was die Ähnlichkeit angeht, ziemlich gelungen, und es ist eine interessane Auswahl. Die Kooperation mit World of Warships/Tanks war bestimmt clever. Das einzige, was nicht hübsch ist, sind die Figuren..
  4. Das ist ja eine sehr stattliche Sammlung! Sind die Feuerwehrfahrzeuge die von Bluebrixx? Sind die OK? Vor einiger Zeit wollte ich mal wissen, wo man diese legoartigen Militärsachen herbekommt, und da bin ich dann, abgesehen von diesen Eigenkonstruktionen, auf Cobi und Bluebrixx gestoßen. Bei letzteren sahen einige Modelle (PSW, Wespe, u.ä.) nett aus, aber die waren wohl leider so extrem klapprig, daß sie schon auseinanderfallen, wenn man sie schräg anschaut; teils fand ich dann auch das Verhalten dieser Firma etwas bizarr, und was sie jetzt so rausbringen, verfolge ich gar nicht mehr. Cobi ist offenbar solide, vielleicht bau ich davon noch mal irgendwas. Oder Mega Construx? Ansonsten fand ich nur die Lego Speedchampionsganz nett, da habe ich den Mustang, und den Audi. Letzterer gehört ja zur verbreiterten Serie, und da sieht man, wo Lego an seine Grenzen stößt. Der Spielwert wäre da jetzt fast gleich null, das Modell rollt nicht gut, die Bodenfreiheit ist ca 1/2 mm, und die Fahrerfigur hat im Verhältnis zum Modell die Größe eines Kindes. Das war der Preis, mit dem man einen Tick mehr Vorbildähnlichkeit durch die Verbreiterung erkauft hat. Aber wahnsinnig viel wird das nicht weiterhelfen. Glaub nicht, daß mich in der Kategorie noch allzu viel begeistert. War mal ein ganz lustiger Ausflug, aber letztlich nicht meine Art von Modellbau. Aber dennoch finde ich echt interessant, was Leute da zu auf die Beine stellen, auch mit Eigenkonstruktionen.
  5. Es gibt noch ein weiteres dickes Problem mit dem Buch, das bisher nicht angesprochen wurde, und das betrifft die Dekorationen. McKay zeigt das Schiff grundsätzlich von der Steuerbordseite, vermutlich, weil er das bisher in allen seinen Büchern so gemacht hat. Das ist aber in vorliegendem Fall eine schlechte Wahl. Denn es gibt drei zeitgenössische bzw -nahe Abbildungen, die für die Rekonstruktion entscheidend sind: Der Stich von Payne (wohl 1637/38 entstanden) zeigt das Schiff unter vollen Segeln, mit Flaggenschmuck, und vor sehr detailliert den Skulpurenschmuck; wesentlich, aber nicht nur auf diesem Stich basiert eine Zeichnung Willem van de Veldes aus etwas anderer Perspektive; obwohl sie den Ursprungszustand abbildet (oder das intendiert), sie ist nicht zeitgenössisch, sondern stammt vermutlich aus den 1650ern oder 60ern, als der Sovereign bereits deutlich umgebaut worden war. Diese Darstellung ist als "Morgan-Zeichung" bekannt, nach einem Sammler, der sie einmal besaß. Diese beiden entscheidenden Quellen zeigen den Sovereign - von der Backbordseite. McKay malt nun also die Skulpturen der Backbordseite aus o.g. Quellen einfach spiegelverkehrt auf die Steuerbordseite seiner Rekonstruktion. Dazu zitiere ich mal den für dieses Schiff absolut unverzichtbaren Busmann: "Gewisse Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, daß daß keine dieser Abbildungen [Anm: u.a. Payne, van de Velde] Angaben über das Aussehen der Steuerbordseite liefert. Spiegelbildliche Gleichheit der beiden Seiten darf man im vorliegenden Fall nicht voraussetzen, da die an Backbord erscheinenden Motive, wie die Beschreibung zeigen wird, zum Teil zu Zyklen gehören, welche erst bei ergänzender Fortführung auf der Steuerbordseite ihren Sinn haben." (Busmann, S. 64) Nun existiert im Bostoner Museum of Fine Arts noch eine dritte wichtige Quelle, eine Entwurfszeichung des Sovereign, die das Schiff von der Stuerbordseite zeigt. Allerdings präsentiert sie laut Busmann "einen teilweise abweichenden Ausstattungsvorschlag" und kann daher nicht ohne weiteres auf das tatsächlich gebaute Schiff übertragen werden. "Diese Abweichungen ermöglichen zudem einen tiefen Einblick in das gedankliche Umfeld, aus dem das ikonographische Programm erwuchs. Dennoch bleibt manche Frage offen, da die Bostoner Zeichung, indem auch sie nur eine Schiffsseite zeigt, ihrerseits den Entwurf fragmentarisch wiedergibt." (Busmann, ebenda) Aus irgendwelchen Gründen zeigt McKay die Dekorationen sowohl "nach Payne", als auch "nach van de Velde" - beide natürlich spiegelverkehrt. Er wird sich vermutlich im Textteil dazu geäußert haben, aber den konnte ich nicht einsehen. Jedenfalls hat sich offenbar nicht allzu viele Gedanken darum gemacht, daß die Dekorationen beider Seiten unterschiedlich gewesen sein müssen, und daß die Spiegelung der Backbord-Darstellung auf die Steuerbordseite somit irritierender Unfug ist. Wenn ein Modellbauer also ein halbwegs gutes Modell mit wenigstens korrekter Backbordseite bauen will, muß er also zumindest mal die Stufen in den Decks ausbügeln das Plattgat in ein Rundgat umkonstruieren die Ruderanlage korrigieren die Seitengalerien zurechtrücken die Dekorationen nach Backbord zurückspiegeln und anhand von Busmann überprüfen Und wer weiß, vielleicht ergibts sich ja noch das ein oder andere; ich konnte ja auch gar nicht im Detail untersuchen, ob McKays Dekorationszeichnungen überhaupt mit den Quellen übereinstimmen; meine Eindrücke vom Zeichnungsteil des Buchs habe ich nur aus einem "overview"-Video bei youtube, das dort dankenswerterweise eingestellt wurde. Mir fiel noch auf, daß McKay wohl gar keine Grätingdecks über Kuhl und Achterdeck zeigt, obwohl die bei Payne doch ganz deutlich zu erkennen sind. Ihre Entfernung beim Umbau 1651 ist schriftlich dokumentiert - ein sicherer Beweis für ihre Existenz. Die Empfehlung der Schiffbauer war: First, as to the Sovereign, we conceive that - to make her more serviceable than now she is - the gratings and the upper deck in the midships be taken down, that the side be lowered to the upper edge of the ports in the midships; (...) (zit. nach Winfield, First Rate, S 16.) Siehe die Grätings über Kuhl und Achterdeck bei Payne, mit Leuten drauf: Noch ein potenziell verwirrendes Objekt ist die Fallreepspforte. Im Bildteil hat McKay irgendwo eine gezeichnet, und zwar wohl für die Backbordseite. In den Gesamtansichten, die ja nur die andere Seite zeigen, ist keine Pforte erkennbar. Interessanterweise zeigt der Payne-Stich keine Fallreepspforte, im Gegensatz zur van de Veldes Zeichung. Busmann erklärte das Fehlen so, daß das Stechen der Kupferplatte für Paynes Darstellung bereits zu weit fortgeschritten war, als man sich 1638 für den Einbau dieser Pforte entschied (S. 46) - man konnte die Platte nicht mehr ändern. Daß die Platte in mehreren Schritten bearbeitet wurde, z.B. die Ergänzung der Takelage, scheint nachweisbar. Während in späterer Zeit Fallreepspforten auf beiden Schiffsseiten eingebaut wurden, war das offenbar in früherer Zeit nicht üblich. Der Sovereign dürfte wohl 1638 tatsächlich nur jene auf der Backbordseite besessen haben, die bei van de Velde zu sehen ist. Es existiert offenbar nach wie vor keine keine vollständige Rekonstruktion des gesamten Dekorationsprogramm des Sovereign. Vermutungen zur Gestaltung der Steuerbordseite bietet Hendrik Busmann. Bei seiner systematischen Betrachtung der Partien der bekannten Backbordseite zieht er stets auch den Bostoner Entwurf hinzu und erläutert, ob dessen Darstellung der anderen Seite inhaltlich und gestalterisch dazu passen könnte, oder ob das Konzept geändert wurde. Und wie oben gesagt - würde mich freuen, wenn jemand, der McKays Buch genauer gesehen hat, etwas dazu äußert, und evtl. meine Eindrücke korrigieren könnte, falls ich falsch liegen sollte. Literatur: Winfield, First Rate Busmann, Sovereign of the Seas Lavery, Ship of the Line, Vol I
  6. Mr Aldridge hat das wohl besser ausgedrückt als ich - McKay verlängert den Ruderkopf aufgrund seiner irrigen Interpretation der o.g. Heckansicht dermaßen, daß er eine Etage höher rauskommt als üblich. Somit liegt dann die Pinne nicht unter den Mitteldecks - sondern unter den Oberdecksbalken. Der Kolderstock selbst bleibt gleich lang, der Ruderstand liegt also auf dem Oberdeck. Ruderkopf, Pinne und damit dann Ruderstand liegen alle ein Deck zu hoch. Und das hätte ja auch noch Folgen für die Raumaufteilung. Dann würde man eine geräumigen state room auf dem Mitteldeck verlieren, weil sich Ruderkopf und Pinne darin befänden - siehe den Längsschnitt des 1st rate oben, da ist diese Kammer getäfelt und mit Gemälden geschmückt, es steht ein großer Tisch drin.
  7. Mittlerweile ist McKays Buch erschienen, und es gibt bei Amazon sowohl eine Vorschau des Textteils und vier "Rezensionen". Nach meiner Skepsis angesichts der Titelabbildung war ich erstmal erfreut davon zu lesen, daß McKay die Unterstützung in Anspruch nahm. Frank Fox habe ihm Hinweise gegeben, die in die Zeichnungen eingeflossen seien, und auch Robert Gardiner wird genannt, obwohl keine Details der Unterstützung von dieser Seite genannt werden. Dann aber stieß ich auf den Namen Mondfeld, und das war der Augenblick für eine spontane Geste. Das bewußte Modellbaubuch darf man es keinesfalls als seriöse Quelle für irgendwas benutzen. Es steht eben auch einiger Unfug drin. Mich hat es schon erschreckt, daß McKay das Buch in seiner Bounty-Anatomy aus den 80ern als Literatur anführte, das konnte noch als Anfängerfehler gelten, aber Jahrzehnte später noch immer dieses Buch für eine gute Quelle halten..? Von den "Rezensionen" bei Amazon verdienen zwei die Bezeichung nicht, weil sie nur aus jeweils 1-2 nichtssagenden Sätzen bestehen. Eine ist auf japanisch, und die vierte (die einzige, die statt maximalem 5 nur den unvermeidlichen Minimalpunkt vergibt) ist extrem ausführlich und offenbar sehr kenntnisreich. Sie stammt von einem Mr. Charles Aldridge, ein Modellbauer, der angibt, sich schon länger mit dem Schiff zu befassen. Er bestätigt jedenfalls meine Befürchtung hinsichtlich der Konstruktion des Hecks, die ich im letzten Jahr schon aufgrund des damals schon veröffentlichten Titelbildes äußerte: McKay verpaßt dem Sovereign ein Plattgat. Es ist aber sogar noch schlimmer als ich vermutete, denn Aldridge beschreibt, daß McKays Plattgat nicht etwa die bei älteren (und z.B. niederländischen Schiffen weiterhin gebräuchliche) Form besitzt, sondern daß dieses abnorme Gebilde bis zum Kiel herunterreiche. In der Tat, das kann man auch auf besagtem Titel erkennen, aber ich hielt es für eine unglückliche perspektivische Verzerrung - ist es leider nicht. Aldridge weist darauf hin, daß es mit diesem abnormen Heck unmöglich sei, daß das Ruder sauber angeströmt werde. Das hätte wohl bedeutet, daß das Schiff nur schlecht zu steuern gewesen wäre. McKays Entscheidung beruht auf dem bekannten Gemälde, das den Sovereign in Heckansicht zeigt, und den Erbauer Peter Pett zur rechten. Das Gemälde ist in mehrfacher Hinsicht problematisch, aber das ist hier jetzt nicht ausführlich darzustellen. Nur soviel, die Frage ob das Schiff Platt- oder Rundgat hatte, ist damit durchaus nicht eindeutig zu beantworten, weil das Gemälde widersprüchlich ist. Ein weiterer Punkt, den Aldridge bemängelt, sind die Stufen in den Decks von McKays Rekonstruktion, die, wie das Plattgat, auf fragwürdiger Interpretation einer einzelnen Abbildung beruhen. Ich habe es jetzt nicht nachgeschlagen, aber meiner Erinnerung nach beschreibt Lavery als eine der Innovationen des Sovereign eben die Abschaffung der Stufen in den Decks beim Sovereign. Aldridge weist sogar darauf hin, daß der alte Prince Royal bereits 1623 entsprechend umgebaut wurden - die Stufen in den Decks verschwanden, wie auch aus späteren Darstellungen aus dem langen Leben dieses Schiffs ersichtlich ist. Ein drittes Problem, das der Rezensent anspricht, ist das Ruder. Wie beim Plattgat vertreut McKay wohl auch in dem Punkt dem ominösen Gemälde mit Pett und der Heckansicht des Sovereign, das den Ruderkopf wohl in falscher Höhe zeigt- bzw in einer Position, die man falsch interpretieren kann. McKays Konstruktion bringt letztlich den Kolderstock aufs Oberdeck. Mr. Aldridge besteht gerechtfertigterweise darauf, daß sich die Pinne aber bei Dreideckern grundsätzlich unter den Mitteldecksbalken befand, der Kolderstock folglich also auf dem Mitteldeck. (zur Orientierung s. Gemälde-Ausschnitt eines 1st rate um 1690) Viertens hat "all the juggling he's done with the stern area" zur Folge, daß auch die Seitengalerien aus dem Lot geraten und nicht mehr dort sitzen, wo sie sollten. Es ist ungünstig, ein Buch auf diese Art, mit nur sehr begrenztem Einblick und aufgrund einer Rezension, beurteilen zu wollen, aber die Rezension von Mr Aldridge erscheint mit stichhaltig. Sie bestätigte meine Befürchtungen, und ich habe auch Erfahrungen mit vier Büchern des Autors. Aber die Ausführungen hier mögen lediglich als Hinweis dienen, der vielleicht jemandem eine unerfreuliche Überraschung ersparen kann. Und falls jemand eine andere, positive Meinung zu dem Buch hat, und die Problempunkte ausräumen kann, möge der das hier gern kommentieren.
  8. Für die Zeit um 1600 gibts halt eine ziemlich begrenzte Zahl von Schiffsdarstellungen, man ist einfach drauf angewiesen. Z..B. Vroom oder Aert Anthonisz würde ich auch keinesfalls unterschätzen, von den van de Veldes einige Zeit später ganz zu schweigen - ihre Zeichungen und Gemälde sind sensationelle Quellen, ohne die man sehr viel weniger über die Schiffe des 17. Jahrhunderts wüßte. Und es ist ja auch durchaus so, daß solche Gemälde von fachkundigen Eliten in Auftrag gegeben wurde. Für die Bewertung als Quelle ist dann zu betrachten, ob es eine propagandistische Intention gab, ob es eine zeitlich und örtlich zusammengefaßte Komposition ist, usf. Ob der Maler etwas von Seefahrt und Schiffen verstand, läßt sich schon ganz gut erkennen. Manchmal gibt es Darstellungen von Schiffen - Drucke, oder z.B. biblische Szenen mit Schiffen im Binnenland - wo man ganz genau sehen kann, daß der Künstler einige Vorlagen kopierte, aber z.B. den Sinn von Details des Takelwerks oder der Schiffskonstruktion überhaupt nicht verstand. Zu kräftig geblähten Segeln - Segel der Zeit waren definitv bauchiger geschnitten als im 18. oder gar 19. Jahrhundert. Nur die dargestellten Situationen, mit Vollzeug im Gefecht, muß halt nicht unbedingt stimmen, besonders wenn da einer der weniger sachkundigen Maler am Werk war. Manche hatten auch Probleme mit der perspektivischen Darstellung. Viele ältere Schiffsdarstellungen, die auf den ersten Blick mit den gewaltigen Segeln und den irrsinnig hohen Aufbauten als völlig übertrieben scheinen, sind dann von der Realität oft doch nicht so weit weg. Port. "Karacke", mit Kreuzen auf den bauchigen Segeln, und Devise "IN HOC SIGNO (VINCES)" Interessant dazu fand ich McElvogues "Anatomy" der Mary Rose, der sie im Gegensatz zur quasi-offiziellen Rekonstruktion mit enormem Vorder- und Achterkastell darstellt, und das ziemlich ausführlich begründet, nicht zuletzt mit künstlerischen Darstellungen - und der hier im Unterforum vor einiger Zeit erwähnten Anthony Roll. Bei diesem bekannten Gemälde (ca 1540) scheinen die Schiffe zunächst mal - tatsächlich auf engstem Raum - in ziemlich entgegengesetzte Richtungen zu segeln; aber ist das wirklich so? Hat die Santa Catarina de Monte Sinai nicht einfach beigedreht; wird gleich die Segel bergen und vor Anker gehen?
  9. Es ergäbe wirklich keinen Sinn, im Gefecht von Vollzeug auszugehen, nur weil Maler eine Vorliebe für überschwänglich geblähte Segel hatten. Man muß ja generell davon ausgehen, daß die Malerei dieser Zeit auch gar keinen dokumentarischen Realismus in solchen Dingen beabsichtigte. Es wurden ja, das galt wohl z.B. auch noch für Darstellungen der niederländisch-britischen Seekriege, gern Ereignisse wie im Zeitraffer zusammengezogen und als gleichzeitig dargestellt, die tatsächlich über einen viel längeren Zeitraum stattfanden. Hier aber noch ein paar Beispiele mit interessanteren Besegelungen: Hier noch eine friedliche Szene mit dem Prince Royal, auch mit interessaten Segelvariationen (gemalt um 1632).
  10. Jedoch, ein dunkles Segel würde ja nur aus dieser einen bestimmten Perspektive vorm Hintergrund verschwinden. Kommt das Boot etwas näher heran, ist ein schwarzes Segel vielleicht sogar eher auffälliger. Was Segelfärbung zur Tarnung angeht, bin ich skeptisch. Nicht nur die Perspektiven, auch die Lichtverhältnisse ändern sich ja schnell. Abgesehen von der Piraten-TV-Serie habe ich auch sonst nix von schwarzen Segeln bei Piraten gehört. Ansonsten kenne ich es nur aus der griechischen Mythologie, in der Theseus-Sage. Da ging es aber nicht um Tarnung, sondern um ein schwarzes und ein weißes Segel, um auf große Distanz eine Botschaft zu übermitteln. Am ehesten würde ich noch farbige Segel im Mittelmeer vermuten, aber ich weiß wirklich nicht, ob die irgendeine andere Funktion als eine dekorative hatten.
  11. Siehe aber oben, Schlacht von Cadix. Oder auch dieses Gemälde (post 1600) der Armada in der Strasse von Dover: Oder auch das hier (obwohl auch keine Gefechtsdarstellung): Alles andere, als die Segel der Notwendigkeit anzupassen, wäre ja auch völlig unlogisch. Ob aber zu der Zeit das Großsegel grundsätzlich gerefft wurde, weiß ich nicht. Fest steht natürlich auch, daß es noch keine Kiellinie gab, und daß Gefechte ganz anders abliefen als im 18. Jahrhundert, als vermutlich relativ chaotisches Mêlée halt. Wenn man sich nach dem Abfeuern seiner Geschütze zB. erstmal wieder vom Gegner entfernen wollte, um nachzuladen - was offenbar ziemlich lange dauerte im Vergleich mit späteren Zeiten - dann konnte es ja sehr sinnvoll sein, alles verfügbare Tuch zu setzen. Weil es keine Formationen oder die Kiellinie einzuhalten galt, war da im Verlauf einer Schlacht bestimmt einges an Segelsituationen denkbar.
  12. McCool

    Was dreht?

    Echt, kann man das Ende von Life on Mars mit Lost vergleichen? Wie ungünstig. Lost habe ich nämlich immer - äh - nicht gemocht, schon bevor der Erzeuger dieses Humbugs, JJ Abrams, als Zerstörer von Star Trek (Kinofilme 2009 ff) und Star Wars notorisch wurde. Von Life on Mars habe ich ein wenig gesehen (aber nicht das Ende -) und fand es ziemlich gut gemacht. Aber das war ja Breaking Bad auch; aber manche Leute sagen, mit der 2. Hälfte der 5. Staffel ging dann alles den Bach runter. Hab die immer noch nicht gesehen, und vielleicht sollte ich es lassen?! Mal sehen, wohin sich das mit Ash und den bösen Toten entwickelt, da gibts ja nur überschaubare 3 Staffeln. Sie haben zum Ende der 1. schon eine Figur umgebracht, die ich mochte, wie schade.
  13. McCool

    Was dreht?

    Ash vs. Evil Dead! Habe erst kürzlich entdeckt, daß es diese Serie gibt, und jetzt die ersten Folgen gesehen. Und ich finde die Umsetzung wirklich gelungen; ist ja nicht selbstverständlich, daß es gelingt, aus diesen jahrzehntelaten bizarren Horrorfilmtrips eine Serie zu machen. Bruce Campbell hat sich aber gut gehalten, natürlich auch Dank dieses schicken Männerkorsetts!
  14. Ein bischen was hab ich noch gefunden, auch eine Art Beschriftung - eine amtliche Vorschrift für das Anbringen der Nummern auf Fischereischiffen. Die ist relativ detailliert, stell ich hier noch mal ein. Und mal schauen, ob sich herausfinden läßt, welche Art von Farbe man für sowas angerührt hat. Es gab sie ja eh nicht in Dosen. USS Chesapeake hatte zwar kein beschriftetes Segel, aber sie ging ja gegen die Shannon mit einer großen Flagge am Fockmast in die Schlacht, auf der stand "FREE TRADE AND SAILORS RIGHTS", neben wohl mindestens 3 großen Nationalflaggen andernorts.
  15. Da habe ich mich mal umgeschaut nach den Stichworten "bacon cornbread", und das sieht doch ganz vielversprechend aus - das fällt garantiert nicht auf, daß es eigentlich ein verkapptes Ladestockbrot ist! Ist natürlich aufwendiger, aber mit den wesentlichen Zutaten und Aromen. Interessanter Kochkanal übrigens, es gab auch mal Klapperschlange.
  16. McCool

    Britishmuzzleloaders

    Das ist auch richtig schön einschlägig napoleonisch bzw georgianisch und verspricht interessant zu werden: The India Pattern Brown Bess: Musketry of the Napoleonic Era -PART ONE - The Platoon Exercise c.1807
  17. Es muß ja auch nicht einmal ein Ladestock sein. Aber kleinee Maisbrots mit Speckstückchen drin beim nächsten Grillen einschmuggeln, das müßte doch gehen.
  18. Sieht interessant aus, und schöner Schauplatz! Die PS4-Spiele sollten dann auch auf der PS5 laufen, wie ich mal irgendwo las?
  19. Ah, also Ladestockbrot, fein! Funktioniert vielleicht auch als Bajonettbrot? Könnte mit dem Ladestockmaisbrot mit Speckfettaroma, klingt gar nicht mal so schlecht.
  20. Vielleicht bekommst Du es ja besser hin! Und ob man diese Pampkombination mag, ist nicht zuletzt Geschmagsfrage. In den Ofen muß es nicht sehr lange, ca 20 Minuten bei 200°C. Denn sowohl Brei als auch Hack-Gemüsemasse sind ja schon gegart, bevor man das ganze in den Ofen schiebt.
  21. Um darauf zurückzukommen, ich habe am letzten Wochende keinen Shepherd's, aber Cottage Pie ausprobiert. Der Unterschied ist ja eigentlich nur, daß man Rinder- statt Lammhack nimmt. Und ich muß sagen, es war eine Enttäuschung. Es ist letztlich Matsch mit Soße. Mit Sicherheit ist er mir nicht optimal gelungen, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, daß mich das Gericht mit etwas Feintuning wirklich umhauen würde. Für die Hackmischung: 500 g Rinderhack, 1 Zwiebel, 1 Möhre, Erbsen, 3 Knoblauchzehen, 4 EL Mehl, 1/4 l Rinderbrühe, 1 EL Tomatenmark, Thymian, Rosmarin, Salz, Pfeffer, Worcester-Sauce. (Rotwein wäre sicher kein Fehler). Für den Kartoffelpamp: 700 g mehligkochende Kartoffeln, 2 EL Butter, 120 ml Sahne, geriebener Käse. (evtl hier hilfreich: ein paar Eigelb) Beide Sachen schmeckten für sich genommen recht gut, aber - wenn man es auf den Teller schaufelt, sieht es nicht besonders toll aus. Mein Kartoffelpamp hätte zweifellos eine knusprigere Kruste habem müssen - mich hatte hinsichtlich Bräunungsgrad etwas getäuscht, daß an den Rändern das Tomatenmark den Pamp färbte, es sah ziemlich genauso aus wie hier - und der Gouda war sicher kein guter Käse dafür, Cheddar oder Parmesan wären natürlich weit besser - aber ich glaube, mir liegt das Gericht einfach nicht. Kruste hin oder her, es bleibt Matsch & Pamp. Mit den Zutaten könnte man leicht irgendetwas Schöneres kochen. Shepherd's Pie ist vermutlich eines der Gerichte, die den legendären Ruf der insularen Küche begründet haben!
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